Archiv der Kategorie: Pures Leben

Empfehlung: Learn from the best!

Empfehlung. Wenn ich etwas für mich persönlich Positives an den, die Pandemie begleitenden Maßnahmen suche, dann finde ich die Bonuszeiten, die ich als nunmehriger Homeofficer mit unserer, ins Distance-Learning gezwungenen Tochter Johanna (14) verbringen darf.

Speziell unsere bald nach Ausrufung diverser Lock-Downs fix installierten Walk & Talks um die Mittagszeit möchte ich nicht missen. Und das nicht nur aus Gründen der Vertiefung unserer ohnehin sehr engen Beziehung, oder weil wir Bewegung unter die so raren, wirklich effektiven Allheilmittel reihen.

Nein, sondern durchaus auch, weil ich durch unsere Gespräche und unseren Gedankenaustausch praktisch täglich eine kostenlose, inhaltsrelevante und im wahrsten Sinne erfrischende Fortbildung in Sachen Jugendkultur, digitales UserInnenverhalten, Trends oder auch Sprachentwicklung genießen darf. Empfehle daher dringend die Nachahmung. Aber halt bitte mit dem jeweils eigenen Nachwuchs …

Neu im Portfolio: Der Finanz-Podcast für Bürgermeister*innen

Vor einigen Monaten habe ich einen Tennisfreund aber auch -rivalen von früher im (Inter-)Netz wiedergefunden –– und mit ihm auch rasch unsere gute Gesprächsbasis aus den 1980er und 1990er-Jahren.

Mag. Heinz Hofstaetter ist als Finanzexperte längst gleichermaßen in Österreich wie auch in Deutschland angesehen und gefragt. Nach verschiedenen beruflichen Stationen, u.a. als Vorstand und Geschäftsführer, gründete der Kremser zuletzt ein Unternehmen, welches Gemeinden und Städte bzw. Bürgermeister*innen und Finanzreferent*innen in sämtlichen Finanzierungsfragen unterstützt. Die FRC Finance & Risk Consult lässt dabei als „ausgelagerte“ Finanzabteilung ihr tiefes Wirtschaftswissen und ihr dichtes Netzwerk einfließen, und sorgt dadurch maßgeblich für Entlastung der ohnehin mit einem breiten Spektrum an Zuständigkeiten „versorgten“ Gemeindeverantwortlichen.

Weil Heinz Hofstaetters Palette an Inhalten und Angeboten für Gemeindevertreter*innen, welche ja nicht zwingend mit Finanz-Background ausgestattet sein müssen, in ihrer Vielfalt möglicherweise nicht flächendeckend ganz leicht zu fassen ist, haben wir uns zur Produktion des Service-Podcasts FRC On Air entschlossen. Dort erklärt Heinz Hofstaetter griffig, was sein Unternehmen für eine stetig wachsende Anzahl von Partner-Kommunen leistet.

Spannend – auch und grad für mich, der ja selbst nicht zwingend unter die Finanzierungsexperten zu zählen ist …

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Podcast-Projekt RAUSGEHEN

Erdacht vom so kreativen und dabei bemerkenswert handlungsstarken Geschäftsführer der Niederösterreichischen Bergbahnen und Macher des Podcasts PISTENKILOMETER, Mag. Markus Redl, wurde die Idee für einen, quasi „im Gehen“ produzierten Podcast bei einem After-Sports-Bierchen verfeinert und ein paar Monate später online gebracht. Das Konzept: Die blaugelbe Bergwelt als für sehr viele sehr nahe gelegenes Dorado für große und kleine Abenteuer und Traumort für Menschen mit dem Sinn fürs Schöne und Gute akustisch erlebbar zu machen.

Live in der Erlebnisarena St. Corona am Wechsel

Meine „partners in crime“ waren und sind dabei Seilbahnverantwortliche bzw. echte Insider*innen aus jenen Gegenden, wo die NÖ-Bergbahnen und ihre Partnerbetriebe technische Aufstiegshilfen auf die lässigsten Berge in Österreichs größtem Bundesland unterhalten. Diese Auskenner*innen führen mich auf unterhaltsame Weise durch ihre wirklich fantastisch vielfältigen und großartig erholsamen Paradiese und erzählen dabei nicht selten regionale Details und Anekdoten, die Sie eher in keinem Reiseführer finden werden. Auch für mich, als eigentlich alpin durchaus schon immer hochaktiven Journalisten mit Hang zu genussvollen Erlebnissen jeder Spielart, ist vieles davon ganz neu, manches tatsächlich verblüffend und wirklich alles sehr unterhaltsam. So wie die gesamte Arbeit an RAUSGEHEN, das mir zu einer wahren Herzensangelegenheit geworden ist. Fazit: Ein wunderschönes Projekt für einen wirklich coolen Kunden! Aber hören Sie bitte selbst:

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Die fantastische Titelmusik dieses Podcasts stammt übrigens von „Mr. Beat4Feet“ Werner Stranka und die feinen Podcast- und Episoden-Logos kommen aus dem Büro Bauer. Das technische Finish übernimmt Folge für Folge Martin Fülöp.

Stillstand der Dinge

Man hatte sich schon daran gewöhnt. Deutlich mehr als 50 Millionen Euro Gesamtwertschöpfung generierte die Wiener Wirtschaft in den letzten Jahren jeweils aus dem erstmals 1984 ausgetragenen Vienna City Marathon. Die Tempohatz über die klassische Marathon-Distanz und weitere Bewerbe im Rahmen des längst zum Highlight in den internationalen Laufkalendern gereiften Events lockte alljährlich im April gut 40.000 Teilnehmer*innen samt Begleitung in die Stadt. Allein die Wiener Beherbergungsbetriebe bejubelten in den Tagen rund ums große Krabbeln über Hauptallee, Wienzeile und Ringstraße meist mehr als 80.000 Nächtigungen – und der Handel stimmte vollmundig mit ein. Heuer bleibt es still an der Strecke, genau wie in den Souvenierläden, Restaurants oder Sport-Stores. Auch der für 19. April angesetzte Wien-Marathon wurde richtigerweise im Zuge der Maßnahmen zur Eindämmung des Corona-Virus abgesagt.

Nur ein drastisches Beispiel von vielen aus dem heimischen Sport, dessen Veranstaltungen nur auf den ersten Blick wie verzichtbare Streichresultate wirken. Fehlen werden nämlich nicht nur Einnahmen aus touristisch relevanten, aber nun gefährdeten beziehungsweise bereits abgesagten Marathons, Ironman-Triathlons, Radrennen oder Fußball-Länderspielen. Nein, neben finanziellen Verlusten, welche die Liga-Stopps, Wettkampfabsagen und/oder Vereinsschließungen auch „kleineren“ Sportarten wie Eishockey, Handball, Basketball, Volleyball aber auch Schwimmen oder Leichtathletik bringen, wird dazu die rot-weiß-rote Wohlstandsgesellschaft schwere Tiefschläge einstecken müssen. So bewegen sich fast 80 Prozent der österreichischen Kinder unter 14 deutlich zu wenig und sehen deshalb gravierenden Folgeerscheinungen wie Fettleibigkeit, Fehlstellungen des Bewegungsapparats, Herz-Kreislauferkrankungen oder aber auch Konzentrations- und Lernstörungen entgegen.

Um Kids die nachweislich positiven Effekte von Bewegung und Sport schmackhafter zu machen, braucht es neben aktiven Eltern und motivierten Lehrkörpern oft zusätzlich niederschwelliges Mit- und Gegeneinander eben im Verein und in der passenden Liga. Und es braucht greifbare Vorbilder, denen speziell Kinder und Jugendliche live oder vor dem Bildschirm die Daumen drücken und hinterher aktiv nacheifern können. Fehlen diese, sinkt häufig die emotionale Beteiligung und damit die Leidenschaft fürs eigene Tun. Wer im zurückliegenden, von Corona ebenfalls gekappten Ski-Weltcup-Winter versucht hat, sich mit seinen Kindern einen Riesenslalom ohne den ja abgetretenen Marcel Hirscher anzuschauen, weiß, was gemeint ist.

Die Folgen von Corona sind weitreichend. Genau übrigens wie die mangelnder Motivation zur Bewegung in der Generation Z sind weitreichend, die künftigen Reha-Kosten für unser Gesundheitssystem mittelfristig in Wahrheit nicht zu stemmen. Und ja, natürlich wird der heimische Handel ebenfalls leiden. Dann nämlich, wenn sündteure Sneakers ausschließlich nur mehr unterm Flatscreen verstunken, aber nicht mehr am Sportplatz zerrissen werden. Es ist also in jeder Hinsicht wichtig, dass die Dinge schon bald wieder ins Laufen kommen können …

Photo by sporlab on Unsplash

Unsere Sportplätze

Wenn ich „Am Sportplatz“ sage, dann meine ich durchaus auch vier unserer lässigsten „Freizeit-Zentren“. Wer sich fürs eigene Sporteln zum Beispiel in und um Wien, im oberen Waldviertel oder in der Steiermark inspirieren lassen will, der kann sich mit der kleinen Diaschau unten einen Gusto holen oder sich via folgender Links virtuell auf unsere Fährte machen #moveit:

Sportcenter Donaucity

1.SVg Gmünd

UTC Rot-Weiß Bisamberg

BSFZ Schielleiten

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Wien-Liebe geht durch die Ohren

Mein Job als „Grätzlcaster“ im Wien-Team der Kleinen Zeitung ist in Bälde getan und hat mir unvergessliche Begegnungen beschert – danke für die Chance dazu! Bühnen- und TV-Stars ließen genauso persönlich mit sich reden, wie die „Echten“ aus Musik, Fotokunst, der hohen Diplomatie und natürlich aus dem Sport. Kleines Namedropping gefällig? Willi Resetarits, Claudia Kottal, Günter Bresnik, Manuel Rubey, Paulus Manker, Alex Peya, Franzobel und viele mehr. 

Wer die Grätzlcast-Gespräche mit diesen illustren Gästen, unter anderem auch über das Leben und Lieben in ihren Heimatbezirken, gerne nachhören will, kann dies auf allen relevanten Podcast-Plattformen tun. Zum Beispiel hier:

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Ausdrücklich empfehlen möchte ich außerdem die Formate „Popcast by Kleine Zeitung“ von Ambra Schuster und Andreas Terlers lässiges „Startgespräch“ – ebenfalls zu finden überall, wo es Podcasts gibt.

Und fix vorgenommen habe ich mir, dass ich sämtliche Beisltipps meiner lieben Gäste höchstpersönlich abklappern werde. Wenn mich jemand begleiten will, weiß er, wie ich zu erreichen bin 😉

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Spanische Städte weiter als Wien

Mein nachfolgendes Interview ist zuerst vor dem Internationalen Tag der Menschen mit Behinderung (3.12.2019) im Newsletter der Kleinen Zeitung Wien.memo erschienen.        Gratis zu abonnieren hier

Der Verein Bizeps unterstützt Menschen mit Behinderung dabei, sich ein möglichst selbstbestimmtes Leben zu organisieren. Zum morgigen Aktionstag sprechen wir mit Bizeps-Vorstand Markus Ladstätter über Wiener Barrieren aller Art.

Morgen findet im Parlament eine Mitarbeiter*innenschulung für den Umgang mit Menschen mit Behinderung statt. Dazu sollen Selbsterfahrungsübungen sensibilisieren. Wie sehen Sie derartige Aktionen?
MARKUS LADSTÄTTER: Sie setzen das Zeichen „Hallo, Menschen mit Behinderung sind auch Teil der Gesellschaft“. Schulungen können helfen, Berührungsängste abzubauen. Leute in einen Rollstuhl zu setzen und eine Rampe rauf und runter fahren zu lassen, halte ich hingegen für grenzwertig. Die Realität lässt sich dabei nicht nachempfinden. Wenn man im Rollstuhl sitzt, geht es um physische und gesellschaftliche Barrieren. Und um die Langzeitaussichten.

Wie steht es in Wien mit dem Bewusstsein um die Bedürfnisse?
Bei den baulichen Barrieren hat sich in den letzten Jahren durchaus einiges getan. Vor meiner Matura im Jahr 2001 konnte ich z.B. noch keinen Bus verwenden und deshalb nicht eigenständig zur Schule fahren. Bald danach sind dann die Busse mit Rampen ausgestattet worden. Das Bewusstsein der Leute hat sich sicher ebenfalls geändert. Auch weil Menschen mit Behinderung heute medial viel präsenter sind. Gefühlt ist man aber etwa in spanischen Städten weiter.

Wie viel würde z. B. ein gemeinsamer Schulalltag beitragen?
Leider sind immer noch sehr viele behinderte Kinder nicht in Regelschulen. Dabei gibt es seit 2008 die UN-Behindertenrechtskonvention, die ja de facto die Abschaffung von Sonderschulen fordert. Trotzdem bestehen weiterhin zwei großteils komplett getrennte Systeme. Die Kinder sind separiert, lernen sich nicht kennen. Letztlich entsteht auch keine Chancengleichheit in Sachen Bildung. Dass es jemand aus der Sonderschule bis an die Uni schafft, ist deshalb ganz selten.

Wie weit ist Wien sonst in Sachen Barrierefreiheit?
Leider hört man immer noch „Muss wirklich alles barrierefrei sein?“. Bei Um- und Neubauten bestätigen manche Architekten auf Plänen die Barrierefreiheit, in der Realität fehlen dann aber nicht selten die Rampen – baupolizeilich kontrolliert wird da nicht immer. Außerdem hat sich die Stadt Wien die Übergangsfrist für das Behindertengleichstellungsgesetz von 2006, das u.a. die verpflichtende Barrierefreiheit von öffentlichen Gebäuden vorsieht, von 2016 auf 2042 verlängert.

Neuralgisch ist der Öffi-Verkehr. Wie kommen Sie im Rollstuhl durch Wien?
Unterschiedlich. Die Busse sind eben barrierefrei. Bei der Bim sieht man via App, wann eine der modernen Garnituren einfährt, in die man reinkommt. Schwierig ist es in der U-Bahn. Die alten Züge, also mehr als die Hälfte, passen meist nicht zur Höhe und zum Abstand der Bahnsteige. Man kann deshalb nicht reinfahren und muss auf einen der neuen Züge warten. Im Gegensatz zur Straßenbahn lässt sich aber nicht feststellen, ob ein alter oder ein neuer kommt. Angeblich ist das technisch noch nicht möglich. Die Dauer einer Fahrt lässt sich so nicht wirklich planen.

Barrierefreiheit und Bildung – was ist Ihnen zum Gesprächsfinale noch wichtig?
Chancengleichheit am Arbeitsmarkt! Es darf nicht sein, dass man nach einer Bewerbung mit gleicher Qualifikation von einem Vorstellungstermin wieder ausgeladen wird, wenn eine Behinderung zur Sprache kommt. Dazu sind die Ausgleichszahlungen, die Betriebe leisten müssen, wenn sie keine Behinderten beschäftigen, deutlich zu gering. Und man soll die Mitarbeiter*innen in den Behindertenwerkstätten, deren Erzeugnisse verkauft werden, ordentlich anstellen.

Zum Verein Bizeps

Der Wiener Grant? International anerkannt

Mein nachfolgender Kommentar ist erstmals im Newsletter der Kleinen Zeitung Wien.memo erschienen. Gratis zu abonnieren hier

Die Wirtschaftsagentur der Stadt hat bereits vor Jahren einen Expat Club gegründet, um niederschwelliges Networking zu unterstützen. Dazu legt man einen Expat Guide mit Infos zum Leben in Wien auf. Und was tun die Expats, also aus dem Ausland von ihren Arbeitgebern in Österreichs Hauptstadt Entsandte? Sie voten Wien hinter Paris und Kuwait zur drittunfreundlichsten Metropole am Planeten!

Dies zeigt das auf der Befragung von 20.000 Personen basierende „Expat City Ranking 2019“ der Plattform InterNations. 45 Prozent der Umfrageteilnehmer plagen sich demnach, hier Freundschaften zu schließen (Platz 60 unter 82 erfassten Städten). 38 Prozent finden, dass Wiener*innen Expats gegenüber unfreundlich sind. Der legendäre Wiener Grant existiert also auch nach Meinung der Expats. Aber warum trifft er gerade sie? Und woher rührt er grundsätzlich?

Hier ein höchst subjektiver Versuch einer Beantwortung. Nirgends in Österreich leben bekanntlich mehr Menschen auf einem Fleck wie in Wien. Logisch, dass sich unter beinahe 2 Millionen auch verhältnismäßig viele temporär Unzufriedene finden. Mögliche Auslöser für akuten wie chronischen und typischerweise mit Sarkasmus gewürzten Missmut liegen auf der Hand: unbefriedigende, oft alternativlose Job- oder Wohnverhältnisse, Stress durch die permanente Geräuschkulisse der Großstadt, überfüllte Öffis am Arbeitsweg, Staus, extreme Hitze. eiskalter Wind, und so weiter.

Leidet man unter all dem und sitzt dazu an exponierter Stelle, kann man durchaus zum Frust-Multiplikator mutieren. Viele Expats wiederum bleiben gerade am Beginn ihrer Auslandskarrieren beruflich wie privat oft unter sich. Kontakte außerhalb der eigenen Blase sind selten. Bricht dann in Begegnungszonen wie der Supermarktkassa, der U-Bahn, am Amt oder im Kaffeehaus der Wiener Grant durch, kann plötzlich eine zweite Gruppe von Multiplikatoren entstehen und dem Image einer Stadt Schrammen zufügen. Selbst, wenn es die lebenswerteste der Welt ist …

Anmerkung: Der in der Studie enthaltene Hinweis, dass viele Expats mangelnde Sprachkenntnisse als zu hohe Hürde empfinden, lässt befürchten, dass ihnen die humorige Seite des Grantelns leider verborgen bleibt. Vielleicht können wir da helfen.

Vision contra Aggression

Mein nachfolgender Artikel erschien erstmals im Newsletter der Kleinen Zeitung Wien.memo.       Gratis zu abonnieren hier

85 Prozent des Personals der neun Spitäler des Wiener Krankenanstaltsverbunds (KAV) gaben zuletzt bei einer Befragung an, sich schon einmal durch aggressives Verhalten von Patient*innen oder deren Angehörigen bedroht gefühlt zu haben. Befeuert wurde dieses Unbehagen wohl auch durch die Messerattacke auf einen Arzt im Juli im Favoritner Franz-Josef-Spital. Im Ordensspital der Barmherzigen Brüder in der Leopoldstadt wiederum gab dieser Vorfall den finalen Anstoß sich dem Thema „Aggression im Krankenhaus“ systematisch anzunehmen.

„Zwar sind wir auch durch die Arbeit unserer Krisenmanagerin und des intensiv geschulten Personals vor Gröberem verschont geblieben, aber das war ein echtes Warnsignal“, sagt Nikola Tanjga. Als Data-Scientist des Hauses zählt er zu den treibenden Kräften hinter jenem Prozess, den man kürzlich angestoßen hat, um das Aggressionspotenzial im 1614 gegründeten und heute 400 Betten starken Krankenhaus möglichst tief zu halten. Dafür bediente man sich der eigentlich für die Wirtschaft entwickelten Lead-User-Methode.

Mithilfe dieser zogen die Projektverantwortlichen nun das Substrat aus den mehrtägig diskutierten Idealvisionen (siehe Skizze) einer typischen Nutzergruppe aus 16 freiwilligen, teils spitalsfremden Personen. Diese bestand aus Patient*innen, Pflegerexpert*innen, einer Psychologin aus dem AKH und fünf Mitarbeiter*innen des Hauses. In Kleingruppen aufgeteilt, pitchte man am Ende des Prozesses für ein konkretes Maßnahmenpaket.

In dessen Zentrum steht die gefühlte Verkürzung der Wartezeit in den Ambulanzen. Diese beträgt im Schnitt 30 Minuten, kann sich, je nach Behandlung, aber auch auf vier Stunden auswachsen. Ein Instrument dazu ist die „virtuelle Warteschlange“. Man zieht eine Nummer, die dann bei der Anmeldung am Schalter in den jeweiligen Namen umgewandelt wird, welcher zusammen mit der wahrscheinlichen Wartezeit auf den überall am Areal verteilten Displays aufscheint. Außerdem wird mit Farbmarkierungen die Dringlichkeit der Behandlung sichtbar gemacht, um Verständnis für eine möglicherweise gestürzte Aufrufreihenfolge zu generieren.

Außerdem soll auf zusätzlichen Bildschirmen unter anderem Infotainment geboten werden. Und Ermunterungen, bereits vor der ärztlichen Untersuchung Selbstanamnäse zu betreiben, um dann etwa die Krankengeschichte vollständig parat zu haben. Onkologie-Patient*innen, die häufig mehrere Ambulanz-Stationen durchlaufen, werden zudem mit einer Art Vibrationswecker ausgestattet, um sich vor dem tatsächlichen Termin stressfreier und auch in den begrünten Innenhof oder in zu schaffende Ruhezonen bewegen zu können. Außerdem wird man künftig seine individuelle Befindlichkeit an „Happy-or-not“-Terminals kundtun können.

Eine wichtige Rolle nehmen künftig zudem „Feel-Good“-Manager*innen ein. Ein Job, den z.B. Brüder des Betreiberordens und Ehrenamtliche erledigen könnten. Letztere will man laut Nikola Tanjga aus dem Kreis einst gut betreuter Patient*innen rekrutieren: „Sie werden aktiv auf die Leute in den Wartebereichen zugehen und deren Bedürfnisse einsammeln. Im Idealfall befriedigen sie auch zumindest teilweise den vielfach Wunsch zu reden. Letzteres streckt nämlich oft die durchschnittliche Behandlungszeit von 15 auf 30 Minuten.“ Erste Ergebnisse erhofft man sich bei den Barmherzigen Brüder spätestens im kommenden Sommer.