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Ihnen fehlen die Worte? Kein Problem, nehmen Sie meine.

Meine Facebook-Regeln für mich.

Ganz normal ist das nicht, das mit den „sozialen“ Netzwerken. Durchaus vernunftbegabte und, nach gängigen Maßstäben gemessen, einigermaßen intelligente Menschen entwickeln etwa im Facebook beachtlich verhaltensoriginelle Aktivitätsmuster.
Im übrigen Alltag mittlerweile erfreulich uninteressiert an fahrigen Klopfern auf die Schulter, bejubelt man sich hier diebisch für jeden erhobenen Daumen und der damit quasi unterzeichneten Zustimmungserklärung zu eigenen Gedanken. So ist man nah dran, in die Eitelkeitsfalle zu tappen oder, andersrum, sich negative Reaktionen zu nah zu Herzen zu nehmen.

All das ist mir schon passiert. Trotzdem finde ich das Phänomen Facebook faszinierend aber um ohne Gesichtsverlust vor mir und meinen Liebsten dabei bleiben zu dürfen, brauche ich offenbar Regeln. Here we go:

– Smart ist, wenn ich die öffentliche Äußerung ausschließlich zur geistigen Erleichterung nutze und meinetwegen ab und an als Statement zur eigenen Daseinsposition.
– Fein ist, wenn ich es schaffe, Fotos als Ausdruck von Freude und gern auch manchmal als jenen von Stolz bzw. als Unterhaltungsquell für wissende Friends herzuzeigen – und nicht nur wegen ein paar Likes mehr.
– Richtig ist, wenn ich die eigene Zustimmung erst nach kurzer Reflexion mit dem eigenen Gewissen, Gehirn und Geschmack signalisiere und nicht im Schwung der Gruppendynamik oder um potenziellen return of investment zu generieren.
– Und ideal ist, wenn ich meine Freundesliste so sauber halte, dass ich im Netz nicht plötzlich willig mit jenen Fischen zapple, welche ich draußen nie im selben Teich aushalten würde.

Fazit: Nur wenn ich es schaffe, mich permanent an die oben für mich fixierten Regeln zu halten, kann ich es mir selber gegenüber verantworten, zu bleiben. Ansonsten muss ich mich schleichen und für „sozial“ gescheitert erklären.

Bitte mir also künftig auf die Pfoten zu hauen, wenn ich gegen die eigenen Gesetze verstoße….

Mein kompaktes Batzerl Olympiasenf

Sotschi? Ganz offensichtlich gigantomanisch durchgeknallt! Putin? Nach intensivem Studium der Materie wohl auch ohne persönliche Bekanntschaft problemlos als menschenverachtend und machtgeil einzustufen!

Aber: Wer bei den Interviews von Dominik Landertinger, Matthias Mayer und Nicole Hosp ein bissi was von dieser tiefen Freude, dieses offenbar überwältigenden Glücksgefühls mitbekommen hat – und jetzt bitte nicht mit „alles unreflektierte Sportskanonen“ kommen – der kriegt eine Ahnung, wieviel für die eigentlichen Protagonisten tatsächlich am Spiel steht. Kommt mir grad bei Sotschi und diesmal aus der Ferne vielleicht noch intensiver vor als bei den bisherigen Spielen in meinem Beobachtungszeitraum. Fazit: Ich gönne allen Aktiven bei Olympia und den folgenden Paralympics die Chance selbst in Sotschi ihre Träume zu leben!

Für den Rest gilt mein „bescheidener“ Olympiatraum: Möge der globale Aufschrei nicht ungehört verklingen, sondern vielleicht wenigstens bei künftigen Vergaben mitschwingen…

Mehr rausholen als jemals drinnen war

Was sind das für Leut‘? Wer ist verzweifelt genug, ernsthaft zu versuchen, als „sportlich“ Beteiligter ein oder mehrere Fußballspiele zu manipulieren? Nun, auf der einen Seite haben wir die nimmersatten, gierigen Typen, deren Ansprüche mit den einige Zeit steigenden Gagen geklettert sind, aber diese sich im Aushauchen der Karriere nicht mehr normalisieren konnten. So weit, so logisch – Geld macht halt manche blinder als Liebe.
Aber dann gibt es eben noch die anderen. Jene, die Opfer heimtückischer Einflüsterer geworden sind. Irgendwann noch junge Fußballer also, die auf den eigenen Größenwahn und/oder auf scheinbar wohlmeinende Mitesser gehört und deshalb bar tatsächlicher Möglichkeiten von der ganz großen und damit endversorgenden Karriere geträumt haben. Wenn du dir, häufig bestärkt von „Förderern“, lange genug einredest, dass du in Wahrheit um nix schlechter bist, als der Messi – oder, noch verführerischer weil näherliegend, als der Alaba – und es deshalb einfach verdient hast, genauso reich zu werden, aber halt jetzt, verhindert durch sture Eltern, blöde Verletzungen, blinde Scouts oder ein in China umgefallenes Radl, in irgendeinem schattigen österreichischen Graben statt im gleißenden Flutlicht der Champions League kickst, dann brauchst irgendwann Alternativen.
Manche, die erkennen, dass doch das Talent für Höheres fehlt, satteln beruflich tatsächlich via zweiten Bildungsweg um. Andere wiederum werden vom System „Profifußball“ einfach ausgespuckt – direkt in den reißenden Sozialstrudel nach unten.
Und dann haben wir aktuell eben noch jene, die aus einer Mischung aus Trotz, Dummheit und Gier versuchen, die ihnen von so vielen im Umfeld versprochene große Kohle oder wenigstens einen Teil davon auf andere Art heim zu holen. Fatales Frustfinale: Meist gelingt aber grad denen nicht einmal das absichtliche Elferfoul. Und falls doch, ist dann offenbar gar nicht selten der Schütze ein Bruder im Geiste. Oder der Tormann. Oder sie werden ertappt.
Mein Fazit: Selbst dort, wo viel zu wenig Fußball rauskommt, wird viel zu viel Marie hinein geredet. Gefährlich, weil Geld ja manche bekanntlich blinder macht als Liebe.

Die voraussichtlichen Opfer des Sendeplans von ORF Sport+ 2014 – Behindertensportler, Schulkinder, Frauen, Handball, Volleyball

Die voraussichtlichen Opfer des Sendeplans von ORF Sport+ 2014 - Behindertensportler, Schulkinder, Frauen, Handball, Volleyball

Eben Einblick in den Sendeplan des Spartensenders „Sport“ im ORF bekommen – siehe Foto – und dazu einen Sideletter mit den im kommenden Jahr vom Sparstift betroffenen Disziplinen eingesehen. Voraussichtlich trifft es also nicht nur den Behinderten- und Schulsport (Magazine dem Vernehmen nach gestrichen), nein beispielsweise muss angeblich auch der Frauenfußball dran glauben – also gleich einmal alles was nicht nur aus sportlicher sondern auch soziologischer und volksgesundheitlicher Sicht sinnvoll war. Immerhin, Integration war eh nie ein Thema drum wird es auch nicht gekürzt oder gestrichen. ebenfalls unter den kolportierten Opfern: Volleyball und Handball.

Insgesamt ergibt der 24-Stundenplan dann täglich, jeweils beginnend um 2 Uhr, folgendes Layout (Foto):
2 bis 5: Wiederholung Freitag
5 bis 8: WH Donnerstag
8 bis 11: WH Sonntag
11 bis 14: WH Samstag
14 bis 17: WH Freitag
17 bis 20: WH Donnerstag
20 bis 23: ERSTSENDUNG MONTAG!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!
23 bis 2: WH Sonntag

Das kann sich also eindeutig nur um ein längst verworfenes Konzept handeln, oder?

Die forsche Forderung nach Förderung

Man merkt’s grad am prall gefüllten Maileingangsordner, wie die heimischen Sport-Cluster nun sukzessive draufkommen, dass der Sport in den immerhin  doch bis Weihnachten anberaumten Koalitionsgesprächen maximal die Rolle des Wunschzettelschreibers spielen wird  dürfen. Da stapeln sich Absichtserklärungen und Zukunftskonzepte mit Versprechen und Beschwerden. Da fließt der prophylaktische Angstschweiß davor, dass die insgesamt mehr als 200 Millionen Euro Fördergelder aus Bundes- und Landeskassen künftig an die Richtigen und nicht an die Besten verteilt werden könnten. Oder umgekehrt. Oder, noch schlimmer, an die anderen.

Sapperlot, wozu hat man sich da jahrzehntelang bis runter zum kleinste Platzwart politisch vernetzt, wenn sich die „Großparteien“ jetzt gar nicht kümmern, ja am End‘ den Sport wieder einfach auf irgendein Wald-und-Wiesen-Ressort draufpicken statt ihm endlich ein eigenes Ringstraßen-Palais mit ausreichend Limousinen-Stellplätzen – dem Vernehmen nach, ist im viel zu kleinen Haus des Sports unweit des Wiener Schwarzenbergplatzes weder drinnen noch draußen ausreichend Raum fürs Visionieren  bzw. Parkieren – zu verehren?

Aber woher die Panik? Daher, dass der Sport in Österreich, ungelogen eins der reichsten Länder am Globus, praktisch seit Ende des  1. Weltkrieges zum allergrößten Teil ein Produkt öffentlicher Basis- ja Hauptfinanzierung ist und Generationen von Funktionären und Verbands- wie Vereinsmanager keinen anderen Plan haben, vom Amtsantritt weg jährlich ausschließlich Förderanträge zur Aufrechterhaltung des Betriebes auszufüllen.

Was in Nachkriegs- und Wiederaufbauzeiten noch würdig und Recht war, scheint  heute zu wenig. Wo sind die Ideen der  Verantwortlichen, ihre Sportart derart attraktiv zu präsentieren  und kompetent zu repräsentieren, dass sich die nichtstaatlichen Sponsorentöpfe weiter öffnen? Wo ist die Bereitschaft einiger Athleten zu realisieren, dass sie für die Wahl von Beruf und und Berufung in aller erster Linie einmal selber veranwortlich sind und nicht  jeder vergossene Schweißtropfen das Blut Christi für jeden einzelnen einer ganze Nation und deshalb zwingend opulent förderungswürdig  ist?

Um Missverständnissen vorzugreifen: Ich bin nicht für die Abschaffung der öffentlichen Sportfördertöpfe. Aber ich bin für erzieherische Maßnahmen, welche Verbände mit sanftem Druck in die Moderne zu surfen lassen und nur gezielt supporten, wenn sie einen merklichen Teil ihres Budgets selbst aufbringen. Wer im Spitzensport künftig nicht gewillt ist, sein Schicksal zumindest mit einer Pranke selbst anzupacken, dem gehören die Gelder noch massiver dorthin verschoben, wo sie sowieso am besten aufgehoben wären – in den Kinder- und Jugendsport.

Außerdem bin ich dafür, jungen Sportlern kraftvoll einzuimpfen, dass zugesprochene Fördersummen nicht als Selbstverständlichkeit, ja als Pflichtprogramm zu sehen sind, sondern (unabhängig von der Höhe UND den Beträgen, die andere kassieren) als Startkapital, Auszeichnung und Ermunterung. Wichtig dabei: REALISMUS. Wären den Österreichern im Kollektiv wirklich sämtliche, im Sport erbrachte Leistungen derart wichtig, wie den Akteuren verständlicherweise selbst, und würden sie sich nach Medaillen „ihrer“ Athleten tatsächlich schneller, höher und stärker fühlen. Dann, ja dann gäbe es wahrscheinlich kein Gejammer um jeden einzelnen Fördernetsch. Dann hätt die Politik das Gefühl, was Richtiges zu tun, wenn sie Geld in den Sport pumpt und dann würden sich auch die Sponsoren aus der  echten Welt um die besten Plätze auf den Leiberln von Athleten egal welcher Disziplin raufen.

So ist es aber nicht. Leider oder Gott sei Dank. Österreich geht es nämlich vergleichsweise hervorragend. Dem Volk müssen weder Brote noch Spiele geschenkt werden, um es von der Revolution abzuhalten und international erbrachte, sportliche Erfolge überhöhen das Selbstwertgefühl nur einiger weniger Österreicher. Der größere Rest ist mit sich selbst bzw. dem im Berufs- oder Familienleben erreichten zufrieden. Über rot-weiß-rote Siege freut man sich, kommt aber in Wahrheit die eine oder andere Olympiade auch ohne aus. Wohlstand und Leistungsfähigkeit in anderen Bereichen düngen zwar nachweislich den Boden für Sport als mehr oder weniger exklusiven Freizeitvertreib, lassen aber vielfach die Äcker des weltweit beklatschten Ruhms brach liegen.

Wozu die Nacht gut ist

Bevor es jetzt dann doch hell wird, schnell zu dem, wofür der lichtschwächere Tagesteil eigentlich weniger gut oder gar nicht taugt.

– Sex: Wenn er sich zu ausgeruhter Stunde ergibt, ist die Chance auf harmonisch verteilte Leidenschaft größer, weil nicht immer einer in Wahrheit zu müde ist. Tennisspielen geht auch keiner um Mitternacht. Für die Erfüllung eines etwaigen Kinderwunsches dürfte die Uhrzeit eine eher untergeordnete Rolle spielen.
– Arbeit: Wer tagsüber schon geschuftet hat und dann auch noch regelmäßig nächtens ran muss, macht was falsch oder wird vom Dienstgeber verarscht. Logische Ausnahmen: Berufe, die Schichtbetrieb erfordern und jene, die zusätzlich angenommen werden müssen, weil ein Job allein zum Leben nicht mehr reicht.
– Trinken: Weil sich ein paar Glaserln mehr doch störender auf den Folgetag auswirken, als wenn man diese noch in der Dämmerung hebt.
– Reden: Siehe Sex.
– Radfahren: Weil man Nachts eher von Autos angefahren wird.
– Autofahren: Weil man Nachts eher Radfahrer anfährt. Gänzlich unbeleuchtete Fußgänger sowieso.
– Tennisspielen: Weil man draußen vielfach weder Ball, noch Netz noch Linien geschweige denn Partner oder gar Gegner sieht und sich für drinnen ab einer gewissen Stunde (22 Uhr) sowieso kaum weder der eine noch der andere auftreiben lässt.

Was können sie dann also so Besonderes tun für uns, die dunkelsten Stunden? Die Antwort ist einfach: Sie bringen uns Zeit mit uns selbst. Wer gelernt hat, mit dem Mangel an Talent zum Durchschlafen ruhigen Herzens zu leben, statt dran zu verzweifeln, kann Genüsse ernten, die dem Schlafenden verwehrt sind.
Wer etwa dem ruhigen Atem seines geliebten Partners folgen und diesen vertrauten Takt aufnehmen kann, darf eine Innigkeit, einen Gleichklang wahrnehmen, der im zerorganisierten Alltag meist kakophonisch zerhackt wird. Denkt man aber mit diesem wohligen Soundtrack im Ohr nach über Problemberge, welche sich Stunden zuvor noch in himalayischer Höhe vor einem aufgetürmt hatten, so spaziert das Hirn Nachts oft einfach im Messner-Modus drüber.
Wer jemals sein schlafendes Kind beobachtet hat, wird einen Frieden und eine Liebe spüren, die tagsüber beide nicht selten von der eigenen Unzufriedenheit und Ungeduld gefiltert und gestört werden. Vorauseilende Sorge wird dann von ungetrübter Vorfreude aufs Aufwachen und Losplappern der Lendenfrucht verblasen.
Und was für ein Genuss ist es, im Dunkeln noch einmal in seinen alten Lieblingsfilm oder aber auch in einen noch gänzlich neuen zu kippen? Wie genau hört man hin, wenn man sich der Musik wirklich ungestört hingeben darf – ohne schlechtem Gewissen, anderen entweder die eigene Geräuschkulisse überzustülpen oder sich per Kopfhörer asozial abzukoppeln? Um wie viel mehr liest man aus einem Buch, von einem Bildschirm, wenn er der einzig helle Fleck im Dunkeln ist?

Die Antwort auf all diese Fragen ist wie schon gesagt einfach: Es ist die Nacht, die unserem Selbst jene Trainingszeit schenkt, welche es manchmal braucht, um nicht zu erschlaffen unter dem permanenten Druck, zu funktionieren. Die Nacht gehört einem ganz allein und wer versteht, sie lauter zu nutzen, dem ist dies von niemandem zu verübeln.

Wie geht eigentlich Präsident*in?

Auch aus der eigenen Genese heraus liegen mir etwa Athlet*innen näher am Herzen als „deren“ jeweilige Funktionärsgilde. Eine Kategorisierung der bundesweit höchsten Repräsentant*innen ihrer Sportart traue ich mich trotzdem anzustellen. Vielleicht wird’s für geneigte Leser*innen ja auch eine kleine Stütze in der Beurteilung, wer dem Sport wirklich was bringt und wer sich nur auf lichter Höhe der VIP-Tribüne im edelmetallischen Abglanz seines transpirierenden Bodenpersonals sonnt.

Oberstes und leicht nachvollziehbares Kriterium in meiner persönlichen Bewertungsmethodik ist der öffentliche Zustand zur Planung und Sicherung der Zukunft. Wie geht man mit dem aktuellen Nachwuchs um, wie versucht man künftigen zu generieren und – wichtig – wen will man dafür hauptsächlich zahlen lassen? Wenn ein Präsident oder, leider deutlich seltener, eine Präsidentin gleich nach der Wahl zuerst Bund und dann Land um eine Erhöhung der Fördermittel ansudert statt ein schlüssiges, gemischt finanziertes Konzept für die Optimierung des sportlichen Outputs vorzulegen, dann hat man einen/eine vom altösterreichischen Schlag vor sich und kann ihn/sie als Auslaufmodell wieder abhaken. Kommt aber jemand, die oder der es versteht, den eigenen wirtschaftlichen/sportlichen/politischen Erfolg oder gar eine weithin unumstrittenene menschliche Integrität dazu zu nutzen, um die jeweilige Disziplin endlich aus der Rolle des antiquierten Fördernehmers raus- und in jene des fortschrittlichen, aus kreativ aber ehrlich lukrierten Sponsorgeldern und öffentlichen Zuwendungen befeuerten Vorzeigeverbands reinzuholen, dann sollt‘ man gut zuhören. Weil dann spricht jemand, der kapiert hat, dass die Interessen eines einzelnen Bevölkerungssegments nicht zur Belästigung oder Belastung für alle anderen werden dürfen.

Trotzdem ist die Mittelbeschaffung nur eine von vier nötigen Kernkompetenzen eines Präsidiums. Dazu kommen noch echte, kommunizierbare Begeisterung fürs Thema, solides Fachwissen und die Gabe, den Populismus intelligentem Realismus zu opfern, um Probleme wirklich an der Wurzel packen zu können. Obwohl ich die Antwort zu kennen glaube, würd‘ mich interessieren, ob es beispielsweise tatsächlich der allerorts medial herbeigejammerte, oft sündteure Bau von zusätzlichen Tartanbahnen, 50-Meter-Becken, Gymnastikhallen, Schnitzelgruben etc. ist, der Gold regnen lässt, oder aber doch die gezielte Investition in die, auch nach internationalen Maßstäben gehaltvolle Aus- und Weiterbildung von Trainer*innen. Von echten Fachleuten, die ihr bestehendes oder künftig vielleicht sogar höheres Gehalt wert sein und für ihre Arbeit mit den Jungen und den Vielversprechenden von den weltweit Besten lernen wollen.

Wo sind sie also, die Entscheidungsträger*innen, die es verstehen, aus bekömmlichen Zutaten wie Eloquenz, Integrität und Kreativität einen Cocktail zu mixen, der für den Sport und seine Fans wie ein belebender Energy-Drink statt wie jenes benebelnde Gesöff wirkt, das ungebrochen vielerorts serviert wird? Ob sie tatsächlich grad an den Rudern des Sports sitzen, könnte man gerne anhand des oben skizzierten Jobprofils beurteilen. Ich persönlich kenne nur wenige Exemplare dieser eigentlich schützenswerten Art. Für zweckdienliche Hinweise zur Erweiterung dieser exotischen Menagerie bin ich zu jeder Zeit dankbar.

Bauch oben

Jetzt hamma den Salat. Bis Mitte der 1990er Jahre vegetierte der durch wenige konkurrenzfähige Einzelphänomene zu rechtfertigende „Verband Österreichischer Schwimmvereine“ im selbstgewählten Randsportstatus dahin. Bis, ja bis die zufällige Koexistenz von mehreren Individual-Könnern (Draxler, Lischka, Podoprigora, Rogan, Zahrl, Jukic, Nadarajah,Jukic, etc.)  den so beschaulich dahin tümpelnden VÖS vor ein bislang ungekanntes Problem stellte: Wie sollte man erklären,  dass all die Finalplätze und Medaillen irgendwie auch als Resultat der Verbandsarbeit zu werten seien und nicht nur als die gerechte Ernte für Athleten und Trainer, welch beidhändig die Leidenschaft für ihren Sport gesät haben? Lang machte man es „richtig“. Verzichtete ab und an darauf, die eigenen Aushängeschilder zu behindern und wurde dafür auch nicht wegen der einen oder anderen mitreisenden Funktionärsgefährtin angepisst. Aber dann kam plötzlich Kohle. Echte Sponsorkohle wohlgemerkt, und nicht nur jene aus den öffentlichen Fördertöpfen. Geldmittel, bei deren Handling es dem damals wie heute greisenhaft agierenden Funktionärsstamm, dem so „stabil“ besetzten Generalsekretariat samt seiner sportlichen Verantwortlichen aber auch vielen Trainern und Athleten schlicht an Geschick fehlte. Woher sollte man plötzlich wissen, wie mit Sponsorverträgen, Branding, Persönlichkeitsrechten, wetteifernden Ausrüstern und ähnlichen Dingen umzugehen ist, wenn es  jahrzehntelang gereicht hat, die Aktiven mit Limits und Nichtentsendungsdrohungen unter Kontrolle zu behalten.
Dass man auf Geld in einem Sport, der ewig als Sinnbild der Askese und des fast nackten Willens galt, nicht vorbereitet war, illustriert eine meiner Lieblingsbeobachtungen. Vor gut zehn Jahren schien der Schwimmverband – heute ja OSV mit O – einig mit einem prominenten Teamsponsor. Gleichermaßen flink wie stolz ließ man Sporttaschen und Bekleidung mit dessen rosa Schriftzug beflocken. Im letzten Moment scheiterte der Deal mit der Schnittenmanufaktur allerdings und der bis heute Nibelungen treue Verbandsunterstützer durfte zum Spartarif einspringen. Immerhin ließ man knapp vorm damals anstehenden Großereignis die in vorauseilendem Gehorsam produzierten Accessories gschwind mit den Logos des fürderhin so geduldigen Großbäckers überkleben. Aber schon am Airport des Zielortes war der Pick vielfach ab und bis heute kursieren nicht nur Fotos von rot-weiß-roten Schwimmstars, die darauf brav rosa und gelb tragen. Wie bitte sollte ein derartiges Krisenmanagment denn mit Dingen wie Protesten um Goldmedaillen, rassistischen Beschimpfungen, Disco-Prügel, Doping-Prozessen, Suspendierungen, der Androhung einer gewaltsamen Erweiterung des Darmausgangs oder gar Erfolglosigkeit im Pool – dies nur die öffentlich zugänglichen Lach- und Sachgeschichten- umgehen können?
Nivellieren tut – wie so oft im Sport – die Stoppuhr. Und die läuft im österreichischen Schwimmsport leider rückwärts. Aber vielleicht tut es der Schwimmerei eh gut, wenn nicht mehr das durch Nachwuchs- und andere -Limitgeschenke „größte Team aller Zeiten“ zu Großereignissen reist wie unter dem nunmehr vorvorigen Präsidenten sondern irgendwann wieder ein richtig gutes.
Was es dazu braucht? Funktionäre, denen es um Substanzielleres geht, als ums Geflenne um öffentliche Fördermittel und Fernreisen in Gesellschaft schöner, junger Menschen geht. Trainer, die nicht nur von ihren Stärken und angeblicher Geringschätzung erzählen sondern auch selbstkritisch und effizient an ihren Defiziten arbeiten wollen. Athleten, welche ihr Heil nicht in Ausreden und Gejammere sondern in echter Initiative und aktivem Mitdenken bei der Entwicklung ihrer Karriere suchen. Sollte sich in absehbarer Zeit ein derartiges Dreamteam von zusammenfinden, dann könnt man sein Kind ob dieser Symbolik sogar wieder zum Schwimmen schicken. Heute und wohl leider auch in näherer Zukunft ist dies allerdings keine realistische Option. Von vielen fetten Karpfen ist der Teich nämlich trübe geworden. Und zwar so trübe, dass jetzt sogar das BZÖ im Schwimmverband fischen möcht: http://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20130805_OTS0012/bzoe-petzner-forciert-aufklaerung-ueber-malversationen-und-misswirtschaft-im-oesterreichischen-schwimmverband. Gibt es ein deutlicheres Armutszeugnis?