Archiv der Kategorie: Sport & Gesellschaft

König Fußball vs. Sankt Stephanus

Den Stefanitag begeht man in den Commonwealth-Staaten als Boxing Day. Ein Name, den der zweite Weihnachtsfeiertag trägt, weil an diesem einst die Bediensteten reicher englischer Familien ihre Geschenke (“boxes”) erhielten. Heute steht der Boxing Day vor allem für eines: Premier-League-Fußball! Mittlerweile schätzt man nicht nur die Abwechslung zur vielzelebrierten, familiären Völlerei aber längst nicht nur in Britanniens Stadien, sondern dazu vor den Bildschirmen der meisten Sports Bars und Pubs auf diesem Planeten.
Auch in Wien kann man jenen Tag, an dem heuer neun der zehn möglichen Premier-League-Partien steigen, stilecht begehen. Eine klassische Spielstätte für Fernsehsportler*innen ist das Hawidere im 15. Bezirk. Dort gibt’s z.B. zu Manchester United vs. Newcastle (Anpfiff: 18:30 Uhr) und zu Leicester vs. Liverpool (21 Uhr) feine Burger und gleich 15 offene Biersorten aus aller Welt. Reservierung empfohlen.
Eine weitere Top-Adresse, speziell für Fans des FC Liverpool, ist das Red Lion im Dritten. Dort checkt selbst Großbritanniens Botschafter Leigh Turner regelmäßig ein, wie er in seiner Grätzlcast-Folge (reinhören) verrät. By the way: Auch im Red Lion könnt’ es am 26. eng werden. Viel Platz, auch für große Runden, bietet Europas größte Sports Bar, die Admiral Arena Prater. Ein echtes Highlight dort ist der tatsächlich 42 m2 große Hauptscreen.
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Gimme Five, Kronprinz!

Mit dem Antreten im noblen Country Club von Monte Carlo beginnt Dominic Thiem seine heuer fünfteilige Sandplatzkampagne. Dem Gastspiel im Fürstentum folgen Trips nach Barcelona, wo Papa Wolfgang erstmals den Touringcoach geben wird, und danach – wohl wieder und auch unter den Augen von Nico Massu – Madrid, Rom (Foto unten) und, als Höhepunkt, Paris, wohin Österreichs Top-5-Mann immerhin als Vorjahresfinalist zurückkehrt. Gründe genug, um mir Thiems bisherige Karrierebilanz in dieser Handvoll Sandplatz-Metropolen genauer anzusehen.

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Österreich braucht den Spitzensport doch

In einem früheren Beitrag bin ich dem Spitzensport von der provokant-nüchternen Seite an die Funktionswäsche gegangen. Meine These: Österreich braucht keine sportlichen Höchstleistungen, um sich als Nation wohlzufühlen. Es passt das Allermeiste. Wir müssen keine landesweiten Notstände durch Fanchoräle wegjubeln oder uns mit Medaillenglanz als strahlender Global Player verkleiden. Uns geht es gut genug, ja besser, als den allermeisten am Planeten (Hier die zitierte Story). Warum der Welt also ausgerechnet sportlich im großen Stil einen Haxen ausreißen?

Zwei Motive, Bewegung in ihrer High-End-Spielart aber trotzdem auch hierzulande ein Sportplatzerl an der Sonne zuzuweisen, möchte ich aus dem so rot-weiß-roten Themenblock „Za wos brauch‘ ma des“ herausmeißeln.

Eins davon ist, dass Österreich unter anderem deshalb so gut dasteht, weil uns die Welt in ihrem Urlaub mittlerweile ganzjährig und immer lieber die Tür einrennt. Etwa 16 Prozent des Bruttoinlandprodukts generiert die Tourismus- und Freizeitbranche, dabei werden deutlich über 20 Milliarden Euro Umsatz erwirtschaftet (Quelle: Statistik Austria, Bezugsjahr 2017). Und keinen kleinen Anteil davon schöpfen wiederum sportliche Großveranstaltungen ins Topferl. Stark frequentierte Publikumsveranstaltungen von globaler Wirksamkeit wie Motorsportevents, Skirennen, Turnierklassiker in Tennis und Beachvolleyball oder immer wieder im Land ausgetragene Großveranstaltungen locken zusammen hunderttausende Fans an. Dazu hält der internationale Sportexpress hierzulande auch an traditionsreichen Mitmachstationen wie gleich mehreren, beliebten Marathons, Triathlons oder Jedermann-Radrennen. Da wie dort misst sich der Amateursport mit dem professionellen – und gemeinsam lässt man die Kassen im heimischen Fremdenverkehr genauso klingeln wie im Handel.

Mindestens gleich wichtig erscheint mir der Spitzensport zweitens als plakative Werbefläche für etwas, das in Österreichs nicht und nicht einen allseits akzeptierten Status erreicht – Sport und Bewegung als möglicherweise die Querschnittsmaterie schlechthin. S & B als hochwirksames Tool in Sachen Volksgesundheit und speziell der Kindergesundheit, als Instrument der Gleichstellung, der Integration, der Inklusion und der Disversität. Und, ebenfalls längst nachgewiesen, als Treibmittel für die Hirnentwicklung- und erhaltung (mehr Infos dazu finden Sie hier). Ein deutliches Plus an Relevanz würde Österreich hier unter anderem dabei helfen, im Oberstübchen zeitgemäß möbliert, lernfähiger und damit fitter für die Zukunft zu werden.

Das alles kapiert man aber nicht und überlässt den Sport gesellschaftspolitisch weitgehend sich selbst. Nachhaltig kluge Kooperationen zwischen Ministerien sind trotz der vielen Benefits nicht Usus sondern nachgerade exotische Ausnahmen. Verhandlungen, beispielsweise um Initiativen wie die „Tägliche Bewegungseinheit“ an unseren Schulen, ziehen sich länger hin als die Amtszeiten von gleich drei, wahrscheinlich vier Sportministern. Und breite, österreichweit ergriffene Maßnahmen zur Elternbildung gibt’s praktisch gar nicht. Die Folge: Aus übergewichtigen, bewegungsunerfahrenen und sport- wie teamgeistlosen Kids werden übergewichtige, bewegungsungsunerfahrene und sport- wie teamgeistlose Erzeuger einer weiteren Generation von Couch Potatos.

Als immer rarere Ausnahmen federn die Kinder durchs Land, deren Eltern es verstanden haben, sie mit dem Funken der Begeisterung fürs Schweißtreibende anzuheizen und ihrem Nachwuchs bis zu einem gewissen Grad selbst mit gutem Beispiel voran gehen. Und wenn das dann nimmer reicht, dann hat eben der österreichische Spitzensport einige wirklich zugkräftige Vorbilder im Talon – für Youngsters, die im Sport ehrgeizige Ziele verfolgen, genau wie für jene, die sich von Virtuosität und Coolness der Idole zu nix mehr als genussvoll-spielerischer Bewegung inspirieren lassen wollen.

Dafür braucht Österreich, und grad Österreich, auch den Spitzensport. Die Frage ist nur, wie lange dieser das ihm meinerseits hier Abverlangte noch halbwegs leisten kann, wenn ihm durch die Ignoranz und die Trägheit einer Gesellschaft und ihrer Systeme immer öfter der Nachwuchs wegbleibt. Denn der alte Spruch „eine hohe Spitze braucht eine breite Basis“ stimmt natürlich.

Was auch heißt, dass die Politik mehr, ja eigentlich etwas ganz anderes tun muss, als sich im Abglanz der immer seltener ergatterten Medaillen zu sonnen. Sie sollte alles mobilisieren, um Sport & Bewegung zum Teil der Identität einer Nation werden zu lassen. Zum Standardprogramm wie die Untersuchungen und Impfungen im Mutter-Kind-Pass, zum gleich selbstverständlichen und freudvoll ansetzbaren Erziehungswerkzeug für Eltern und zum allseits anerkannten Hauptfach für die Pädagogik.

Und ist das alles dann geschafft, dann klappt’s mit dem Edelmetall ganz von selber. Hysterisch verordnete Sofortmaßnahmen per Finanzgießkanne werden obsolet und Österreich mittelfristig, zu all dem anderweitig Erreichten, auch noch eine topfitte Sportnation …

 

 

 

 

 

motion4kids: Was in dem Kastl drinnen ist, ist wichtig

Für die großartig Initiative motion4kids, die unseren Kindern moderne Wege zu mehr Bewegung und deren so positiven Nebeneffekten ebnet, durfte ich ein Interview mit meiner klugen Frau Judith Draxler-Hutter führen. Griffig erklärt sie, was Sport und Bewegung den Kids noch so alles bringt außer Muckis. Gesucht sind bei motion4kids innovative Projekte für eine fitte Zukunft der Erwachsenen von morgen

Hier geht’s zum Interview

Österreich braucht keinen Spitzensport

Wozu auch. Wir müssen der Welt nicht ständig beweisen, dass wir die die Nummer 1 sind wie die USA, Russland, China und immer auch noch ein bisserl die Briten.

Es treibt uns im Sport kein historisch gewachsenes Nachbarschaftsduell an wie die Deutschen und die Franzosen.

Auch Brot und Spiele habe wir nicht nötig – ganz im Gegensatz zu weiten Teilen von Südeuropa oder Südamerika. Dort lenken Medaillen von wirtschaftlichen und sozialpolitischen Problemen ab.

Für uns sind sportliche Spitzenleistungen auch nicht der einzige Weg zu Wohlstand und Status, wie für ungebrochen viele Menschen in Ost- und Südosteuropa oder Afrika.

Und als kompaktes, netto zahlendes und zentral gelegenes Vollmitglied der EU muss Österreich sich und dem Test der Welt auch nicht ständig beweisen, dass man es selbst als alleinstehender Kleiner an die Spitze schaffen kann, so wie die Schweiz oder Norwegen das in unseren Breiten zelebrieren oder etwa Neuseeland in Ozeanien.

Dass es bei uns im Sport also in Wahrheit nie um irgendetwas Weltbewegendes geht, ist eigentlich ein gutes Zeichen für eine Nation, die auch ohne haufenweise eroberte Sommersportmedaillen oder Pokale bei den wichtigsten Ballsporturnieren als eines der reichsten Länder der Welt dasteht.

Für Großtaten im Sport tatsächlich das letzte Hemd und noch mehr zu geben, ist hierzulande deshalb nur etwas für ein paar Hände voll durchgeknallter Bewegungsextremisten. Oder vielleicht doch nicht? Antwort folgt.

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Ein Outing zur Silberhochzeit mit einer Berufung: Als damals noch sehr jungem Mann wäre mir vor 25 Jahren ganz fix das Selbstvertrauen ausgegangen, meinen heutigen Beruf zu ergreifen, wenn ich nicht selber ein paar Bällchen geworfen, gefangen oder geschlagen hätte. Wenn ich nicht zahllose Berge hinaufgestiegen und wieder hinunter gebrettert wäre. Und wenn ich nicht auf die Erfahrung hätte zurück greifen können, schon so manches Fahrzeug muskulär oder motorisiert ums Eck gebogen zu haben oder Millionen von Schritte getrabt oder gesprintet zu sein. Auch das Wissen, Menschen erfolgreich dabei assistieren zu können, ihr sportliches Hobby überhaupt zu beginnen oder noch freudvoller auszuüben, bestärkte mich Anfang 1993 für meine erste, ausführlichere Sportgeschichte ein Honorar zu verlangen. Das Thema: Österreichs Quertreibernachwuchs bei der Jänner-Rallye. Das Medium: Das Kundenmagazin einer bekannten Automarke. Die Gage: 600 Schilling für 9000 Zeichen. Im Oktober 1993 folgte dann der erste fixere Job als „echter“ Journalist. Der Rest ist Geschichte(n) …

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Mutter des Erfolgs

Ihre Söhne Andy und Jamie hat die zierliche Schottin eigenhändig in die Weltklasse gehievt. Nun will Judy Murray auch Britanniens Tennisdamen mit erlesenem Nachwuchs versorgen. Mir hat die scheinbar eiserne Lady  von ihrem Leben zwischen Träumen, Tragödien und Triumphen erzählt.

„Dragon Mom“ wird sie in den etwas blumigeren Boulevard-Stories genannt, in anderen einfach nur als „verbissen“ oder „überehrgeizig“ abgestempelt, wenn sie mit geballten Fäusten und gefletschten Zähnen in den Tennisarenen dieser Welt gesichtet wird. Fix ist, dass Judy Murray (56) ihren beiden Söhnen Andy und Jamie den Weg in die Weltklasse quasi im Alleingang geebnet hat. Andy, 28 und im Vorjahr etwa Sieger der Erste-Bank-Open in der Wiener Stadthalle aber auch schon Olympionike, Triumphator bei den US-Open und 2013 Großbritanniens erste Wimbledon-Champion im Einzel seit 1936 (!), bildet mit Roger Federer, Novak Djokovic und Rafael Nadal seit Jahren die „Big Four“ im Welttennis. Der zwei Jahre ältere Jamie wiederum zählt konstant zu den besten Doppelspielern der Welt.

Mutterherz, was willst du mehr, könnt‘ man fragen, aber wer, wie wir, die drahtige Schottin aus dem 9000-Seelen-Städtchen Dunblane persönlich treffen darf, dem wird schnell klar, dass Lorbeeren nicht ihr bevorzugtes Ruhekissen sind. In den frühen 1970er Jahren selbst Schottlands beste Tennisspielerin, entscheidet sich die Fußballer-Tochter mit 17 für eine Profilaufbahn, gibt das Tourleben aber nach heftigen Heimwehattacken und einem Schlüsselerlebnis als Raubopfer in der City von Barcelona schnell wieder auf. Daheim in Dunblane nimmt Judy zunächst einen Job als Hilfstrainerin im örtlichen Tennisklub an und begeistert dort die Volksschulkids für ihren Sport.  Bald reist sie mit ihren Schützlingen quer durchs tennistechnisch dünn besiedelte Schottland: „Damals gab es im ganzen Land nur vier Tennishallen. Bei unserem üblen Wetter ein großer Nachteil. Ich selber habe im Winter kaum Tennis gespielt sondern mich mit Badminton fit gehalten.“

Dass dann knapp nach 1990 der Wohnzimmerteppich zum Court und die Couch zum Netz umfunktioniert werden, resultiert aus dem sehr früh erkennbaren Talent von Judys älterem Sohn Jamie, den sie 1986, nach sechs Jahren Ehe mit Kioskketten-Manager Willie Murray, auf die Welt bringt. Und bald nach seinen ersten Schritten geigt dann schon der 15 Monate jüngere Andy mit. Die polysportiven Spielereien mit den lieben Kleinen bilden allerdings eher die Ausnahme, die Regel sind Turnierreisen und Coachings oft bis spät in die Nacht. Die Erziehung der eigenen Kinder ist im Hause Murray deshalb zunächst größtenteils Männersache – bis die Buben selbst unter die Besten des Landes vorstoßen und mit ihrer Cheftrainerin und Mutter auf Tour gehen. Zunächst nur durch Schottland, bald durch ganz Großbritannien.

Noch bevor Jamie und Andy dazu das europäische Festland und letztlich auch die größten Nachwuchsturniere auf der ganzen Welt erobern können, beschert der März des Jahres 1996 ihrer Familie ein dramatisches Schlüsselerlebnis. Nur mit sehr viel Glück, unter dem Tisch des Direktors versteckt, entrinnen die Buben dem so fatalen Amoklauf des Pfadfinderführers Thomas Hamilton, der 16 Pennäler und deren Lehrerin erschießt. Ein Vorfall, für den sich Andy Murray in seiner 2008 erschienen Biografie „als damals zu jung, um ihn in seiner vollen Tragweite zu realisieren“ bezeichnete, der allerdings seiner Mutter einen tiefsitzenden Schock beschert: „Ich habe die Nachricht über einen Vorfall in der Schule im Radio gehört, bin hin gerast und habe dort nach bangen Stunden mitbekommen, dass sich die Eltern einer bestimmten Klasse zusammenfinden sollen. Lange habe ich mich sehr schlecht gefühlt, weil ich gedacht habe, Gott sei Dank, meine Jungs sind in Sicherheit.“

Sicher ist, dass dieses traumatische Ereignis die Murray-Brothers noch deutlich dichter mit ihrer Mutter verschweißt – auch über deren Trennung von Vater Willie im selben Jahr hinaus. Was danach folgt, ist mittlerweile britische Sportgeschichte. Judy Murray coacht ihre Söhne mitten in die Jugend- und Juniorenweltklasse. Sie ermöglicht dem Älteren, dessen Erfolge im Einzel zusehends rarer werden, die Konzentration aufs Doppel und lässt ihn unter Aufbietung sämtlicher Finanzreserven der Familie bei einem teuren Spezialtrainer in den Niederlanden üben. Der Jüngere wiederum wird bereits mit 14 und nicht nur von seiner Mutter als Ausnahmetalent mit Top-10-Potenzial identifiziert. Endgültig den Groschen schmeißt beim hoch aufgeschossenen Lockenkopf Andy dann ein Gespräch mit dem gleichaltrigen Rafael Nadal während eines Turniers in Spanien. „Er hat mich damals in sehr trotzigem Ton angerufen und mir erklärt, dass Rafa längst auf die Schule pfeift und auf Mallorca jeden Tag des Jahres bei bestem Wetter intensiv trainiert statt im schottischen Regen zu stehen“, erinnert sich Judy Murray im Gespräch mit dem Sportmagazin anlässlich einer Trainerfortbildung des Österreichischen Tennisverbandes. Logisch, dass sie damals alle Hebel in Bewegung setzt, um den Filius in einer spanischen Topakademie unterzubringen. Das harte Ganzjahrestraining mit gleichwertigen Partnern trägt dralle Früchte, Judy zieht sich vom Posten der Trainerin auf jenen der wichtigsten Beraterin ihrer Söhne zurück und reist als solche seit damals mit ihnen um die Welt.

Kann Judy Murray übriges wegen ihres 2011 angetretenen Hauptjobs als britische Federations-Cup-Kapitänin oder als Schirmherrin ihrer auf Mädchen zwischen fünf und acht zugeschnittenen  Nachwuchsinitiative „Miss Hits“ nicht in der Box von Andy oder Jamie Platz nehmen, schaut sie auch nicht im Fernsehen zu: „Es macht mich zu nervös, nicht wenigstens anfeuern zu können. Daheim lenke ich mich dann mit etwas ab, das ich gar nicht mag – Geschirr spülen und aufräumen.“ Selbst Aufzeichnungen gibt sie sich nur, wenn es Videos von Siegen sind: „Alles andere lass ich mir von ihnen am Telefon erklären.“

Aber nicht nur als Analytikerin sondern auch als Ratgeberin ist Judy unersetzlich. Nachdem etwa Andys prominenter Erfolgscoach Ivan Lendl, einst selbst lange Nummer 1, keinen Bock mehr aufs ewige Herumreisen hat, rät sie ihrem Sohn – mittlerweile vielfacher Preisgeld- und Werbemillionär , Frankreichs einstige Starspielerin Amelie Mauresmo als Trainerin zu verpflichten: „Mit Ivan hat Andy den eisernen Erfolgswillen verinnerlicht, Amelie wiederum hat sein Spiel kreativer gemacht. Außerdem ist ihre tolle Zusammenarbeit ein wunderbares Signal im Sinne der Gleichberechtigung.“ Auch mit der Frau an der privaten Seite von Andy Murray ist sie als Schwiegermutter hochzufrieden. Seit letztem April ist ihr „Kleiner“ mit Kim, der Tochter des englischen Starttrainers Nigel Sears verheiratet.

Und Judy Murray selbst? Die lebt seit 2005, nach bereits acht Jahren der Trennung, von Willie Murray geschieden, beendet im Vorjahr auch ihre langjährige Beziehung zu einem ehemaligen Badminton-Profi. Gerüchte über einen neuen Mann in ihrem Leben dementiert sie beharrlich. Fix scheint, dass es wohl kein Tet-a-tet mit ihrem Profi-Partner bei der heuer ausgestrahlten Staffel von „Strictly Come Dancing“ – Anton du Beke gegeben hat. Dieser hat die Tanzkünste der hölzern wirkenden Tennistrainerin Tage tatsächlich mit „She was s**t!“ beschrieben. Viel charmanter versteht es da die Geschmähte selbst, ihre Kompliment ein die Öffentlichkeit zu streuen. Via Twitter tut sie schon vor Jahren ihre Vorliebe für den spanischen Tennisfeschak und Konkurrenten ihres Sohnes Andy, Feliciano Lopez, kund und postet „Ooooooooh Deliciano ….. looking good out there, as always“. Ein Tweet, der ihr damals zwar eine öffentliche Rüge des Sohnemanns („Das ist ekelhaft!“) einbringt, aber den größeren Teil ihrer weiblichen Follower endgültig sicher macht: Diese Frau versteht wirklich was vom Tennis …

* Die Story basiert auf einem Gespräch im Oktober 2015 im Rahmen der nunmehrigen „Upper Austria Ladies“ 

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Das Hirscher-Paket

beeindruckendst, mit welcher qualität marcel hirscher liefert und liefert. aber was liefert er eigentlich? meiner meinung nach das optimale ausrüstungspackage für spitzensportliche exzellenz. hier eine grobe inhaltsvermutung mit stand 18. februar 2018:

> physische eignung und das wissen/gefühl für deren nutzung, optimierung und erhaltung

> frühkindlich vermittelte bewegungsfreude

> konzentrationsfähigkeit in mentalen ausnahmezuständen

> das vermögen, unterschiedlichst dimensionierte regenerationsfenster bestmöglich zu nutzen

> lust und ehrgeiz, lebenslang aber auch kurzfristig und situationsreflexiv zu lernen – gern auch von den konkurrenten

> die gabe, ausgehend vom elterlichen basislager ein menschlich und fachlich maximal passendes umfeld zu kreieren, welches hilft, tatsächlich alle leistungsbildenden faktoren richtung perfektion zu treiben

> die kompromisslosigkeit, sich alles für den erfolg nötige auch wirklich zu nehmen

> erstaunliche hartnäckigkeit beim akribischen abhobeln von hürden unterschiedlicher höhe

> erfahrung

> smarte selbstironie als erklärungstool für teils unerklärliches

> wachsamkeit

> dankbarkeit und achtsamkeit für alles genannte und sicher noch einiges mehr

respekt also, herr doppelolympionike (stand, wie gesagt, 18.2.)

Mein kompaktes Batzerl Olympiasenf

Sotschi? Ganz offensichtlich gigantomanisch durchgeknallt! Putin? Nach intensivem Studium der Materie wohl auch ohne persönliche Bekanntschaft problemlos als menschenverachtend und machtgeil einzustufen!

Aber: Wer bei den Interviews von Dominik Landertinger, Matthias Mayer und Nicole Hosp ein bissi was von dieser tiefen Freude, dieses offenbar überwältigenden Glücksgefühls mitbekommen hat – und jetzt bitte nicht mit „alles unreflektierte Sportskanonen“ kommen – der kriegt eine Ahnung, wieviel für die eigentlichen Protagonisten tatsächlich am Spiel steht. Kommt mir grad bei Sotschi und diesmal aus der Ferne vielleicht noch intensiver vor als bei den bisherigen Spielen in meinem Beobachtungszeitraum. Fazit: Ich gönne allen Aktiven bei Olympia und den folgenden Paralympics die Chance selbst in Sotschi ihre Träume zu leben!

Für den Rest gilt mein „bescheidener“ Olympiatraum: Möge der globale Aufschrei nicht ungehört verklingen, sondern vielleicht wenigstens bei künftigen Vergaben mitschwingen…