Austria’s first Role Model

Noch ein Zehnjähriges! 2011 zog Thomas Muster nach einer Niederlage gegen Dominic Thiem dann wirklich den Schlussstrich unters Profitennis. Was in den vielen Jahren davor geschah, sucht nicht nur in den rot-weiß-roten Sport-Annalen seinesgleichen. Ein hartnäckiger Beobachter des Phänomens „Muster“ erinnert sich. Ohne Anspruch auf Vollständigkeit, dafür höchst selektiv.  

Meine sehr persönliche Story über mein „Leben“ mit dem rot-weiß-roten Sport-Phänomen Thomas Muster erschien zuerst im Print-Magazin der Internetplattform www.tennisnet.com. Hier geht’s zum ePaper-Download

„Hast du gesehen, was man mit Links alles anstellen kann“, will an diesem Pfingstsonntag 1984 der Vollbärtige am Fahrersitz von mir wissen. Er, meine erster und einziger Trainer, und ich, damals grad 16, sind auf der Heimfahrt vom idyllischen Gars am Kamp. Das Wunderärmchen, von dem der väterliche Freund mir Nordwaldviertler Nachwuchshoffnung vorschwärmt, hat sich kurz zuvor beim legendären Garser Pfingstturnier mit rasantem Schwung um einen gachblonden Steirerbuam gewickelt. Die konstante Power und die verrückte Drehzahl in den Topspins des Teenagers beeindruckt damals aber nicht nur uns Landeier. Bei den Matches des blutjungen Thomas Muster hängen in die Jahre gekommene Weltstars wie Balazs Taroczy, Heinz Günthardt oder Pavel Slozil genauso staunend am Zaun, wie die Austro-Elite um Hans Kary, Peter Feigl oder Hans-Peter Kandler. Allen zusammen ist klar, dass das 17-jährige Hendl im ballonseidenen Trainingsanzug deutlich mehr zu bieten hat, als sein beängstigendes Stöhnen. 

Unmittelbar nach diesem Auftritt in jenem Ort, dem er nur fünf Jahre später als heftig therapierender Sitztennisspieler zu weltweiter Bekanntheit verhelfen wird, geht es dann dahin mit Thomas Muster. Und ich bleib’ fasziniert dran am eineinhalb Jahre älteren. Über das anfangs noch Kleingedruckte in der elterlichen Abozeitung und immer häufigeren Kurzsportmeldungen im TV krieg ich ihn zunächst nur medial mit. Sein Daviscup-Debüt mit dem ersten von insgesamt 36 Einzelsiegen zum 5:0 über Norwegen, erfolgreiche Debüts bei den ATP-Heimturnieren von Kitz und Wien oder den Sprung unter die Top-100 mit 18. Dann, 1986, den ersten Titel auf der großen ATP-Tour am Sand von Hilversum, wo der Leibnitzer Linkshänder im Best-of-Five-Finale dem Schweizer Jakob Hlasek nicht den Funken einer Chance lässt.  

Aber blanke Daten und Fakten, etwa auch zu 43 weiteren Turniersiegen, lassen sich heut’ easy googeln. Und Bilder, wie jene vom denkwürdigen Daviscup-Halbfinale gegen die USA 1990 im Happel-Stadion, kann man nach wenigen Maus-Klicks gemütlich daheim im Patschenkino nachschauen. Meine Wenigkeit darf als Sportjournalist aber zusätzlich in beruflichen Erinnerungen kramen. Vielleicht wollen Sie ja mitstöbern, um Ihr eigenes Bild von einem der weltweit bekanntesten, lebenden Österreicher noch um’s eine oder andere Mosaiksteinchen zu ergänzen.    

Zum Auftakt kommt mir ein wochenlang eingefädeltes Telefoninterview für Österreichs legendäres Jugendmagazin Rennbahn-Express im Sommer 1993 in den Sinn. Nur Tage nach einer weiteren Wimbledon-Niederlage jenes Mannes, der auf Sand und Hartplatz längst zu den absoluten Weltstars zählt, gibt Manager Ronnie Leitgeb endlich den Hörer an Thomas Muster weiter. Schon das allein war ein Erfolg. Nach dem so fatalen Unfall von Key Biscayne und dem sensationellen Comeback nur fünf Monate später erhob Leitgeb nämlich eine höchst selektive Medienauswahl gefühlt zum Stilmittel der Mythenbildung. Was dann folgt, ist mein fix allerkürzestes Interview. Erste Frage: „Was ist der Grund dafür, dass du noch immer kein einziges Match auf Rasen gewonnen hast?“ Antwort: „Und ich hab geglaubt, du verstehst zumindest ein bisserl was vom Tennis.“ Danach tuut, tuut, tuut und aus – der trockene Return eines Mannes, dem es bis heute gelingt, sich für Prioritäten aufzusparen. 

Wenige Monate später nimmt sich Thomas Muster dann trotzdem Zeit, sich von mir in einer Wiener Hotel-Suite den „Goldenen Pinguin“, quasi der Rennbahn-Express-Oskar für den beliebtesten Sportler im Land, überreichen zu lassen. 

Der junge Thomas Muster und der noch jüngere, aber an diesem Aschermittwoch 1995 so alt aussehende Fritz Hutter bei der Übergabe des Goldenen Pinguins powered bei Rennbahn-Express

Speziell lässig dann auch zwei weitere von bis heute zahlreichen Arbeitsgesprächen mit jenem Mann, der im Frühjahr 1996, nicht ganz ein Jahr nach seinem Grand-Slam-Triumph in Paris, für sechs Wochen als Nummer 1 der Tenniswelt regierte. Die hier nun erwähnten Interviews wurden nach dem damals nicht erklärten Rücktritt 1999 geführt. 

Zum ersten großen Frage-Antwortspiel für das Sportmagazin nach Ende von Musters erster, in Australien geführter Ehe brettert der Steiermarkheimkehrer in Rekordzeit aus Graz nach Wien – unvergessen der selbst nach zwei Stunden Gespräch noch knisternde 500-PS-Bolide draußen vorm Cafe Landtmann. Unsere Themen: das bald danach angenommene  Job-Angebot als Daviscup-Captain, Thomas Musters Anfänge als Unternehmer oder die verrückte Nacht nach seinem bis dahin letzten Profimatch, der Niederlage gegen Nicolas Lapentti in Roland Garros 1999.

Noch entspannter verläuft Jahre später die „Gegeneinladung“ zu Musters Lieblingswirten im südsteirischen Leibnitz. Dort schwadroniert dann ein gereifter Mitvierziger über die Gründe seines temporären Comebacks, welches er auch als Feldstudie zum angeblichen Tempo im modernen Tennis („Früher war es schneller.“) verstanden wissen will. Er spricht über seine, durch Futterneid getrübte Begeisterung für den Weinbau, seinen Zustand zu allem Digitalen oder auch die ideenfeindliche Bürokratie in Österreichs Politik und Sport. Und er lässt sich erstmals mit Sehhilfe aus „Tom’s“-Brillenkollektion ablichten.

Selbst mit verbundenen Augen hätte sich Thomas Muster mit mir auf ein und denselben Tennisplatz stellen können. Etwa beim Pro-Am-Event im Rahmen der Erste Bank Open, wo ich selbst noch 2018 in gutmütig vorgetragenen Schlägen dieses gewisse Extra an Vorwärtsdrall zu spüren bekomme, oder bei einem einst zusammen mit Tennisnet-Boss Alex Antonitsch organisierten Racket-Test. Dabei drückt mir Muster zum Vergleich das Werkzeug aus seiner Hochzeit ins Pratzerl: über 370 Gramm schwer, bespannt mit an die 40 Kilopond und einem megadicken und am unteren Ende mit einem mächtigen Knauf getunten Griff. Immerhin, beim bereits sechsten Schlag gelingt es mir die Kugel damit übers Netz zu wuchten.

Doch ein Stück weit spektakulärer ist jene Bilanz, die sich der Sohn von Inge und Heinz Muster mit dem erwähnten Schlagzeug erkämpft hat. Von vielen seiner 898 erfassten Profimatches hüte ich höchst vitale Eindrücke, bei nicht wenigen war ich live dabei. Etwa bei sämtlichen Daviscup-Heimspielen ab 1988 inklusive des Thrillers gegen Deutschlands Michael Stich in Unterpremstätten im März 1994 oder vier Jahre davor eben im Happel-Oval. Klar vor mir habe ich Musters Finalsiege in Kitzbühel 1993 und in St. Pölten 1994 und 1995. Genau wie die Niederlage im von Kotzen & Krämpfen geprägten Stadthallen-Endgame gegen den ein Jahr jüngeren Horst Skoff im Jahr 1988. Und selbstverständlich ist mir das gegen Michael Chang letztlich glatt gewonnene Paris-Finale 1995 präsent – selbst wenn ich dieses zunächst nur bruchstückartig in den Wechselpausen einer Meisterschaftspartie irgendwo in Niederösterreich auf einem an den Zaun gerückten Portable-Fernseher verfolgen konnte. 

Das für mich beeindruckendste Muster-Match aller Zeiten steigt aber im Herbst dieses Mega-Jahres 1995 mit satten 12 Titeln auf ultraschnellem Teppich im deutschen Essen. Im Semifinale erledigt Thomas Muster dort das damalige Maß aller Dinge, den bereits siebenfachen Major-Sieger Pete Sampras, in zwei Sätzen. Eine Partie, die nicht nur mich staunend zurücklässt. Vor allem, weil der gefürchtete Kämpfer Dinge blank zieht, die nur ganz wenige im Werkzeugkoffer eines Mannes vermutet hätten, den man in Frankreich „Le Bûcheron de Leibnitz“, den „Holzfäller aus Leibnitz“ nennt. Nämlich wohldosierte Return-Chips auf Sampras’ Aufschlagraketen, gefühlvoll abgeschlossene Netzattacken und sensationelle Passing-Shots auch von der Rückhand. 

An diesem Abend setzte Thomas Muster ein weiteres Zeichen und zeigte der Tenniswelt, was er tatsächlich alles mit Links anstellen konnte …

PS: Ich persönlich habe Thomas Muster immer vor allem für seine Art respektiert, Ziele zu definieren, diese dann mit aller Konsequenz anzustreben und letztlich auch zu erreichen. Wäre cool, wenn der heute erst 53-Jährige dieses Odeur doch wieder auf einem Tennisplatz verströmen wollte – idealerweise auf einem mit jungen ÖsterreicherInnen drauf. 

New Podcast: Push Your Limit

Besser hätte der Start des brandneuen Podcast-Projekts im Auftrag der Sportwissenschafterin und Sport-Unternehmerin Elisabeth Niedereder und ihres lässigen Trainings- und Ausbildungszentrums im Tristyle-Studio am Wiener Alsergrund tatsächlich kaum laufen können! So ist „Push Your Limit“ in der Kategorie „Fitness-Podcasts“ der heimischen Apple-Charts auf Platz 1 eingestiegen, zählt dort seither zu den meistgehörten österreichischen Podcasts und lässt regelmäßig auch die teuer produzierten Sendungen heimischer und internationaler Verlags- und Sendehäuser hinter sich.

In „Push Your Limit“ präsentiert die gebürtige Oberösterreicherin „Lissi“ Niedereder ihre ganz spezielle Philosophie des Personal-Trainings und ihren Ansatz in Sachen „Aus- und Weiterbildung“ für TrainerInnen und solche, die das vielleicht noch werden wollen. Dazu kommen Trainings- und Ernährungstipps sowie jede Menge Blicke hinter die Kulissen des Unternehmens, welches die einst 26-fache Leichtathletik-Staatsmeisterin (Mittelstreckenlauf) unmittelbar nach Ende ihrer Spitzensportkarriere aufgezogen und seither immer weiter entwickelt hat.

Die Idee für einen eigenen Podcast haben wir bei den Aufnahmen meines ganz privaten Projekts „Am Sportplatz“ geboren und nur wenige Wochen später mit viel Energie umgesetzt.

Zu hören – und zu abonnieren – ist „Push Your Limit“ überall, wo es Podcasts gibt. Zum Beispiel auch hier:

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Und hier noch Elisabeth Niedereders Folge von „Am Sportplatz“ zum Direkthören:

Ganz in Weiß

Sie lieben Erdbeeren, Pimm’s und gepflegtes Rasentennis dazu, wollen aber nicht über den Ärmelkanal? No problem, dann reisen Sie im kommenden Sommer doch ins Waldviertel, zum möglicherweise lässigsten Amateurturnier des Landes, den „All Gmünd Lawn Classics“.

Die folgende Story von Fritz Hutter erschien zuerst im Dezember im Tennis-Jahrbuch der Tageszeitung Kurier. Actionfotos von Peter Haberleitner

Es gibt Turniere und Turniere. Solche etwa, wo sich Freizeitcracks aller Niveaus die Filzkugel häufig mit teils massig Ehrgeiz und zwecks Politur des eigenen Spielstärkengrads – Stichwort ITN – um die Ohren hauen. Oder jene, wo es um die begehrten Punkte für die ÖTV-Rankings in den diversen Altersklassen geht. Und dann gibt es aber auch die bereits vor ihrer achten Auflage im vergangenen August legendären „All Gmünd Lawn Classics“ der  101 Jahre alten 1. Sportvereinigung Gmünd im nördlichen Waldviertel. Beim als Doppel-Event nach einem ausgeklügelten Modus-Mix aus Gruppen- und K.o.-Phase durchgezogenen Turnierformat wird, wie schon der Name sagt, tatsächlich auf Gras gespielt. Genauer gesagt auf vier bis sechs liebevoll gezupften, gewalzten und stilecht mit Kalk linierten Rasenplätzen.

Durch die vor Jahren exekutierte Fusion der einst zwei Gmünder Fußballvereine wurde der Platz der SVg.-Kicker nicht mehr gebraucht und dadurch für die anliegende Tennis-Sektion zusätzlicher Spielraum frei – und eben Platz für das wahrscheinlich außergewöhnlichste Tennisturnier im rot-weiß-roten Freizeitsport. Wobei, was heißt Freizeit, tummeln sich im auf 36 Paare limitierten Starterfeld (Anm.: 2020 waren es Corona bedingt nur 24) doch auch ehemalige Einzel- und Mannschaftsstaatsmeister*innen, Topspieler*innen und Ex-Profis wie etwa Petra Russegger, Andi Buchwald oder Andreas Rechberger. Selbst die vormalige Nummer 27 im WTA-Ranking, die Tirolerin Sylvia Plischke, zählt seit Jahren zu den Stammgästen. Nur einen Kickaufschlag von der tschechischen Grenze entfernt, matcht sie sich bevorzugt barfuß mit durchwegs spielstarken Local Heros genau wie beispielsweise mit der mit Abstand besten U12-Spielerin Österreichs, der Lienzerin Lilli Tagger (Foto unten).

Wie alle anderen Lawn-Classic-Starter*innen schlüpft die zuletzt gar in die südfranzösische Tennis-Academy von Trainer-Guru Patrick Moratoglou geladene Lilli für diesen ganz besonderen Sommertag in Gmünd alljährlich in die verpflichtend reinweiße Dress und schnappt sich ein Reglement konformes Holz-Racket. Um ihr bereits so ausgereiftes Können auch auf exotischerem Geläuf unter Beweis zu stellen, aber auch, um mitten drinnen in ihrem dichten Turnierplan wieder einmal ausschließlich das zu zelebrieren, worauf es beim Tennis vor allem ankommt: die pure Spielfreude! 

By the way: Die Gmünder Veranstalter planen bereits für ihre Rasensaison 2021, und das idealerweise wieder mit 72 Teilnehmer*innen.  Auch Lilli Tagger will weiterhin dabei sein, bei den „All Gmünd Lawn Classics“ – vielleicht ja sogar noch so lange, bis sie sommers andere Rasen-Courts zu beackern hat. Irgendwo jenseits des Ärmelkanals …

Infos & Anfragen zum Rasentennis im Waldviertel via www.svtennis.gmuend.at.

Noch mehr Fotos gibt’s HIER

Der Autor in voller Fahrt

Neues Podcast-Projekt: The Doc’s Talk

Der heilsame Ansatz des Unfallchirurgen und Sportarztes Alexander Mildner hat mir als lebenslang begeistertem Hobbysportler, der mittlerweile härter gegen Alterserscheinungen und physische wie psychische Formkurven als mit Gegnern kämpft, schon immer getaugt.

Obwohl leidenschaftlicher Chirurg, hat er mir schon mehr, von Kollegen als unumgänglich erachtete Operationen ausgeredet, als letztlich tatsächlich angedeihen lassen. Aber wenn er mich in den OP gebeten hat, dann ist jeder seiner (kleinen) Schnitte gnadenlos präzise gesessen.

Mehr noch als seine Skalpelltechnik beeindruckt mich aber seine ganzheitliche Sicht der Dinge und sein selbstverständlicher und uneitler Wille, interdisziplinär mit Therapeut*innen und Trainer*innen für eine nachhaltige Gesundung seiner Patient*innen zu kooperieren.

Groß ist deshalb die Freude, dass ich Dr. Alexander Mildner nun bei der Realisierung seines Podcasts The Doc’s Talk als Redakteur und Producer unterstützen darf. Ab sofort spricht er regelmäßig über seine Sicht der Dinge in Sachen Operation, Therapie oder Training, räumt dabei herzhaft auch mit ungebrochen verordneten Binsenweisheit auf und bietet moderne Diagnose- und Behandlungsalternativen an. Und er lässt gerne auch jene Menschen zu Wort kommen, die seine Methodik mit ihrer Expertise ergänzen.

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Und hier geht’s direkt zur Vorstellungsrunde mit Alexander Mildner:

Empfehlung: Learn from the best!

Empfehlung. Wenn ich etwas für mich persönlich Positives an den, die Pandemie begleitenden Maßnahmen suche, dann finde ich die Bonuszeiten, die ich als nunmehriger Homeofficer mit unserer, ins Distance-Learning gezwungenen Tochter Johanna (14) verbringen darf.

Speziell unsere bald nach Ausrufung diverser Lock-Downs fix installierten Walk & Talks um die Mittagszeit möchte ich nicht missen. Und das nicht nur aus Gründen der Vertiefung unserer ohnehin sehr engen Beziehung, oder weil wir Bewegung unter die so raren, wirklich effektiven Allheilmittel reihen.

Nein, sondern durchaus auch, weil ich durch unsere Gespräche und unseren Gedankenaustausch praktisch täglich eine kostenlose, inhaltsrelevante und im wahrsten Sinne erfrischende Fortbildung in Sachen Jugendkultur, digitales UserInnenverhalten, Trends oder auch Sprachentwicklung genießen darf. Empfehle daher dringend die Nachahmung. Aber halt bitte mit dem jeweils eigenen Nachwuchs …

Neu im Portfolio: Der Finanz-Podcast für Bürgermeister*innen

Vor einigen Monaten habe ich einen Tennisfreund aber auch -rivalen von früher im (Inter-)Netz wiedergefunden –– und mit ihm auch rasch unsere gute Gesprächsbasis aus den 1980er und 1990er-Jahren.

Mag. Heinz Hofstaetter ist als Finanzexperte längst gleichermaßen in Österreich wie auch in Deutschland angesehen und gefragt. Nach verschiedenen beruflichen Stationen, u.a. als Vorstand und Geschäftsführer, gründete der Kremser zuletzt ein Unternehmen, welches Gemeinden und Städte bzw. Bürgermeister*innen und Finanzreferent*innen in sämtlichen Finanzierungsfragen unterstützt. Die FRC Finance & Risk Consult lässt dabei als „ausgelagerte“ Finanzabteilung ihr tiefes Wirtschaftswissen und ihr dichtes Netzwerk einfließen, und sorgt dadurch maßgeblich für Entlastung der ohnehin mit einem breiten Spektrum an Zuständigkeiten „versorgten“ Gemeindeverantwortlichen.

Weil Heinz Hofstaetters Palette an Inhalten und Angeboten für Gemeindevertreter*innen, welche ja nicht zwingend mit Finanz-Background ausgestattet sein müssen, in ihrer Vielfalt möglicherweise nicht flächendeckend ganz leicht zu fassen ist, haben wir uns zur Produktion des Service-Podcasts FRC On Air entschlossen. Dort erklärt Heinz Hofstaetter griffig, was sein Unternehmen für eine stetig wachsende Anzahl von Partner-Kommunen leistet.

Spannend – auch und grad für mich, der ja selbst nicht zwingend unter die Finanzierungsexperten zu zählen ist …

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#Throwback – Alexandra Meissnitzer: „Wir werden einen schönen Skiwinter haben!“

Das nachfolgende Interview wurde für die im vergangenen Oktober erschienene Ausgabe von Schau-Magazin geführt. In vielem lag die eloquente Alexandra Meissnitzer richtig. Manches kam – Corona bedingt – anders, als man dachte. Einiges kam gar nicht …

Am 17. Oktober startet der Skiweltcup 2020/21! Und das, wie gewohnt, in Sölden. Trotzdem wird im anstehenden WM-Winter vieles anders. ORF-Expertin und Ex-Skistar Alexandra Meissnitzer sagt im SCHAU-Interview worauf man sich trotz Corona freuen darf, mit wem zu rechnen ist und wie sie ihre privates Skivergnügen finden wird.

Interview: Fritz Hutter

Der Weltcup-Auftakt in Sölden wurde um eine Woche vorverlegt, um dem skitouristisch intensiven Wochenende vor dem Nationalfeiertag am 26. Oktober auszuweichen. Wie bereit werden die Läuferinnen und Läufer in einem Jahr wie diesem sein?

Zeitlich macht die Verschiebung für die Aktiven sicher keinen Unterschied. Aber grundsätzlich fühlt sich sölden immer „zu früh“ an, weil man sozusagen ja noch mitten in der Vorbereitung steckt. Ich finde das Rennen extrem interessant, weil du auf diesem selektiven Hang siehst, wer in den Sommermonaten welchen Schritt gemacht hat, welche neuen Gesichter auftauchen. Man hört zwar oft, dass es nicht so schlimm ist, wenn es in Sölden noch nicht so klappt, weil bis zum „echten“ Weltcup-Winter ja eh noch Zeit ist. Aber es gibt einem extrem viel Sicherheit, wenn man dort gleich vorne dabei ist – darum ist Sölden immer mit großer Aufregung verbunden.

Was hören Sie aus dem ÖSV-Lager über die Vorbereitung?

Sie haben extrem viele Corona-Tests gemacht, somit waren die Reisen zu Trainingslagern mit einem ganz anderen Aufwand verbunden, das Pensum musste aber trotzdem nicht zurückgeschraubt werden. Flachgefallen sind natürlich die Überseetrainings. Aber darin sehe ich keine Dramatik – wir sind früher im Sommer auch schon öfter in Europa geblieben, weil etwa in Neuseeland, Chile oder Argentinien zu wenig Schnee war. Klar ist aber, dass es sich heuer auf den europäischen Gletschern wie in Zermatt extrem abspielt. Aber die Teams werden sich dort gut koordinieren. 

Der Auftakt mit Sölden und den wenig später folgenden Parallelbewerben in Lech/Zürs wären ein Traum für das begeisterte Skipublikum im Land. Jetzt finden diese Rennen, genau wie die Klassiker in Semmering, Kitzbühel oder Schladming, ohne Zuschauer statt. Wie wird das?

Ich sehe das differenziert. Natürlich ist das Publikum bei einem Nachtslalom wie Schladming ein wichtiger Aspekt. Aber bei sehr vielen Speed-Rennen steht entlang der Strecke kaum jemand. Man wird also Rennen sehen, die von außen betrachtet ausschauen, wie immer, und solche, die ganz anders rüberkommen. Aber mir ist wichtig, dass die Rennen überhaupt stattfinden.

Das Fernsehen spielt für Skifans also heuer logischerweise eine noch wichtigere Rolle.

Absolut. Speziell die Liveübertragungen haben derzeit einen noch höheren Stellenwert als sonst. Das merkt man bei der Formel-1 oder beim Fußball. Ich find es großartig, dass die Veranstalter sagen, ja, wir wollen Skirennen auch ohne Publikum vorort austragen. Absagen wären für die Läuferinnen und Läufer wie für die Verbände fatal, weil man ja sehr stark von den Werbeeinnahmen lebt. Und in Zeiten wie diesen tragen die Aktiven zusätzliche Verantwortung, positive Emotionen auch via TV zu transportieren. Ich glaube, es wird heuer niemand ein Problem haben, die Höchstleistung zu zeigen, weil gesehen wird es ja.

Cortina 2021 wird voraussichtlich die erste Weltmeisterschaft ohne Publikum im Zielstadion. Bitter gerade für einen Traditionsort und die starke Italo-Mannschaft, oder?

Ja, gerade Cortina ist wirklich mit sehr großer Tradition verbunden. Aber ich traue es den Veranstaltern zu, trotzdem wunderschöne Rennen zu machen. Ich glaube, dass es ganz stark an der Gestaltung liegt. Und die Wertigkeit der Medaillen wird dieselbe sein. Natürlich ist Sport auch Show – und diese Show muss jetzt ganz einfach übers Fernsehen rüber gebracht werden. Wie das geht, sieht man eben bei der Formel-1. Übrigens finde ich es schon großartig, dass dort mit Spielberg zuerst ein österreichischer Ort gezeigt hat, wie es geht. Aber auch, dass man trotz Corona den Mut hatte, die Salzburger Festspiele zu veranstalten, fand ich stark. Österreich macht da meiner Meinung nach generell einen sehr guten Job. Darum freue ich mich auch, dass es im Skisport neuerlich Österreich ist, das die ersten Rennen austrägt. Daran wird man sich orientieren.

Auch Ihre Beiträge als ORF-Expertin und Ihre Fahrten mit der Kamera werden wohl wieder gefragt sein. Bereiten Sie sich speziell darauf vor?

Natürlich. Ich betreibe zwar grundsätzlich viel Sport, aber ab September steht immer vermehrtes Krafttraining auf dem Plan. Die Fahrten über die meist sehr eisigen Rennpisten und das gleichzeitige Reden sind nicht zu unterschätzen. Und selbstverständlich will ich einen guten Job machen. Das ist mein Anspruch. Dazu gehört, dass ich körperlich fit bin, aber auch, dass ich alle meine Infos beisammen habe.  

Auffällig ist, dass zwar die Rennen in den USA und Kanada gestrichen wurden, das Olympiarevier von 2022, Yanqing in China, bislang drinnen geblieben sind.

Ich glaube ehrlich gesagt, dass man sich sich das noch ein bisserl offen lässt, weil es zeitlich doch noch weiter weg ist. Ich denke aber, dass im kommenden Winter die ganz großen Reisen nicht gemacht werden, lasse mich aber sehr gern positiv überraschen. Wichtig ist aber, dass Rennen nicht einfach nur abgesagt, sondern ersetzt werden. Ich hoffe außerdem, dass die gestrichenen Nordamerika-Rennen in Beaver Creek, Lake Louise und Killington noch wo anders zur Austragung kommen können. 

Fix scheint hingegen, dass die Läuferinnen und Läufer aus Übersee in Europa starten dürfen. Wer wird US-Superstar Mikaela Shiffrin, die den vergangenen Weltcup-Winter noch vor dem Corona-Abbruch wegen des Todes ihres Vaters beendet hat, heuer den Gesamtweltcup und um WM-Edelmetall streitig machen?

Natürlich wieder Italiens Federica Brignone als Titelverteidigerin im Gesamtweltcup, und die Slowakin Petra Vlhová speziell in den technischen Disziplinen. Dazu bin ich auf die Schweizerin Michelle Gisin gespannt, die durchaus das Potenzial hat, in mehreren Disziplinen ganz vorne mitzufahren. Außerdem finde ich es immer extrem spannend, wenn Junge dazukommen, wie im Vorjahr die Neuseeländerin Alice Robinson. Die hat damals ja mit 17 in Sölden gewonnen und zum Thema „Schräglage“ ein ordentliches Schauferl nachgelegt. Vor allem bin ich aber auf unsere Österreicherinnen neugierig.

In Abfahrt und Super-G ist es Dank Nici Schmidhofer, Stephanie Venier oder Nina Ortlieb sehr solide gelaufen. Im Slalom rückt die Vorarlbergerin Katharina Liensberger den Topfavoritinnen Shiffrin und Vlhová immer näher. Was trauen Sie ihr zu?

Die ist erst 23 und ein Riesentalent, und ich hoffe, dass da schon bald noch diese gewisse Konstanz dazukommt. Sie konnte schon bisher immer wieder mit Spitzenplätzen aufzeigen, aber richtig interessant wird es, wenn sie eine ganze Saison so durchfahren kann. Aber ich gehe schon davon aus, dass sie sich gerade in diesem Bereich weiter steigern wird. Mitbringen tut sehr sehr viel – vor allem die Fähigkeit, mit Druck umzugehen. 

Und in welcher Phase stecken die ÖSV-Herren nach dem ersten Jahr ohne Zugpferd Marcel Hirscher? In der Endabrechnung der Saison 2019/2020 haben ja eher Speedpiloten wie Matthias Mayer und Vincent Kriechmayr aufgezeigt?

Also in Abfahrt und Super-G haben wir überhaupt kein Thema. In den technischen Disziplinen hat man schon früher gesehen, dass der Marcel viel abdeckt. Trotzdem haben wir zum Beispiel mit Marco Schwarz oder Michi Matt super Slalom-Läufer, die zu Höchstleistungen fähig sind. Aber denen ist vergangene Saison manches einfach nicht so gelungen ist. Ein echtes Manko hatte der ÖSV Jahren nur im Riesenslalom, aber das hat man selbstverständlich längst erkannt und arbeitet wohl mit Hochdruck daran.  

Wünschenswert wäre wohl wieder eine höhere Dichte, wie sie etwa zu Ihrer Hochzeit mit Ihnen, Renate Götschl, Michaela Dorfmeister oder eben auch Maier, Eberharter, Knauß, usw. geherrscht hat.

Wichtig ist, dass permanent mehrere Leute um den Sieg mitfahren können. So entsteht eine gewisse Dynamik. Man sieht das heute am Beispiel der Italienerinnen. Unglaublich, was da in den letzten drei Jahren für eine starke Mannschaft entstanden ist. Da gestaltet sich auch das Training ganz anders. Jede will die Nummer 1 sein, jede will Rennen gewinnen – man kann sich vorstellen, was sich da schon in der Vorbereitung abspielt. Da sollte man wieder hin, aber ich denke, auch daran wird intensiv gearbeitet. Aber die Grundvoraussetzung dafür ist, dass alle fit sind. Und speziell bei den Damen hatten wir in den letzten Jahren wirklich extremes Verletzungspech. Aber jetzt kommt zum Beispiel mit Stephanie Brunner unsere, vor ihren Kreuzbandrissen 2019, Stärkste im Riesenslalom wieder.

Zum Finale weg vom Spitzensport mit Verletzungssorgen und Leistungsdruck: Wie wird Ihr privater Skiwinter 2020/21?

Ich werde sicher wieder Skifahren gehen, und sicher in meinem Lieblingsrevier Saalbach! Und für mich ist ein Skitag auch immer mit einem Hüttenbesuch verbunden. Ein bisserl haben wir uns ja schon an die Situation gewöhnt, und wenn wir alle mit Hausverstand und Respekt unterwegs sind, werden wir auch heuer einen schönen Skiwinter haben. Ich muss mich ja nicht noch in die bereits volle Gondel pressen, lieber wart’ ich noch ein paar Minuten. Wichtig ist, dass ich überhaupt Skifahren kann.  

Alexandra Meissnitzer: Als Aktive wurde die Salzburgerin aus Abtenau 1999 Weltmeisterin in Super-G und Riesenslalom sowie Gesamtweltcupsiegerin. Bei Olympia 1998 eroberte sie Silber im Riesenslalom und Bronze im Super-G. Letzteres glückte auch bei den Spielen 2006. Im März 2008 beendete sie ihre aktive Laufbahn, seit Dezember 2008 ist sie als Co-Kommentatorin und Kameraläuferin für den ORF tätig. Außerdem wirkt die heute 47-Jährige als selbstständige Moderatorin, Freiberuflerin und betreibt in der Stadt Salzburg ihr Lokal „Genussprojekt“.

Mein absolutes Sporthighlight 2020

Selbstverständlich gelangen etwa auch Österreichs Spitzensportler*innen im abgelaufenen Seuchenjahr beeindruckende Leistungen. Sehr gefreut haben mich beispielsweise die Tenniserfolge von Weltstar Dominic Thiem und Altmeister Jürgen Melzer, sowie jene von Zukunftshoffnung Jurij Rodionov. Und richtig lässig finde ich ungebrochen, dass Siebenkämpferin Ivona Dadic als Jahresweltbeste ihres Faches in eine mutmaßliche Olympiasaison stürmt. Dazu erinnere ich mich auch gerne an die teils großartigen EM-Auftritte der rot-weiß-roten Handball-Nationalmannschaft um ihren Ausnahmespieler und späteren deutschen Meister Nikola Bilyk, chapeau!

Aber jenes Sportereignis, welches mir im von Corona gebeutelten 2020 die prägendsten Magic Moments beschert hat, bereichert meinen Erinnerungsschatz aus dem puren Amateurbereich, ja aus dem engsten Familienkreis heraus. Dass unsere seit Juni 2020 14-jährige Tochter Johanna Mitte Juli so ultimativ vertrauensvoll zusagte, sich einen Monat später nur mit mir für drei Tage aufs Mountainbike und den legendären „Waldviertler Granit-Trail“ zu schmeißen, war im vergangenen Jahr sportlich gesehen das eindeutig Größte für mich. Und auch sonst sehr weit vorne …

Diese letztlich mehr als 160 Kilometer und über 3000 Höhenmeter zwischen meiner alten Heimatstadt Gmünd und dem Zielort Ybbs an der Donau gaben mir buchstäblich Berge. Erstens, weil ich es als riesengroße Ehre empfunden habe, dass Johanna meine Idee zu dieser Tour so begeistert angenommen hat. Zweitens, weil uns das abenteuerliche und teils wirklich fordernde Sporteln zu einem seither noch inniger agierenden Team geschweißt hat. Und drittens, weil diese Radtour wohl genau jenen Punkt im Kalender markiert, an dem mir endgültig die Wende von einer, in vielerlei Hinsicht sehr schwierigen Phase hin zur Heilung und zur erfolgreichen beruflichen Neuerfindung gelungen ist.

Das letztlich Wichtigste an unserem Bike-Abenteuer war aber wohl, dass es Johanna und mir trotz 37 Jahren Altersunterschied vergönnt war (und hoffentlich weiter vergönnt ist), derartige Erlebnisse gemeinsam genießen zu dürfen. Aber sehen Sie bitte gerne selbst …

Podcast-Projekt RAUSGEHEN

Erdacht vom so kreativen und dabei bemerkenswert handlungsstarken Geschäftsführer der Niederösterreichischen Bergbahnen und Macher des Podcasts PISTENKILOMETER, Mag. Markus Redl, wurde die Idee für einen, quasi „im Gehen“ produzierten Podcast bei einem After-Sports-Bierchen verfeinert und ein paar Monate später online gebracht. Das Konzept: Die blaugelbe Bergwelt als für sehr viele sehr nahe gelegenes Dorado für große und kleine Abenteuer und Traumort für Menschen mit dem Sinn fürs Schöne und Gute akustisch erlebbar zu machen.

Live in der Erlebnisarena St. Corona am Wechsel

Meine „partners in crime“ waren und sind dabei Seilbahnverantwortliche bzw. echte Insider*innen aus jenen Gegenden, wo die NÖ-Bergbahnen und ihre Partnerbetriebe technische Aufstiegshilfen auf die lässigsten Berge in Österreichs größtem Bundesland unterhalten. Diese Auskenner*innen führen mich auf unterhaltsame Weise durch ihre wirklich fantastisch vielfältigen und großartig erholsamen Paradiese und erzählen dabei nicht selten regionale Details und Anekdoten, die Sie eher in keinem Reiseführer finden werden. Auch für mich, als eigentlich alpin durchaus schon immer hochaktiven Journalisten mit Hang zu genussvollen Erlebnissen jeder Spielart, ist vieles davon ganz neu, manches tatsächlich verblüffend und wirklich alles sehr unterhaltsam. So wie die gesamte Arbeit an RAUSGEHEN, das mir zu einer wahren Herzensangelegenheit geworden ist. Fazit: Ein wunderschönes Projekt für einen wirklich coolen Kunden! Aber hören Sie bitte selbst:

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Die fantastische Titelmusik dieses Podcasts stammt übrigens von „Mr. Beat4Feet“ Werner Stranka und die feinen Podcast- und Episoden-Logos kommen aus dem Büro Bauer. Das technische Finish übernimmt Folge für Folge Martin Fülöp.

Batman & Robin

Das folgende Interview erschien zum Ligastart im Magazin NEWS

Mit einem makellosen Ligaauftakt mit zwei Siegen, einem 10:0 im ÖFB-Cup und besten Chancen auf einen Platz in der Champions League startet der FC Red Bull Salzburg wuchtig in die allererste volle Corona-Saison. Wir baten mit Kapitän Andreas Ulmer (34) und der deutschen Nachwuchshoffnung Karim Adeyemi (18) den routiniertesten und den jüngsten Kicker im Bullen-Kader zum Doppelinterview. 

Text: Fritz Hutter

Wie hat sich der Start in die ungebrochen von Corona massiv beeinflussten Bundesligasaison 2020/21 angefühlt?

Andreas Ulmer: Weil wir ja schon im Frühjahr die letzten zehn Ligaspiele und das Cup-Finale unter diesen Voraussetzungen gespielt haben, hat der Bundesliga-Start gar nicht so viel Neues gebracht. Dinge wie regelmäßige Testungen oder die Abstandsregeln in der Kabine haben wir ja schon gekannt. Das einzig wirklich Neue war, dass beim ersten Spiel in Wolfsberg endlich wieder ein paar Zuschauer im Stadion waren. Aber am Platz selber können wir ganz normal unsere Arbeit machen.

Karim Adeyemi: Speziell vorm Sommer war es natürlich ungewohnt, aber wir haben uns wirklich schnell an die Maßnahmen gewöhnt, ich glaub das hat man auch an unseren Leistungen gesehen. Das Wichtigste ist jetzt natürlich, dass wir alle negativ bleiben – bei den Tests wohlgemerkt. 

Was war das verrückteste Spiel Eurer jeweiligen Karriere vor den Corona-Geisterspielen?

AU: Da fällt mir sofort das Champions-League-Quali-Match gegen Shkendija vor zwei Jahren in Salzburg ein. Da ist während eines heftigen Gewitters das Flutlicht ausgefallen und das Spiel musste zwischenzeitlich unterbrochen werden. Damals haben wir gewonnen, aber eigentlich war es zum Schluss irregulär.

KA: Ich kann mich an ein Zweitligaspiel mit dem FC Liefering erinnern, wo es so nebelig war, dass ich auf der Stürmerposition die eigenen Innenverteidiger nicht mehr gesehen habe. Trotzdem wurde das Match durchgeboxt und wir haben gewonnen. Ein wirklich durchgeknalltes Spiel!

Wo liegen Eure fußballerischen Roots?

AU: Mein allererstes Feld war in der Wohnung meiner Eltern in Asten. Dort habe ich mich von der Balkontür zum Eingang und wieder zurück gedribbelt. Mit 6 bin ich dann zum Verein in Asten gegangen.

KA: Bei mir war es der Platz zwischen den Wäschestangen unserer Wohnanlage außerhalb von München. Dort habe ich mit meinem damals besten Freund eins gegen eins gespielt und wir haben geschaut, wer der bessere Torwart und wer der bessere Stürmer ist. Mit fünf habe ich dann beim TSV Forstenried meine Vereinskarriere begonnen.

Apropos Positionen. Wann hat sich eigentlich entschieden, welche Position am besten passt?

AU: Bis zur U16 habe ich überall gespielt, wo man mich gebraucht hat, außer im Tor. Ab damals dann meist in der Abwehr.

KA: Am Anfang habe ich immer nur vorne gespielt, weil ich häufig der Schnellste am Feld war. Im Bayern-Nachwuchs hat man dann ein bissl mit mir experimentiert und ich war dann einige Zeit Linksverteidiger. Bei einem Turnier bin ich sogar im Tor gestanden, aber da haben wir dann acht Stück bekommen und seither bin ich Stürmer.

Wer waren Eure Vorbilder?

AU: Meins immer Diego Maradona! Alles, was er am Platz gezeigt hat, war überragend. Aber ich glaub’, der Karim kennt’ den gar nicht mehr.

KA: Kennen schon, aber spielen habe ich ihn als 2002er-Jahrgang natürlich nicht mehr gesehen. Ich war als Kind immer Fan des FC Bayern und mein Lieblingsspieler dort war Arien Robben. Später konnte ich dann bei einem Bayern-Essen sogar einmal ein Foto mit ihm machen.

Wann und wie ist die Entscheidung zur Profikarriere gefallen ist?

AU: Es war kein konkreter Tag, sondern ein letztlich logischer Prozess. Nach der Sporthauptschule in Linz bin ich von der LASK-Jugend nach Wien in die Austria-Akademie gegangen. Natürlich träumst du da als junger Bursch’, in der höchsten  Liga zu spielen. Dann durchläufst du den Nachwuchs, kommst in die zweite Mannschaft und letztlich tatsächlich in die erste und bist damit de facto Profi. Mein erstes Spiel war dann 2005 mit Austria Wien gegen die Admira.

KA: Wie Andi schon gesagt hat, war es kein Tag, sondern eine Entwicklung aus der Liebe zum Fußball heraus. Man realisiert Stück für Stück, dass man nicht so schlecht Fußball spielt und eifert seinen Idolen nach. Irgendwann habe ich, wohl genau wie der Andi, die Chance ergriffen, und jetzt sitzen wir beide hier.

Gab es jobtechnisch Alternativ-Ideen?

AU: Eine echte Leidenschaft habe ich neben Fußball ehrlich gesagt nicht gehabt, etwa fürs Handwerkliche oder ähnliches. Aber meine Eltern haben mich immer unterstützt und nie in eine andere Richtung gedrängt. So habe ich bis heute die Freiheit, meine Leidenschaft auszuleben und auch noch Geld damit zu verdienen.

KA: Bei mir stand auch immer der Fußball an erster Stelle. Wenn es aber damit doch nicht geklappt hätte, dann wäre ich vielleicht Polizist geworden. Aber heute bin ich natürlich froh darüber wie es ist. Im Stadion mit dem Rücken zum Spielfeld zu stehen, wäre wahrscheinlich doch nichts für mich gewesen (lacht).

Euer ganz persönlicher Magic Moment im Fußball?

AU: Natürlich war jeder Titel mit Red Bull Salzburg etwas ganz Besonderes. Auch unser Champions-League-Debüt im Vorjahr war großartig, aber wenn ich daran denke, wie wir im Frühjahr 2018 in der Europa League nach einem 2:4 bei Lazio Rom daheim noch 4:1 gewonnen haben und ins Halbfinale aufgestiegen sind, dann zieht es mir heute noch die Gänsehaut  auf. Dieser Ruck, der damals nach dem 0:1 durch die Mannschaft gegangen ist, war ein unvergleichliches Gefühl! 

KA: Mein Magic Moment war definitiv mein erstes Spiel für Red Bull Salzburg im vergangenen Februar in der Europa League! Das war gleich vor vollem Haus gegen Eintracht Frankfurt. Als ich von der Bank gekommen bin, war ich schon ein bisserl erstarrt vor den vielen Leuten und der Atmosphäre. Leider war das Spiel nicht so gut, aber die Stimmung war einfach der Wahnsinn! 

Warum eigentlich der FC Red Bull Salzburg?

AU: Im Herbst 2008 bin ich von der Wiener Austria zur SV Ried gewechselt. Eine wirklich gute Adresse in Österreich, gerade für junge Spieler, die vielleicht bei größeren Klubs ausgebildet wurden, aber dort nicht wirklich Fuß fassen konnten. Bereits ein halbes Jahr später wollte mich dann Red Bull Salzburg. Ich hab mir damals gedacht, wenn mich der beste Verein im Land will, dann muss ich das probieren und bald war klar, dass ich nie wieder weg will. Im Nachhinein kein Fehler (lacht).

KA: Nach sechs Jahren bei Unterhaching habe ich intensiv mit dem Präsidenten Manfred Schwabl über den nächsten Schritt gesprochen. Dabei sind wir bald auf Salzburg gekommen. Letztlich war der Wechsel superschnell über die Bühne und ich habe es noch keine Sekunde bereut. Ich habe gesehen, was hier möglich ist, wie viele Spieler es nach noch weiter oben geschafft haben und wie viele es noch schaffen können. Wichtig war für mich als junger Spieler auch, dass ich hier die Möglichkeit hatte, beim Kooperationsklub FC Liefering in der zweiten Bundesliga einzusteigen – das Beste, was mir vom Jugendfußball kommend passieren konnte.

Wie stark schätzt Ihr die gesamte österreichische Bundesliga im internationalen Vergleich ein?

AU: Man hat in der vergangenen Saison gesehen, wie der LASK aus der Gruppenphase der Europa League aufgestiegen ist und wie viele Punkte auch der WAC gegen ganz große Teams sammeln konnte. Das hat gezeigt, was möglich ist, wenn man sich vielleicht ein bisserl mehr zutraut. Ich denke, dass einiges im Wachsen ist. Wir haben  vorgezeigt, wie man Fußball leben kann und andere Vereine ziehen mittlerweile nach. Nehmen wir nur die vielfach optimierten Stadien, die dem Niveau ebenfalls guttun. Natürlich sind in Österreich nicht alle Spiele gut, aber das hast du in keiner Liga der Welt, auch in den europäischen Top-Ligen gibt’s welche, die du dir nicht anschauen kannst. 

KA: Ich als Deutscher sehe es genau wie Andi. Mittlerweile ist es  bei österreichischen Klubs sogar so, dass du in der Liga vielleicht gar nicht so dominierst, aber international selbst Topvereine mit deiner Präsenz kaputt machen kannst. Niemand sollte deshalb den Fußball hier unterschätzen.

Wo liegen die persönlichen Reserven?

AU: In erster Linie ist es wichtig, dass ich fit und gesund bin. Und dann im taktischen Bereich, wo ich mich ungebrochen verbessern kann. Auch bei Standards und im Passspiel habe ich ständig weiterzuarbeiten. Es gibt genug Sachen und mir wird sicher nicht fad.

KA: Am wichtigsten ist für mich meiner Meinung nach, noch stärker in die Mannschaft hinein zu wachsen. Dabei helfen mir viele Gespräche mit erfahrenen Spielern wie eben mit Andreas oder Zlatko Junuzovic, und natürlich jene mit Trainer Jesse Marsch. Aber es gibt noch sehr viele andere Dinge. Zum Beispiel ist der Abschluss noch nicht perfekt und auch der erste Kontakt verbesserungswürdig. 

Andreas, was sind Karim Adeyemis Stärken?

AU: Er ist sehr dynamisch und wirklich, wirklich schnell. Und ich finde, dass er trotz seines jungen Alters vorm Tor schon richtig gut ist. Aber natürlich, für seine großen Ziele muss er wahrscheinlich noch besser werden.

Und was macht Andreas Ulmer zum Ausnahmespieler?

KA: Er ist ganz klar unser Leader und jeder auf dem Platz sieht zu ihm auf. Seine Stärke ist es, in die richtigen Räume zu passen. Und er ist unglaublich solide und spielt jedes Match so, wie es gespielt werden muss.

Wo seht ihr Euch in 5 Jahren?

AU: Wenn ich fit genug bin, hoffentlich noch am Feld als Spieler! Es ist und bleibt großartig, mit den Burschen draußen trainieren und zweimal die Woche ein Match machen zu können. Wenn man, so wie wir, oft gewinnt, macht das natürlich extrem viel Spaß. Das ist viel, viel besser, als in einem Büro sitzen zu müssen und dann am Abend g’schwind noch ins Fitnesscenter zu gehen, um was für seinen Körper zu tun.

KA: Natürlich träume ich vom nächsten Schritt, irgendwann noch eine andere Liga und neue Spieler kennenzulernen. Und selbstverständlich ist auch die Nationalmannschaft ein großes Ziel.

Und wo seht ihr den anderen in fünf Jahren?

AU: In einer europäischen Topliga bei einem richtig guten Verein! In Deutschland, England oder Spanien, und dort bei jedem Klub, der um die Meisterschaft spielt.

KA: Ich wünsche ihm natürlich, dass der gesund bleibt und tatsächlich noch lange spielen kann. Und ich glaube, dass er danach jedenfalls weiter im Fußball bleiben und vielleicht Trainer bei Red Bull Salzburg wird. Möglicherweise nicht sofort bei der ersten Mannschaft, sondern zunächst in der Jugendabteilung.

 

Andreas Ulmer

Geboren am 30. Oktober 1985

Position: Linksverteidiger

Bisherige Stationen: SK Asten , LASK, FK Austria Wien, FC REd Bull Salzburg;

Nationalmannschaft: 19 Einsätze im A-Team

Größte Erfolge: 11 x Österreichischer Meister, 7 x Cup-Sieger, 2018 Semifinale der UEFA Europa League

Karim Adeyemi

Geboren am 18. Jänner 2002

Position: Stürmer

Bisherige Stationen: TSV Forstenried, FC Bayern München, SpVgg Unterhaching, FC Red Bull Salzburg (seit 2019)

Nationalmannschaft: Einsätze in der deutschen U16- und U17-Auswahl

Größte Erfolge: Österreichischer Meister und Cup-Sieger 2020, 2019 die Verleihung der Fritz-Walter-Medaille in Gold für Deutschlands besten U17-Spieler 

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