Ivona Dadic: „ … und dann kracht’s!“

Das folgende Interview mit Österreichs Jahresweltranglistenersten und nunmehrigen „Sportlerin des Jahres“ erschien erstmals im vergangenen September im Magazin „News“

Siebenkämpferin Ivona Dadic (26) zählt zu Österreichs Medaillenhoffnungen für die auf 2021 verschobenen Olympischen Spiele in Tokio. Dazu ist die Oberösterreicherin ein aktuell schwer angesagter Instagram-Star – und für nicht wenige Role Model in Sachen positives Denken.

Interview: Fritz Hutter

Am Tag vor Erscheinen dieser Ausgabe wären in Tokio die Siebenkampfmedaillen vergeben worden. Traurig, dass die Olympischen Spiele 2020 nun voraussichtlich erst in einem Jahr steigen können?

In letzter Zeit habe ich schon öfter daran gedacht, dass es bald losgegangen wäre. Aber nach meiner Oberschenkelverletzung bei der WM im vergangenen Herbst ist mir ja einige Trainingszeit verloren gegangen. So gesehen bleibt mir jetzt mehr Vorbereitung, um mir dann meinen Traum von der Medaille zu erfüllen. Insgesamt ist dieses Jahr richtig entscheidend fürs kommende. Jene, die heuer voll durchziehen, werden 2021 im Kampf ums Stockerl im Vorteil sein. In Österreich haben wir das trotz Corona mit vielen kompakten Wettkämpfen gut hinbekommen, meine Situation sehe ich deshalb sehr positiv.  

Gedankenexperiment: Wenn man die Spiele nun doch wie geplant durchziehen würde, wären Sie für den vielleicht wichtigsten Wettkampf Ihrer Karriere trotzdem bereits fit genug?

Ich wäre ready! Müsste ich schon jetzt ran, dann weiß ich, dass ich gut wäre. Ich war körperlich noch nie in einer derart starken Verfassung wie heuer. Dazu hat sich meine Technik weiterentwickelt und stabilisiert.

Woran, außer an Ergebnissen wie dem Sieg beim Ein-Stunden-Siebenkampf neulich in Amstetten, merken Sie das noch?

Zum Beispiel beim Hochsprung. So wie jetzt bin ich noch nie gesprungen, auch der Weitsprung funktioniert super. Und beim Kugelstoßen konnte ich gleich im ersten Wettkampf persönliche Bestleistung fixieren. Ich bin einfach insgesamt stärker geworden. Bei der WM 2019 konnte ich durch die Verletzung leider nicht zeigen, was ich kann – aber ich kann heuer mehr als letztes Jahr!

Wie wären die vergangenen Monate unter „normalen“ Umständen verlaufen?

Von Anfang April bis Mitte Mai war ein sechswöchiges Trainingslager in Atlanta geplant, wo wir unter anderem mit meinem Weitsprung-Coach, dem Olympiasieger Dwight Phillips, versucht hätten, mein Training aufs nächste Level zu heben. Danach wäre ich Ende Mai beim Mehrkampfklassiker in Götzis und bei ein paar weiteren Wettkämpfen angetreten. Und am 26. Juli hätte es dann ab nach Japan gehen sollen.

Was hören Sie von Ihrem US-Coach über die Lage in den Staaten?

Leider dürfte die Situation in den USA um einiges schlimmer sein, als bei uns und es scheint der große Plan zu fehlen, wo es mit den Maßnahmen gegen Corona genau hingehen soll. Das erschwert natürlich auch den Sport extrem, was bedeutet, dass die Athletinnen und Athleten sehr viel alleine machen müssen. Deshalb sehen sie die Olympia-Verschiebung vielleicht noch entspannter als ich.

Wie sah Ihre offenbar sehr erfolgreiche Heimarbeit während des Lockdowns aus?

Als sich die Lage in der Woche vor dem 16. März zugespitzt hat, habe ich Hürden, Speere und einiges andere ins Auto gepackt, um daheim einigermaßen sinnvoll trainieren zu können, dazu gibt es im Haus meines Freundes Dario in Steyr eine perfekt eingerichtete Kraftkammer. Und es wurde ein spezieller Trainingsplan ausgearbeitet, zum Beispiel mit intensiven Bergläufen auf einsamen Forststraßen für die Standfestigkeit über die 800 m, Hürdentrainings auf der asphaltierten Gasse vorm Haus oder Sprungübungen auf den Schotterwegerln eines Parks gleich ums Eck’. Dort war ich dann zur Verwunderung der wenigen Spaziergänger sogar ein paar Mal Kugelstoßen.

Und bei einer Speerwurf-Imitation mit einem Ball wurde dem Vernehmen nach die Hausfassade zerschossen … 

Ja, da war es dann höchste Zeit für etwas Neues (lacht). Ich habe darauf hin einen Bauern kontaktiert, um zu fragen, ob ich auf seinem Feld Speerwerfen darf. Der war tatsächlich sofort begeistert. Dario hat mich beim Training am Acker gefilmt und die Videos zwecks Feedback an mein Trainerteam geschickt. Letztendlich hat alles super funktioniert. Trotzdem war ich froh, als wir Ende April wieder zurück auf die Tartanbahn durften. Besonders das viele Laufen auf Asphalt habe ich am Ende in den Gelenken gespürt. Gut, dass Dario auch ausgebildeter Masseur ist.

Wie groß ist Ihre Angst vor Corona?

Die ist für mich nur ein Thema, weil ich nicht will, dass meine Eltern, speziell mein leider schwer zuckerkranker Papa, Darios Eltern und viele andere Menschen in meinem Umfeld krank werden. Vor allem an meine Oma in Kroatien denke ich viel. Mir selber war und ist es wichtig die Abstandsregeln einzuhalten. Menschenansammlungen meide ich. Aber Angst habe ich keine. Bekäme ich die Krankheit selber, wär’s wohl einfach Pech.

Insgesamt wirken Sie sehr krisenfest. Das Resultat von mentalem Training oder einfach Ihr Naturell?

Ich denke, das bin einfach ich. Ich habe schon als Kind allerhand erlebt, darunter den Tod meines vier Jahre älteren Bruders Ivan, der mit 18 bei einem Motorradunfall mit 18. Ich weiß also, was wirklich schlimm ist im Leben und habe schon in jungen Jahren gelernt mit derartigen Situationen umzugehen. Mich wirft so schnell nix etwas aus der Bahn, und das macht mich wahrscheinlich auch im Sport zu dem, was ich bin. Mein großes Ziel ist einfach die Olympiamedaille! Dafür möchte ich das Maximum aus mir herausholen. Ich traue mir noch einiges zu und bin noch nicht dort, wo ich hinkommen kann. Irgendwann muss mir einfach auch ein Wettkampf aufgehen, wie anderen, und dann kracht’s!

Sie sind also beispielsweise mit ihrem Titel einer Hallen-Vizeweltmeisterin im Fünfkampf 2017 nicht wirklich zufrieden?

Doch, doch. Indoor war es schon sehr gut, aber draußen hat es für meinen Geschmack noch nicht so ganz richtig klick gemacht. 

Das heißt, die erreichte Punktezahl und die daraus resultierende Platzierung sollten im Siebenkampf künftig öfter „besser“ zusammenpassen?

Genau. Bei der EM 2018 konnte ich zwar einen damals neuen österreichischen Rekord (Anm.: 6552 Punkte) fixieren, bin damit aber „nur“ Vierte geworden. Damit kann ich nicht ganz zufrieden sein. Und über meine Muskelverletzung voriges Jahr bei der WM habe ich viel gegrübelt. Hab’ ich zu wenig getrunken, hab’ ich zu wenig geschlafen – letztlich bin ich zum Schluss gekommen, dass ich es einfach Pech war.

Nach ihrem Ausfall in Doha 2019, gleich in der ersten Disziplinen, dem Hürdensprint, hat dann mit Österreichs aktueller Rekordhalterin Verena Preiner ausgerechnet eine Landsfrau ihre WM-Medaille geholt. Wohl auch für Sie einigermaßen speziell, oder? 

Die Verena hat dort einen richtig guten Wettkampf hingelegt, im richtigen Moment voll zugeschlagen – das muss man erst einmal können – und sich Bronze wirklich verdient! Menschlich habe ich mich voll für sie gefreut. Sportlich gesehen musste ich aber halt draußen sitzen und zuschauen, wie die anderen um den Erfolg kämpfen konnten. 

In Österreich ist die Konkurrenz eben mit Preiner, der erst 20-jährigen Sarah Lagger bärenstark. Schätzen Sie das oder fühlen Sie sich als Vorreiterin in der Weltklasse bedroht?

Bedroht fühle ich mich in keinster Weise! Ich kann meinen Sport ohnehin nur für mich machen und vieles um mich sehr gut ausblenden. Ob die Verena ein Österreicherin oder eine Deutsche ist, spielt bei einem großen Wettkampf keine Rolle – dort treten wir als Einzelpersonen gegeneinander an. Insgesamt sehe ich die Situation als Vorteil. Wenn wir drei bei einem Meeting in Österreich am Start stehen, brauchen wir zur Standortbestimmung mittlerweile keine Gaststars aus dem Ausland mehr.

Zuletzt waren Sie auch in den sozialen Netzwerken höchst präsent. Allein auf Instagram folgen Ihnen deutlich über 170.000 Menschen. 

Und es werden ständig mehr, das ist unglaublich! Ich kriege oft tausend Nachrichten an einem Tag. Von supernetten, in denen Menschen beispielsweise schreiben, dass sie wegen mir motivierter beim Trainig sind, über Heiratsanträge, bis hin zu durchaus „verrückten“ von Leuten, die mir schon über Jahre praktisch täglich schreiben.

Kann dieser rege Zuspruch nicht nur Resultat Ihrer zahlreichen Online-Workouts oder Insta-Talks, sondern teilweise auch jenes mancher Fotos im knappen Leichtathletik-Outfit ist?

Teilweise sicher. Mein Freund, der mich ja auch managt, und ich suchen die Fotos gemeinsam aus und nehmen nur solche, mit denen ich mich wohl fühle. Für mich ist das an sich kein Problem, weil das ja meine Arbeitskleidung ist, in der ich auch in einem Stadion mit 80.000 Menschen herumrenne. Mir ist vor allem wichtig, dass man mich auf den Bildern eindeutig als Sportlerin erkennt. Aber natürlich werden darin manche Leute etwas anderes sehen wollen … 

Jedenfalls sind Social-Kanäle geeignete Tools, um auch Sponsoren ins Licht zu rücken. Sind bei Ihnen durch die von Corona ausgelöste Wirtschaftskrise eigentlich Existenzängste hoch gekommen wie bei vielen anderen Sportler*innen?

Durch die langfristig abgeschlossenen Verträge mit meinen Sponsoren und durch meine Anstellung beim Bundesheer als Heeresleistungssportlerin Gott sei Dank gar nicht! Corona hat im Gegenteil eher bewirkt, dass viele zusätzliche Anfragen hereingekommen sind. Tatsächlich ist während des Lockdowns sogar gelungen, einen neuen Partner aus der Lebensmittelbranche dazu zu gewinnen.  

Ihre Eltern sind Anfang der 1990er Jahre während des kroatisch-bosniakischen Krieges nach Österreich geflüchtet, Sie selbst in Wels geboren. Große Teile der Familie leben aber ungebrochen im kroatischen Küsten- und Urlaubsort Makarska. Wie sehen Sie die Situation dort?

Schon mit ein wenig Sorge um die Gesundheit meiner Oma und meiner Verwandten. Selbstverständlich braucht Kroatien den Tourismus dringend, aber Urlaub heißt halt für viele Gäste Halligalli machen und das birgt natürlich auch für die Bevölkerung dort Risiken. Trotzdem: Meinen Leuten geht es gut und ich hoffe, dass ich nach der Saison eine Woche zu ihnen fahren kann.

Zum Finale vom Urlaub in Dalmatien zurück zu jenem Job, den Sie im August 2021 in Japan erledigen wollen. Ihre persönliche Bestleistung lag zu Redaktionsschluss bei 6552 Punkten, bei den Spielen vor vier Jahren hat man mit 6653 Punkten Bronze gewonnen. Wo finden Sie die derzeit darauf fehlenden 100 Zähler?   

Mein Team und ich sind uns bewusst, dass für das große Ziel „Olympiamedaille“ wohl wieder zumindest 6600 Punkte nötig sein werden. Aber wir wissen, was ich kann. Addiert man heute meine Bestleistungen in den einzelnen Disziplinen und zieht dann wieder ein Bisserl etwas ab, weil es eher unwahrscheinlich ist, dass man in einem einzigen Siebenkampf sieben Bestleistungen liefert, dann kommt schon ein ordentliche Summe zusammen. Das Wichtigste ist aber, dass ich verletzungsfrei bleibe. Wenn das gelingt, kann mich in Tokio wahrscheinlich nur wenig stoppen!

Quick Facts zu Ivona Dadic:

Geboren: 29. Dezember in Wels; Größe: 1,79 m; Gewicht: 64 kg; Eltern: Danica und Nino Dadic; Lebensgefährte & Manager: Dario Glavas; Headcoach: Philipp Unfried; Größte Erfolge: Siebenkampf-Bronze bei der EM 2016, Fünfkampf-Silber bei der Hallen-EM 2017, Fünfkampf-Silber bei der WM 2018 

Instagram: www.instagram.com/ivona.dadic

PODCAST!!! Folge 8 von „Am Sportplatz“ mit IVONA DADIC

Auf einen Kaffee mit Irina Sadovnik

Das folgende Interview erschien im vergangenen Sommer in leicht gekürzter Form im Magazin LUST AUFS LEBEN 

Als Wissenschaftlerin arbeitet sie daran, Leukämie heilbar zu machen. Als Sportlerin ist Irina Sadovnik Weltmeisterin am coolen BMX-Rad. In „Lust aufs LEBEN“ erzählt sie, wie gut beides zusammenpasst, weshalb man Tattoos nicht unterm Laborkittel verstecken muss und wie man auch von einem Forschungskongress „Gold“ heimbringt.

Interview: Fritz Hutter

Tee oder Kaffee?

Definitiv Kaffee! Vor allem in der Früh. Das Einzige, das ich vor der ersten von meist zwei großen Tassen mache, ist den Kaffee. In der klassischen Espressokanne, und immer nur fair gehandelten Bio-Kaffee. Nachhaltigkeit ist mir sehr wichtig – und grad bei der Ernährung lässt sich diese verhältnismäßig easy umsetzen.

Öfter noch als die Tasse schwenken Sie das Reagenzglas. Nämlich am Ludwig Boltzmann Institut für Hämatologie und Onkologie, welches an der Med Uni Wien beheimatet ist. Woran forschen Sie genau?

An der Phänotypisierung und Charakterisierung von leukämischen Stammzellen. Also am „Aufspüren“ mithilfe der besonderen Proteinstruktur von jenen Zellen, welche die chronische Leukämie tatsächlich auslösen, und in weiterer Folge an deren zielgerichteter medikamentöser Zerstörung. Dies könnte für die Patientinnen und Patienten eine schonendere Therapieform bringen, als etwa eine Knochenmarktransplantation.  

Blutkrebs heilbar zu machen ist eine große Sache von globaler Tragweite. Wie wird man Teil eines derartigen Projekts?

Eigentlich habe ich ja Genetik und Mikrobiologie studiert. Das ist Grundlagenforschung, in der man beispielsweise nach noch undefinierten Genen sucht – das war mir dann doch ein bisserl zu wenig Praxisbezug. Deshalb habe ich mein Doktorat in Angewandter Medizinischer Wissenschaft absolviert. Anfangs wollte ich in die Brustkrebsforschung, auch weil meine Mutter 2008 an Brustkrebs erkrankt ist. Auf der Suche nach einem guten Labor fürs Doktoratsstudium bin ich aber dann auf meinen heutigen Arbeitsplatz gestoßen, wo ich von einem spannenden Team sofort großartig aufgenommen wurde.

Wollten Sie es eigentlich schon immer ganz genau wissen?

Ich war als Kind einer Lehrerin und eines Lehrers schon immer eine Tüftlerin – lustigerweise ganz im Gegensatz zu meinem älteren Bruder (lacht). Mein erstes Mikroskop hab’ ich mit 13 bekommen und sofort alles untersucht. Der Papa hat sich für eine Blutprobe sogar in den Finger stechen müssen. Da hat sich also nicht viel geändert …

Wer stundenlang durchs Mikroskop blickt, braucht Ausgleich. Viele versuchen ihren Kopf mit Sport „frei“ zu bekommen. Offenbar auch Ihre Methode, oder?

Eindeutig! Als sogar „doppeltes“ Sportlehrerkind – beide Eltern unterrichten Sport – bin ich schon als kleines Kind in Kontakt mit vielen verschiedenen Sportarten gekommen und dann auch ins Klagenfurter Sportgymnasium gegangen. Von der Akrobatik über Tennis, Volleyball, Badminton usw. durfte ich alles ausprobieren. Durch diese vielfältigen Erfahrungen bin ich wohl bis heute so etwas wie ein Bewegungstalent geblieben.

Aber Flatland-BMX?

Dazu bin ich mit 18 über meinen damaligen Freund gekommen. Er ist schon gefahren, irgendwann ist mir die Zuschauerei zu fad geworden und ich hab’ gesagt, gib’ amoi her des Kinderradl. Damals wurde eine Leidenschaft entfacht, die mich wohl nicht mehr loslassen wird.

Worum geht es in dieser Spielart des BMX-Sports genau?

Während man in anderen Disziplinen Rennen etwa wilde Jumps über Rampen zaubert, zeigen wir unsere Tricks eben auf einer flachen Ebene. Am wichtigsten ist dabei, dass man verschiedene Kombinationen von Moves präsentiert, ohne dazwischen abzusteigen. Speziell taugt mir, dass es ein Freestyle-Sport ist. Es gibt kein vorgegebenes Pflichtprogramm, sondern man kann ganz frei wählen, welche Tricks man wie kombinieren will. Beim Flatland-BMX kannst Du Deiner Kreativität freien Lauf lassen.

Letztlich wird trotzdem nach dem Geschmack von Punkterichter*innen über Sieg oder Niederlage entschieden. Das muss einer Naturwissenschaftlerin doch auch ein bisserl wehtun.

Kreativität und Style lassen sich eben nur auf diese Art bewerten. Aber die Judges bei den World Cup Series oder bei einer WM wissen sehr gut, was sie tun und haben das Potenzial und die Entwicklung von uns Fahrerinnen und Fahrer über Jahre genau beobachtet. Beurteilt wird außerdem noch die Sicherheit in den Tricks und der möglichst geschmeidige Flow dazwischen. Wackeln ist da verpönt.

Sie sind regierende Weltmeisterin und tragen die für Champions reservierte Armbanduhr des Radweltverbandes. Was hat Ihnen im November 2019, im chinesischen Chengdu den Sieg gebracht?

Sicher auch, dass ich zwei Monate davor mit einem finnischen Trainer, der früher selbst erfolgreicher Contest-Fahrer war, ein ganz spezielles Online-Training begonnen habe, das sich sehr auf einen flüssigen, konstanten Stil konzentriert. Vielleicht hat mir auch eine gewisse „Pfeif-mir-nix“-Einstellung nach einer Verletzung im rechten Knie, die mir zwei Tage vor dem WM-Finale passiert ist, geholfen. Die scheint das Stresslevel in meinem Kopf gesenkt zu haben. Letztlich ist mir dann ein fehlerfreier Run gelungen.  

Dem Vernehmen nach kommen Sie manchmal sogar von Dienstreisen als Wissenschaftlerin mit „Gold“ nach Hause.  

Ja, genau (lacht)! Das war beim Kongress in Philadelphia. Für den habe ich eine Zusammenfassung, ein Abstract, von zwei unserer Projekte eingereicht. Auch ein kurzer Vortrag war geplant. Davor hat eine unabhängige Jury die Qualität der Abstracts „gejuded“. Vor meinem Vortrag in der „Best Abstract Session“ ist dann plötzlich ein honoriger Herr, ein sehr bekannter Forscher, auf die Bühne gekommen, um mich völlig überraschend als Gewinnerin des „Best Abstract Awards“ anzukündigen. Mein Vortrag dürfte danach ziemlich im Happysound rübergekommen sein. Den Amis hat’s gefallen …

Die Fähigkeit, unter Druck performen zu können, hilft also da wie dort?

Sicher. Aber weder beim Sport noch bei wissenschaftlichen Vorträgen geht was ohne perfekte Vorbereitung. Eine Erkenntnis übrigens, die ich nach einer völlig problemlosen Schulzeit zeitgleich am Beginn meiner meiner BMX-Karriere und meines Studiums gewonnen habe. Da wie dort musste ich nämlich erstmals in meinem Leben wirklich hart für den Erfolg arbeiten – und das hatte ich erst zu lernen.

Apropos, hart arbeiten müssen in der Forschung alle. Trotzdem gilt auch sie als von Männern dominiert. Warum?

Generell gibt es grad in den Naturwissenschaften eigentlich sehr viele Frauen. Je weiter man aber rauf schaut, desto dünner wird der Anteil. Ein Grund dafür ist alt bekannt: So gut ihr Männer uns auch unterstützt, den Hauptteil beim Gründen einer Familie könnt ihr uns halt doch nicht abnehmen. Und grad, wenn man eine akademische Karriere anstrebt, will man meist nicht sofort nach der Dissertation Kinder kriegen, sondern sich zunächst beruflich etablieren. Ist man dann vielleicht mit Mitte 30 bereit für eine Familie, muss man häufig in einer Phase aussteigen, in der sich die männlichen Kollegen bereits habilitieren und dann zum Beispiel eine Professur annehmen können.

Wie steht es da in der BMX-Szene?

Der Frauenanteil steigt erfreulicherweise rasant an. Als Teil der Jury eines weltweit ausgetragenen Online-Contests kann ich das sehr genau beobachten. Da kommt mächtig was nach. Vor allem in Japan boomt unser Sport extrem. An der Spitze sind wir heute mittlerweile gut 30 Frauen und Mädchen, die um die Top-Platzierungen fahren können. Noch vor ein paar Jahren waren wir nur eine Handvoll.

BMX ist Teil der Streetkultur und auch von der Mode geprägt. Was sind Ihre speziellen Trademarks?

Also Kapperl und hohe Stutzen trage ich fast immer – letztere vor allem, weil man sich doch öfter die Schienbeine anhaut –, im Sommer eine kurze Hose dazu und ein Sport-Top, das aktuell grad sehr gern altrosa oder mit Blumenmuster sein darf. Aber ich muss aufpassen, dass sich das nicht zu sehr mit meinen Tattoos schlägt (lacht).

Weiß man im Labor, dass Sie unterm weißen Mantel Tatoos und nicht selten die BMX-Dress tragen oder muss man das verstecken?

Aber nein. Ich weiß von zwei Kolleginnen, die ebenfalls tätowiert sind. Generell unterstützen mich aber alle im Labor auch bei meinem Sport voll. Nach der WM wurde zum Beispiel eine Willkommensparty geschmissen. Ich glaub’, ihnen taugt es ein bisserl, dass sie mit mir eine Art bunten Hund im Team haben, und so ein bisserl Farbe in die für Außenstehende manchmal etwas bieder wirkende Forschung kommt. Übrigens wird mein Brotberuf umgekehrt auch in der BMX-Szene mit viel positivem Interesse wahrgenommen.  

Hand aufs Herz, kommt bei Ihnen zwischen Laborkittel und cooler Streetwear nicht gelegentlich die Lust auf, sich elegant zu stylen? 

Immer öfter. Früher hab’ ich das gar nicht gehabt und mich in Kleid & Co. echt unwohl gefühlt. Aber mittlerweile bin ich 36 und zieh’ hin und wieder gern einmal ein fesches Rockerl an. Und ja, es freut auch mich, wenn ich dafür positives Feedback kriege.

Schließen wir zum Finale noch einmal den Kreis zur Bekämpfung von Krebs. Als BMX-Sportlerin engagieren Sie sich unter anderem via Social Media für die Initiative „Faster than Skin Cancer“. Was hat sich diese zum Ziel gesetzt?

Die Idee geht von einer ganz jungen Niederländerin aus, die selbst von Hautkrebs betroffen war und mich angeschrieben und um Support bei der Bewusstseinsbildung in Sachen Vorbeugung und Früherkennung  ersucht hat. Speziell, weil die Awareness für die schädliche Wirkung von UV-Strahlung bei manchen Outdoor-Sportarten noch nicht so hoch ist, wie vielleicht im Surfen, wo sie bereits super kommuniziert wird. Dabei geht’s nicht nur ums Eincremen, sondern zum Beispiel um regelmäßige, dermatologische Muttermalkontrollen. Ein extrem wichtiges Thema, für das ich natürlich auch von Berufs wegen stark sensibilisiert bin. Zusätzlich bin ich übrigens auch noch als Botschafterin der Aktion „Laufen gegen Krebs beim Niederösterreichischen Frauenlauf“ aktiv.   

WORDRAP:

Lebensmotto: Challenge your limits!

Das esse ich am liebsten: Kärntner Kasnudeln

Diese Tier ist mir am ähnlichsten: Der Katta – weil er immer so g’schaftig ist. Genau wie ich.

Energiequelle: 15 Minuten Meditieren. Aber immer erst nach dem Kaffee.

INFOS: Mag(a).Dr. Irina Sadovnik, 36, stammt aus Klagenfurt und ist Wissenschaftlerin am Ludwig Boltzmann Institut für Hämatologie und Onkologie in Wien. Aktuelles Spezialgebiet: die Phänotypisierung und Charakterisierung von leukämischen Stammzellen. 2015 wurde sie für ihre Forschungen zusammen mit Dr. Harald Herrmann mit dem renommierten Wilhelm-Türk-Preis ausgezeichnet. Als BMX-Bikerin kürte sie sich 2019 zur allerersten Weltmeisterin in der Disziplin „Flatland“. Spitzname: Prima Infos: www.instagram.com/prima44/

Meinen Podcast mit Irina Sadovnik findet man übrigens im Grätzlcast meines früheren Dienstgebers Kleinen Zeitung

Mental-Spezial Vol. 2

Am Wort ist diesmal die Sportpsychologin und Ex-Weltklasseschwimmerin Judith Draxler-Hutter. In ihrem zweiten „Mental-Spezial“ von AM SPORTPLATZ spricht sie über Ziele im Sport. In knackigen 32 Minuten erklärt 68-fache Schwimmstaatmeisterin die Wichtigkeit einer realistischen Zielsetzung, wie Profis UND Amateur*innen diese trainieren können, oder auch, welche unterschiedlichen Qualitäten von Zielen es überhaupt gibt. Außerdem sagt uns die dreifache Olympiastarterin, was zu tun ist, wenn man an Zielen scheitert oder diese zu einfach erreicht. In einem flotten Walk & Talk sind wir übrigens podcastend den Donaukanal entlang flaniert. Auch, weil sich dort zahllose Hobbysportlerinnen mit eindeutig völlig unterschiedlichen Zielsetzungen tummeln …

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Stillstand der Dinge

Man hatte sich schon daran gewöhnt. Deutlich mehr als 50 Millionen Euro Gesamtwertschöpfung generierte die Wiener Wirtschaft in den letzten Jahren jeweils aus dem erstmals 1984 ausgetragenen Vienna City Marathon. Die Tempohatz über die klassische Marathon-Distanz und weitere Bewerbe im Rahmen des längst zum Highlight in den internationalen Laufkalendern gereiften Events lockte alljährlich im April gut 40.000 Teilnehmer*innen samt Begleitung in die Stadt. Allein die Wiener Beherbergungsbetriebe bejubelten in den Tagen rund ums große Krabbeln über Hauptallee, Wienzeile und Ringstraße meist mehr als 80.000 Nächtigungen – und der Handel stimmte vollmundig mit ein. Heuer bleibt es still an der Strecke, genau wie in den Souvenierläden, Restaurants oder Sport-Stores. Auch der für 19. April angesetzte Wien-Marathon wurde richtigerweise im Zuge der Maßnahmen zur Eindämmung des Corona-Virus abgesagt.

Nur ein drastisches Beispiel von vielen aus dem heimischen Sport, dessen Veranstaltungen nur auf den ersten Blick wie verzichtbare Streichresultate wirken. Fehlen werden nämlich nicht nur Einnahmen aus touristisch relevanten, aber nun gefährdeten beziehungsweise bereits abgesagten Marathons, Ironman-Triathlons, Radrennen oder Fußball-Länderspielen. Nein, neben finanziellen Verlusten, welche die Liga-Stopps, Wettkampfabsagen und/oder Vereinsschließungen auch „kleineren“ Sportarten wie Eishockey, Handball, Basketball, Volleyball aber auch Schwimmen oder Leichtathletik bringen, wird dazu die rot-weiß-rote Wohlstandsgesellschaft schwere Tiefschläge einstecken müssen. So bewegen sich fast 80 Prozent der österreichischen Kinder unter 14 deutlich zu wenig und sehen deshalb gravierenden Folgeerscheinungen wie Fettleibigkeit, Fehlstellungen des Bewegungsapparats, Herz-Kreislauferkrankungen oder aber auch Konzentrations- und Lernstörungen entgegen.

Um Kids die nachweislich positiven Effekte von Bewegung und Sport schmackhafter zu machen, braucht es neben aktiven Eltern und motivierten Lehrkörpern oft zusätzlich niederschwelliges Mit- und Gegeneinander eben im Verein und in der passenden Liga. Und es braucht greifbare Vorbilder, denen speziell Kinder und Jugendliche live oder vor dem Bildschirm die Daumen drücken und hinterher aktiv nacheifern können. Fehlen diese, sinkt häufig die emotionale Beteiligung und damit die Leidenschaft fürs eigene Tun. Wer im zurückliegenden, von Corona ebenfalls gekappten Ski-Weltcup-Winter versucht hat, sich mit seinen Kindern einen Riesenslalom ohne den ja abgetretenen Marcel Hirscher anzuschauen, weiß, was gemeint ist.

Die Folgen von Corona sind weitreichend. Genau übrigens wie die mangelnder Motivation zur Bewegung in der Generation Z sind weitreichend, die künftigen Reha-Kosten für unser Gesundheitssystem mittelfristig in Wahrheit nicht zu stemmen. Und ja, natürlich wird der heimische Handel ebenfalls leiden. Dann nämlich, wenn sündteure Sneakers ausschließlich nur mehr unterm Flatscreen verstunken, aber nicht mehr am Sportplatz zerrissen werden. Es ist also in jeder Hinsicht wichtig, dass die Dinge schon bald wieder ins Laufen kommen können …

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Tennis – ein Sport fürs Leben und die Liebe

Das alte Spiel mit der gelben Filzkugel gilt mit Fug und Recht als ganzheitliche Herausforderung für Körper, Geist und Seele. Dass man sich dabei selbst als Novize Dominic Thiem & Co. nahe fühlen darf, bringt Fluch und Segen zugleich.

Love/Forty! Allein die Zählweise beim Tennis verrät, dass wir uns auf den folgenden Seiten einer ganz speziellen Disziplin widmen wollen. Einer der vielen Entstehungstheorien zur bereits im 13. Jahrhundert betriebenen Sportart folgend, soll das Punktesystem aus den Usancen im damaligen Frankreich resultieren. Beim Jeu de Paume, dem „Spiel mit der Handinnenfläche“, ritterte man dort bevorzugt um Geld. Pro Punkt setzten die Kontrahenten 15 Deniers, und als Spielstand wurden die jeweils verdiente Summen genannt. Das eigentlich logische „quarante-cinq“ (45) dürfte irgendwann in der Hitze eines frühen Tennis-Gefechts dem atemlos komfortabler zu artikulierenden „quarante“ (40) gewichen sein. Die Bezeichnung „Love“ für null Punkte wiederum soll dem Englischen entspringen. Jenseits des Ärmelkanals waren sportliche Wettkämpfe um den schnöden Mammon einst verpönt. Wahre Gentlemen – und bald auch Ladies – maßen sich „just for love“, also ausschließlich aus Liebe zum Spiel. Bei den Matches, für die man schon früh zu Holzschlägern griff, ging es in Großbritannien lange um nichts als die Ehre.

Letztere steht beim Tennis bis heute auf dem Spiel. Und das, obwohl seit der offiziellen Gründung der Profi-Vereinigungen ATP (Association of Tennis Professionals) und WTA (Women’s Tennis Association) in den Jahren 1972 bzw. 1973 auch und grad in England massig Preisgeld ausgeschüttet und verdient wird. Stichworte „Wimbledon“ und „ATP Finals“. Denn trotz Jahrespreisgeldern von beispielsweise 12 Millionen Euro, die Serbiens Weltstar Novak Djokovic 2019 verdient hat, oder des vom Niederösterreicher Dominic Thiem erspielten Vorjahressalärs von mehr als 7 Millionen merkt man selbst den weltbekannten BranchenführerInnen an, dass am Platz mehr als die Marie’ abgerechnet wird. 

Wer jemals selbst ein Tennisracket geschwungen hat, weiß was gemeint ist. Kaum eine andere Sportart legt deine Stärken aber eben auch deine technischen, physischen und mentalen Schwächen derart radikal frei. Selten agiert man selbst im Hobbybereich so ungeschützt am Präsentierteller wie beim Tennis. Ganz egal, ob man vom Schlage einer Serena Williams, eines Roger Federer oder eben eines Dominic Thiem – zu Saisonbeginn Weltranglistenvierter –  ist, oder, ob man seine Schläge zu nix als dem reinen Zeitvertreib durchzieht. Die Herausforderung, aber auch die daraus resultierende Faszination bleibt dieselbe: Der Ball muss möglichst sicher übers Netz und in die rechteckig linierte gegnerische Hälfte eines nur auf den ersten Blick ausreichend großen Spielfeldes bugsiert werden – aber das schon so, dass es dem Gegenüber maximal schwer fällt, selbiges zu tun. That’s it. 

Der oben beschriebenen Strategie wird von Anfang an alles untergeordnet. Von den ersten Prellübungen, bei denen jugendliche wie erwachsene Novizen zunächst eine Ahnung dafür entwickeln, wie sich die Kraft des Schlages (und jene von Bespannung und Racket) auf die Höhe und Länge des Ballfluges auswirkt, über die Basics von Vorhand, Rückhand, Aufschlag, Volley und Smash, bis zu den Feinheiten wie Platzierung, Drall (Topspin, Slice od. Sidespin), Flugbahn oder Schlaghärte. 

Zu Beginn bekommt man von der idealerweise zeitgemäß geschulten Tennislehrkraft meist noch in langsamem Tempo zugespielte, leicht erreichbare Bälle vorgesetzt. Je routinierter man das Geschehen antizipiert und je koordinierter Augen, Arme und Beine an die immer höher gesteckten Trainingsziele herangehen, desto mehr Zeit und Luft bleiben, um zu agieren statt bloß zu reagieren. Wer dann noch im Stande ist, einigermaßen absichtlich cross und longline sowie kürzer und länger zu spielen, hat grundsätzlich Match-Reife erlangt. 

Spätestens zu diesem Zeitpunkt wird für viele die oben skizzierte „Präsentierteller“-Thematik schlagend. Plötzlich zeigt sich dramatisch deutlich, wie viel vom im geregelten Tennisunterrichts Einstudierten sich auch im Wettbewerb umsetzen lässt. In jenem gegen eine Gegnerin oder einen Gegner, aber halt auch in einem permanenten Duell mit den eigenen Wünschen und Ängsten. Während sich der direkte sportliche Vergleich den einen als motivierende Herausforderung und Chance, über sich selbst hinauszuwachsen zeigt, erscheint er anderen nicht selten als Stressfaktor, den man in seiner Wucht so nicht wirklich erwartet hätte. Die Wahrheit, so sagt man im Tennis, liegt für beide Typen immer auf dem Platz.     

Die gute Nachricht für die zweite, nachweislich größere Gruppe: Spätestens jetzt haben Sie als Tennis-Rookie etwas mit den millionenschweren Tennishelden aus dem Bezahlfernsehen gemeinsam! Was? Eben diese Herausforderung, dann gut sein zu können, wenn es wirklich darauf ankommt. Selbst ein Roger Federer, immerhin Grand-Slam-Rekordler mit 20 Titeln bei den vier Major-Turnieren in Melbourne, Paris, Wimbledon und New York, hat damit ab und an seine liebe Not. 2019 etwa im epischen Endspiel von Wimbledon – mit 4:57 Stunden das längste aller Zeiten – gegen Dauerrivalen Novak Djokovic wo der Schweizer in der Schlussphase gleich zwei Matchbälle verhältnismäßig stümperhaft versemmelte. Djokovic wiederum ließ sich im vergangenen Frühling, im Semifinale des Sandklassikers von Paris vom starken Wind und zwei wetterbedingten Abbrüchen sichtlich stärker aus dem anfangs erfolgreichen Konzept bringen, als unser letztlich triumphierender Dominic Thiem.

Heruntergebrochen aufs Freizeittennis geht es darum, sich von nix davon abbringen zu lassen, das körperlich wie technisch und taktisch maximal Machbare auch dann auf den Platz bringen, wenn externe aber auch intrinsische Störfaktoren dies zu verhindern suchen. Also wenn die tiefstehende Sonne beim Aufschlag stört oder aber eine vollmundige Siegankündigung fürs Klubmatch gegen den besten Sportspezi mentalen Druck macht. In beiden Fällen hilft vielfach schon das, worüber professionelle Cracks zweifellos verfügen: Matcherfahrung. Wer zu hoch steigendem Wettkampffieber zusätzlich den Kampf ansagen will, dem sei die Lektüre von Klassikern wie „The Inner Game of Tennis“ von Timothy Gallwey oder neueren Ratgebern wie „Psychologisch orientiertes Tennistraining“ von Nina Nittinger empfohlen. 

Die relaxte Beschäftigung mit der mentalen Seite des Tennissports kann manchen bei zwei Dingen unter die Schlagarme greifen: Erstens mehr Freude und damit ein Plus an aktiver Erholung einzufahren, und zweitens die teils komplexen Tennis-Moves auch in einem Match deutlich lockerer, mit weniger Kraftaufwand gelingen zu lassen. Physisch fordernd ist Tennis nämlich auch so schon ausreichend. Gefragt sind bei dieser Stop-and-go-Disziplin u.a. Schnelligkeit, Schnelligkeitsausdauer, Beweglichkeit, Koordination aber auch Antizipations- und Reaktionsvermögen. Das alles generiert man idealerweise aus einer gut trainierten Körpermitte heraus und mit einer kraftvoll wie geschmeidigen Bein- und Schultermuskulatur. Dies vor allem, um auch gegen Ende von Training und Wettkampf eine möglichst saubere Technik auf den Platz zu bringen und damit nicht nur Spielfreude sondern auch ein deutlich geringeres Verletzungsrisiko zu ernten. Fakt ist: Wer sich um eine möglichst „runde“ Schlagtechnik bemüht und darum, den Ball nicht nur mit eigner Muskel- und Racketkraft übers Netz zu dreschen, sondern auch die von gegnerischer Seite aufgewandte Energie zu nutzen, kann praktisch ein Leben lang Spaß am Tennis haben. 

Gelegenheit zum sportlichen Vergleich gibt es in Österreich, einem echten „Tennisland“ mit rund 400.000 Aktiven und einer der relativ höchsten Tennisplatzdichten weltweit, übrigens genug. In allen neun Bundesländern werden nicht nur zahlreiche Hobbyturniere sondern auch Meisterschaftsligen für Mannschaften jeder Spielstärke und jeden Alters ausgetragen – von der U8 für die Kleinsten bis zur +75 für die „Größten“. Übrigens, wer in seiner Tenniskarriere oder in jener etwaiger Sprösslinge tatsächlich noch mehr erreichen will als regionale Würden, muss bereits für Erfolge auf nationaler Ebene ordentlich investieren. So trainieren heute bereits die besten 12-Jährigen fünf- bis sechsmal pro Woche am Platz und ebenso oft an Kondition und Koordination. Zusammen mit den Kosten für Turnierreisen und Ausrüstung kommen da nicht selten 50.000 Euro pro Jahr zusammen. Kaufen kann man sich dafür fast alles – nur den Erfolg nicht. 

Die Alternative für die vielen, denen es vor allem um sportiven Genuss und ein bewegtes Leben geht? Machen Sie es wie die alten Briten und spielen Sie „just for love“. Sie werden sehen, es zahlt sich aus.         

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„Wussten Sie, dass der Wiener Ballhausplatz, heute unter anderem der Sitz des Bundeskanzleramtes, seinen Namen den dort einst, vom 16. Jahrhundert weg, situierten „Ballhäuser“, also frühen Tennishallen, verdankt?“

Erstmals veröffentlicht wurde diese Geschichte im Magazin „Leben a’la Carte“ bzw. auf www.lebenalacarte.at

Foto: unsplash-logoGuzmán Barquín

Podcast: Am Sportplatz #10, „Back to the Future“ mit Tennis-Ass Jürgen Melzer

Jürgen Melzer war Nummer 8 der Einzelweltrangliste und Nummer 6 im Doppel. Wimbledon gewann er als Junior, im Doppel und im Mixed, die US Open ebenfalls im Duo. Insgesamt eroberte er bislang 16 Doppeltitel und fünf im Einzel. Und der Daviscup war und ist Herzensangelegenheit und Ehrensache für den Enddreißiger aus dem Weinviertel.

In der 10. Folge von „Am Sportplatz“ unternimmt Host Fritz Hutter mit seinem Gast eine Zeitreise in die Vergangenheit des Tennissports, aber auch in dessen Zukunft. Der Linkshänder spricht über die großen Veränderungen an Plätzen, Bällen, Rackets aber auch am Mindset von Talenten im Laufe der Zeit. Der Ehemann der ehemaligen Top-Schwimmerin Fabienne Nadarajah-Melzer und Jungvater eröffnet uns seine legendären Idole, rät dem Nachwuchs von heute, sich dringend gute Vorbilder zu suchen und sagt, wo er die letzten Reserven bei Österreichs Tennisweltstar Dominic Thiem ortet.

Und das Mitglied des ATP Player’s Councilsspricht über den Wiederbeginn der Tour nach Corona und seine bereits sehr konkreten Job-Ideen für das Leben nach dem in Sichtweite befindlichen Karriereende. Übrigens: Auf der Instagram-Seite von Laola1.at geht Jürgen Melzer nun selbst unter die Sportjournalisten und diskutiert im „JM*pions TALK“ mehrmals die Woche mit Sportstars aus den verschiedensten Disziplinen.

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www.instagram.com/jojomelzer

Podcast: Am Sportplatz #9, „Fight Corona Special“ mit Langlauf-Star Teresa Stadlober

Teresa Stadlober musste nach den Dopingskandalen auch um einige österreichische Athleten bei der Heim-WM 2019 fürchten, dass sich der ÖSV gänzlich von ihrer Disziplin, dem Langlauf, abwendet. Zusätzlich beeinflusste eine üble Fußverletzung die Vorbereitung auf den vergangenen Loipen-Winter. Trotzdem bot die Radstädterin erneut als einzige Mitteleuropäerin den übermächtigen Norwegerinnen um Therese Johaug Paroli und lieferte einen Top-Saison – bis diese von der Corona-Krise gekappt wurde.

Am Sportplatz bei Fritz Hutter sagt die Juniorenweltmeisterin von 2013, wie gespenstisch sich Langlauf-Rennen ohne Fans selbst im Mekka ihres Sports, am Osloer Holmenkollen, anfühlen, wie sie mit der Angst vor Ansteckung umgeht oder, was es heißt, mit dem Headcoach in Quarantäne zu leben. Aber die 27-jährige erzählt auch, dass sie ohnehin Jahr für Jahr freiwillig in partieller Isolation lebt. Außerdem kommen in dieser Folge Trainer-Vater Alois Stadlober und ein sportbegeisterter Gast zu Wort.

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www.teresa-stadlober.at 

Copyrights Porträtfoto: Stefan Voitl

Am Sportplatz #8: „Fight Corona Special“ mit Mehrkampf-Star Ivona Dadic

Mit 18 war Siebenkämpferin Ivona Dadic die erste Österreicherin, die sich in dieser Disziplin für Olympische Spiele qualifizieren konnte. Kommenden Sommer wollte die Tochter kroatischer Eltern nach Medaillen bei Europa- und Weltmeisterschaften in Tokio endlich auch bei Olympia um Edelmetall mitmischen. Die Verschiebung sieht sie im Sinne der Gesundheit aller Beteiligten, aber auch hinsichtlich einer würdigen Qualität der Wettkämpfe trotzdem positiv.

„Am Sportplatz“ bei Fritz Hutter sagt die 26-jährige Wahl-Niederösterreicherin mit Family-Homebase in Oberösterreich wie sie durch effizient-originelles Heimtraining nach der Corona-Pause noch stärker zurück kommen will oder auch, wer aus dem Experten-Stab des FC Bayern nun Teil ihres, von ÖLV-Coach Philipp Unfried angeführten Betreuerteam ist. Außerdem erzählt die Heeresleistungssportlerin, wie sie vergangenen Herbst nach ihrer Verletzung im ersten WM-Bewerb tatenlos zusehen musste, wie andere um die Podiumsplätze kämpften und letztlich eine Landsfrau Bronze erobern konnte.

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Direktlink zur Episode auf am-sportplatz.simplecast.com

https://www.instagram.com/ivona.dadic/

Podcast: Am Sportplatz #7 „Fight Corona Special“ mit Tennis-Rakete Jurij Rodionov

Mit 18 enterte Jurij Rodionov als bislang einziger Österreicher seit Dominic Thiem die Top-10 der Juniorenweltrangliste. Jetzt, mit 20, war der Sohn weißrussischer Eltern drauf und dran nach einem durchwachsenen Jahr 2019 endgültig auch die Tenniswelt der Erwachsenen zu erobern. Im Februar konnte der mittlerweile 20-Jährige zwei Challenger-Turniere für sich entscheiden und dabei einigen Top-Spielern ihre Grenzen aufzeigen. Auch dem Weltklassemann Pablo Cuevas lieferte der Linkshänder beim Daviscup-Heimspiel gegen Uruguay einen heldenhaften Dreisatzfight, der Experten wie Publikum begeisterte. Doch dann kam Corona …

Am Sportplatz beim diesmal virtuellen Gastgeber Fritz Hutter erzählt die aktuelle Nummer 166 der ATP-Weltrangliste, was ihm die im Vorjahr fixierte Zusammenarbeit mit Mentor und Headcoach Wolfgang Thiem gebracht hat, wie ihm sein nunmehriger Touring-Coach Javier Frana Selbstvertrauen impft und warum er eigentlich keine Angst hat, dass sein Aufstieg vom Virus nachhaltig gestoppt werden könnte. Und der niederösterreichische Heeressportler sagt, was er von Hamsterkäufen hält, was das Wichtigste beim Hometraining ist und was er vom Zwist seines Cheftrainers mit dem Österreichischen Tennisverband mitbekommen hat.

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Oder direkt via „Am Sportplatz“:

Podcast: „Fight Corona Special“ mit Heeressportler & Versorgungshelfer Patrick Staber

Patrick Staber hält als einer der aktuell besten Schwimmer im Land bei bereits 15 Staatsmeistertiteln, dem österreichischen Rekord und einem Weltcup-Sieg über 400 m Lagen. Dazu lieferte der 23-jährige Heeresleistungssportler respektable Leistungen bei WM- und EM. Und auch für Olympia in Tokio würde es auch nicht schlecht aussehen. Zuletzt schrammte der Niederösterreicher nur 5 Zehntelsekunden am Limit vorbei. Normalerweise kein Beinbruch, stünden doch noch einige Qualiwettkämpfe an. Stünden, denn Corona legt auch den Schwimmsport lahm. Will heißen, wohl keine Limitchancen mehr und möglicherweise auch gar kein Olympia zum vorgesehenen Termin von 24. Juli bis 9. August 2020.

Am (Telefon-)Sportplatz bei Gastgeber Fritz Hutter berichtet der  smart-bescheidene Wirtschaftsstudent, dass er sich trotz gesperrter Trainingsbecken ungebrochen voll ins Zeug legt. Aktuell halt nicht in der Badehose, sondern in der Bundesheeruniform. Abkommandiert zur Arbeitsunterstützung ins Logistikzentrum einer Handelskette hilft er, die Versorgung der Bevölkerung sicherzustellen – und erweitert dabei mächtig seinen Horizont. Mit dem guten Gefühl, der Gesellschaft etwas zurück geben zu können und der freudigen Bereitschaft, seine Pool-Power auch bei maximal 4 Grad Celsius für unser aller Wohl einzusetzen.

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Hier geht’s direkt zum Podcast mit Patrick Staber:

Ihnen fehlen die Worte? Nehmen Sie meine! fritzhutter@me.com +43 676 871970225