Archiv der Kategorie: Sport & Gesellschaft

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Ein Outing zur Silberhochzeit mit einer Berufung: Als damals noch sehr jungem Mann wäre mir vor 25 Jahren ganz fix das Selbstvertrauen ausgegangen, meinen heutigen Beruf zu ergreifen, wenn ich nicht selber ein paar Bällchen geworfen, gefangen oder geschlagen hätte. Wenn ich nicht zahllose Berge hinaufgestiegen und wieder hinunter gebrettert wäre. Und wenn ich nicht auf die Erfahrung hätte zurück greifen können, schon so manches Fahrzeug muskulär oder motorisiert ums Eck gebogen zu haben oder Millionen von Schritte getrabt oder gesprintet zu sein. Auch das Wissen, Menschen erfolgreich dabei assistieren zu können, ihr sportliches Hobby überhaupt zu beginnen oder noch freudvoller auszuüben, bestärkte mich Anfang 1993 für meine erste, ausführlichere Sportgeschichte ein Honorar zu verlangen. Das Thema: Österreichs Quertreibernachwuchs bei der Jänner-Rallye. Das Medium: Das Kundenmagazin einer bekannten Automarke. Die Gage: 600 Schilling für 9000 Zeichen. Im Oktober 1993 folgte dann der erste fixere Job als „echter“ Journalist. Der Rest ist Geschichte(n) …

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Mutter des Erfolgs

Ihre Söhne Andy und Jamie hat die zierliche Schottin eigenhändig in die Weltklasse gehievt. Nun will Judy Murray auch Britanniens Tennisdamen mit erlesenem Nachwuchs versorgen. Mir hat die scheinbar eiserne Lady  von ihrem Leben zwischen Träumen, Tragödien und Triumphen erzählt.

„Dragon Mom“ wird sie in den etwas blumigeren Boulevard-Stories genannt, in anderen einfach nur als „verbissen“ oder „überehrgeizig“ abgestempelt, wenn sie mit geballten Fäusten und gefletschten Zähnen in den Tennisarenen dieser Welt gesichtet wird. Fix ist, dass Judy Murray (56) ihren beiden Söhnen Andy und Jamie den Weg in die Weltklasse quasi im Alleingang geebnet hat. Andy, 28 und im Vorjahr etwa Sieger der Erste-Bank-Open in der Wiener Stadthalle aber auch schon Olympionike, Triumphator bei den US-Open und 2013 Großbritanniens erste Wimbledon-Champion im Einzel seit 1936 (!), bildet mit Roger Federer, Novak Djokovic und Rafael Nadal seit Jahren die „Big Four“ im Welttennis. Der zwei Jahre ältere Jamie wiederum zählt konstant zu den besten Doppelspielern der Welt.

Mutterherz, was willst du mehr, könnt‘ man fragen, aber wer, wie wir, die drahtige Schottin aus dem 9000-Seelen-Städtchen Dunblane persönlich treffen darf, dem wird schnell klar, dass Lorbeeren nicht ihr bevorzugtes Ruhekissen sind. In den frühen 1970er Jahren selbst Schottlands beste Tennisspielerin, entscheidet sich die Fußballer-Tochter mit 17 für eine Profilaufbahn, gibt das Tourleben aber nach heftigen Heimwehattacken und einem Schlüsselerlebnis als Raubopfer in der City von Barcelona schnell wieder auf. Daheim in Dunblane nimmt Judy zunächst einen Job als Hilfstrainerin im örtlichen Tennisklub an und begeistert dort die Volksschulkids für ihren Sport.  Bald reist sie mit ihren Schützlingen quer durchs tennistechnisch dünn besiedelte Schottland: „Damals gab es im ganzen Land nur vier Tennishallen. Bei unserem üblen Wetter ein großer Nachteil. Ich selber habe im Winter kaum Tennis gespielt sondern mich mit Badminton fit gehalten.“

Dass dann knapp nach 1990 der Wohnzimmerteppich zum Court und die Couch zum Netz umfunktioniert werden, resultiert aus dem sehr früh erkennbaren Talent von Judys älterem Sohn Jamie, den sie 1986, nach sechs Jahren Ehe mit Kioskketten-Manager Willie Murray, auf die Welt bringt. Und bald nach seinen ersten Schritten geigt dann schon der 15 Monate jüngere Andy mit. Die polysportiven Spielereien mit den lieben Kleinen bilden allerdings eher die Ausnahme, die Regel sind Turnierreisen und Coachings oft bis spät in die Nacht. Die Erziehung der eigenen Kinder ist im Hause Murray deshalb zunächst größtenteils Männersache – bis die Buben selbst unter die Besten des Landes vorstoßen und mit ihrer Cheftrainerin und Mutter auf Tour gehen. Zunächst nur durch Schottland, bald durch ganz Großbritannien.

Noch bevor Jamie und Andy dazu das europäische Festland und letztlich auch die größten Nachwuchsturniere auf der ganzen Welt erobern können, beschert der März des Jahres 1996 ihrer Familie ein dramatisches Schlüsselerlebnis. Nur mit sehr viel Glück, unter dem Tisch des Direktors versteckt, entrinnen die Buben dem so fatalen Amoklauf des Pfadfinderführers Thomas Hamilton, der 16 Pennäler und deren Lehrerin erschießt. Ein Vorfall, für den sich Andy Murray in seiner 2008 erschienen Biografie „als damals zu jung, um ihn in seiner vollen Tragweite zu realisieren“ bezeichnete, der allerdings seiner Mutter einen tiefsitzenden Schock beschert: „Ich habe die Nachricht über einen Vorfall in der Schule im Radio gehört, bin hin gerast und habe dort nach bangen Stunden mitbekommen, dass sich die Eltern einer bestimmten Klasse zusammenfinden sollen. Lange habe ich mich sehr schlecht gefühlt, weil ich gedacht habe, Gott sei Dank, meine Jungs sind in Sicherheit.“

Sicher ist, dass dieses traumatische Ereignis die Murray-Brothers noch deutlich dichter mit ihrer Mutter verschweißt – auch über deren Trennung von Vater Willie im selben Jahr hinaus. Was danach folgt, ist mittlerweile britische Sportgeschichte. Judy Murray coacht ihre Söhne mitten in die Jugend- und Juniorenweltklasse. Sie ermöglicht dem Älteren, dessen Erfolge im Einzel zusehends rarer werden, die Konzentration aufs Doppel und lässt ihn unter Aufbietung sämtlicher Finanzreserven der Familie bei einem teuren Spezialtrainer in den Niederlanden üben. Der Jüngere wiederum wird bereits mit 14 und nicht nur von seiner Mutter als Ausnahmetalent mit Top-10-Potenzial identifiziert. Endgültig den Groschen schmeißt beim hoch aufgeschossenen Lockenkopf Andy dann ein Gespräch mit dem gleichaltrigen Rafael Nadal während eines Turniers in Spanien. „Er hat mich damals in sehr trotzigem Ton angerufen und mir erklärt, dass Rafa längst auf die Schule pfeift und auf Mallorca jeden Tag des Jahres bei bestem Wetter intensiv trainiert statt im schottischen Regen zu stehen“, erinnert sich Judy Murray im Gespräch mit dem Sportmagazin anlässlich einer Trainerfortbildung des Österreichischen Tennisverbandes. Logisch, dass sie damals alle Hebel in Bewegung setzt, um den Filius in einer spanischen Topakademie unterzubringen. Das harte Ganzjahrestraining mit gleichwertigen Partnern trägt dralle Früchte, Judy zieht sich vom Posten der Trainerin auf jenen der wichtigsten Beraterin ihrer Söhne zurück und reist als solche seit damals mit ihnen um die Welt.

Kann Judy Murray übriges wegen ihres 2011 angetretenen Hauptjobs als britische Federations-Cup-Kapitänin oder als Schirmherrin ihrer auf Mädchen zwischen fünf und acht zugeschnittenen  Nachwuchsinitiative „Miss Hits“ nicht in der Box von Andy oder Jamie Platz nehmen, schaut sie auch nicht im Fernsehen zu: „Es macht mich zu nervös, nicht wenigstens anfeuern zu können. Daheim lenke ich mich dann mit etwas ab, das ich gar nicht mag – Geschirr spülen und aufräumen.“ Selbst Aufzeichnungen gibt sie sich nur, wenn es Videos von Siegen sind: „Alles andere lass ich mir von ihnen am Telefon erklären.“

Aber nicht nur als Analytikerin sondern auch als Ratgeberin ist Judy unersetzlich. Nachdem etwa Andys prominenter Erfolgscoach Ivan Lendl, einst selbst lange Nummer 1, keinen Bock mehr aufs ewige Herumreisen hat, rät sie ihrem Sohn – mittlerweile vielfacher Preisgeld- und Werbemillionär , Frankreichs einstige Starspielerin Amelie Mauresmo als Trainerin zu verpflichten: „Mit Ivan hat Andy den eisernen Erfolgswillen verinnerlicht, Amelie wiederum hat sein Spiel kreativer gemacht. Außerdem ist ihre tolle Zusammenarbeit ein wunderbares Signal im Sinne der Gleichberechtigung.“ Auch mit der Frau an der privaten Seite von Andy Murray ist sie als Schwiegermutter hochzufrieden. Seit letztem April ist ihr „Kleiner“ mit Kim, der Tochter des englischen Starttrainers Nigel Sears verheiratet.

Und Judy Murray selbst? Die lebt seit 2005, nach bereits acht Jahren der Trennung, von Willie Murray geschieden, beendet im Vorjahr auch ihre langjährige Beziehung zu einem ehemaligen Badminton-Profi. Gerüchte über einen neuen Mann in ihrem Leben dementiert sie beharrlich. Fix scheint, dass es wohl kein Tet-a-tet mit ihrem Profi-Partner bei der heuer ausgestrahlten Staffel von „Strictly Come Dancing“ – Anton du Beke gegeben hat. Dieser hat die Tanzkünste der hölzern wirkenden Tennistrainerin Tage tatsächlich mit „She was s**t!“ beschrieben. Viel charmanter versteht es da die Geschmähte selbst, ihre Kompliment ein die Öffentlichkeit zu streuen. Via Twitter tut sie schon vor Jahren ihre Vorliebe für den spanischen Tennisfeschak und Konkurrenten ihres Sohnes Andy, Feliciano Lopez, kund und postet „Ooooooooh Deliciano ….. looking good out there, as always“. Ein Tweet, der ihr damals zwar eine öffentliche Rüge des Sohnemanns („Das ist ekelhaft!“) einbringt, aber den größeren Teil ihrer weiblichen Follower endgültig sicher macht: Diese Frau versteht wirklich was vom Tennis …

* Die Story basiert auf einem Gespräch im Oktober 2015 im Rahmen der nunmehrigen „Upper Austria Ladies“ 

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Das Hirscher-Paket

beeindruckendst, mit welcher qualität marcel hirscher liefert und liefert. aber was liefert er eigentlich? meiner meinung nach das optimale ausrüstungspackage für spitzensportliche exzellenz. hier eine grobe inhaltsvermutung mit stand 18. februar 2018:

> physische eignung und das wissen/gefühl für deren nutzung, optimierung und erhaltung

> frühkindlich vermittelte bewegungsfreude

> konzentrationsfähigkeit in mentalen ausnahmezuständen

> das vermögen, unterschiedlichst dimensionierte regenerationsfenster bestmöglich zu nutzen

> lust und ehrgeiz, lebenslang aber auch kurzfristig und situationsreflexiv zu lernen – gern auch von den konkurrenten

> die gabe, ausgehend vom elterlichen basislager ein menschlich und fachlich maximal passendes umfeld zu kreieren, welches hilft, tatsächlich alle leistungsbildenden faktoren richtung perfektion zu treiben

> die kompromisslosigkeit, sich alles für den erfolg nötige auch wirklich zu nehmen

> erstaunliche hartnäckigkeit beim akribischen abhobeln von hürden unterschiedlicher höhe

> erfahrung

> smarte selbstironie als erklärungstool für teils unerklärliches

> wachsamkeit

> dankbarkeit und achtsamkeit für alles genannte und sicher noch einiges mehr

respekt also, herr doppelolympionike (stand, wie gesagt, 18.2.)

Mein kompaktes Batzerl Olympiasenf

Sotschi? Ganz offensichtlich gigantomanisch durchgeknallt! Putin? Nach intensivem Studium der Materie wohl auch ohne persönliche Bekanntschaft problemlos als menschenverachtend und machtgeil einzustufen!

Aber: Wer bei den Interviews von Dominik Landertinger, Matthias Mayer und Nicole Hosp ein bissi was von dieser tiefen Freude, dieses offenbar überwältigenden Glücksgefühls mitbekommen hat – und jetzt bitte nicht mit „alles unreflektierte Sportskanonen“ kommen – der kriegt eine Ahnung, wieviel für die eigentlichen Protagonisten tatsächlich am Spiel steht. Kommt mir grad bei Sotschi und diesmal aus der Ferne vielleicht noch intensiver vor als bei den bisherigen Spielen in meinem Beobachtungszeitraum. Fazit: Ich gönne allen Aktiven bei Olympia und den folgenden Paralympics die Chance selbst in Sotschi ihre Träume zu leben!

Für den Rest gilt mein „bescheidener“ Olympiatraum: Möge der globale Aufschrei nicht ungehört verklingen, sondern vielleicht wenigstens bei künftigen Vergaben mitschwingen…

Mehr rausholen als jemals drinnen war

Was sind das für Leut‘? Wer ist verzweifelt genug, ernsthaft zu versuchen, als „sportlich“ Beteiligter ein oder mehrere Fußballspiele zu manipulieren? Nun, auf der einen Seite haben wir die nimmersatten, gierigen Typen, deren Ansprüche mit den einige Zeit steigenden Gagen geklettert sind, aber diese sich im Aushauchen der Karriere nicht mehr normalisieren konnten. So weit, so logisch – Geld macht halt manche blinder als Liebe.
Aber dann gibt es eben noch die anderen. Jene, die Opfer heimtückischer Einflüsterer geworden sind. Irgendwann noch junge Fußballer also, die auf den eigenen Größenwahn und/oder auf scheinbar wohlmeinende Mitesser gehört und deshalb bar tatsächlicher Möglichkeiten von der ganz großen und damit endversorgenden Karriere geträumt haben. Wenn du dir, häufig bestärkt von „Förderern“, lange genug einredest, dass du in Wahrheit um nix schlechter bist, als der Messi – oder, noch verführerischer weil näherliegend, als der Alaba – und es deshalb einfach verdient hast, genauso reich zu werden, aber halt jetzt, verhindert durch sture Eltern, blöde Verletzungen, blinde Scouts oder ein in China umgefallenes Radl, in irgendeinem schattigen österreichischen Graben statt im gleißenden Flutlicht der Champions League kickst, dann brauchst irgendwann Alternativen.
Manche, die erkennen, dass doch das Talent für Höheres fehlt, satteln beruflich tatsächlich via zweiten Bildungsweg um. Andere wiederum werden vom System „Profifußball“ einfach ausgespuckt – direkt in den reißenden Sozialstrudel nach unten.
Und dann haben wir aktuell eben noch jene, die aus einer Mischung aus Trotz, Dummheit und Gier versuchen, die ihnen von so vielen im Umfeld versprochene große Kohle oder wenigstens einen Teil davon auf andere Art heim zu holen. Fatales Frustfinale: Meist gelingt aber grad denen nicht einmal das absichtliche Elferfoul. Und falls doch, ist dann offenbar gar nicht selten der Schütze ein Bruder im Geiste. Oder der Tormann. Oder sie werden ertappt.
Mein Fazit: Selbst dort, wo viel zu wenig Fußball rauskommt, wird viel zu viel Marie hinein geredet. Gefährlich, weil Geld ja manche bekanntlich blinder macht als Liebe.

Die voraussichtlichen Opfer des Sendeplans von ORF Sport+ 2014 – Behindertensportler, Schulkinder, Frauen, Handball, Volleyball

Die voraussichtlichen Opfer des Sendeplans von ORF Sport+ 2014 - Behindertensportler, Schulkinder, Frauen, Handball, Volleyball

Eben Einblick in den Sendeplan des Spartensenders „Sport“ im ORF bekommen – siehe Foto – und dazu einen Sideletter mit den im kommenden Jahr vom Sparstift betroffenen Disziplinen eingesehen. Voraussichtlich trifft es also nicht nur den Behinderten- und Schulsport (Magazine dem Vernehmen nach gestrichen), nein beispielsweise muss angeblich auch der Frauenfußball dran glauben – also gleich einmal alles was nicht nur aus sportlicher sondern auch soziologischer und volksgesundheitlicher Sicht sinnvoll war. Immerhin, Integration war eh nie ein Thema drum wird es auch nicht gekürzt oder gestrichen. ebenfalls unter den kolportierten Opfern: Volleyball und Handball.

Insgesamt ergibt der 24-Stundenplan dann täglich, jeweils beginnend um 2 Uhr, folgendes Layout (Foto):
2 bis 5: Wiederholung Freitag
5 bis 8: WH Donnerstag
8 bis 11: WH Sonntag
11 bis 14: WH Samstag
14 bis 17: WH Freitag
17 bis 20: WH Donnerstag
20 bis 23: ERSTSENDUNG MONTAG!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!
23 bis 2: WH Sonntag

Das kann sich also eindeutig nur um ein längst verworfenes Konzept handeln, oder?

Die forsche Forderung nach Förderung

Man merkt’s grad am prall gefüllten Maileingangsordner, wie die heimischen Sport-Cluster nun sukzessive draufkommen, dass der Sport in den immerhin  doch bis Weihnachten anberaumten Koalitionsgesprächen maximal die Rolle des Wunschzettelschreibers spielen wird  dürfen. Da stapeln sich Absichtserklärungen und Zukunftskonzepte mit Versprechen und Beschwerden. Da fließt der prophylaktische Angstschweiß davor, dass die insgesamt mehr als 200 Millionen Euro Fördergelder aus Bundes- und Landeskassen künftig an die Richtigen und nicht an die Besten verteilt werden könnten. Oder umgekehrt. Oder, noch schlimmer, an die anderen.

Sapperlot, wozu hat man sich da jahrzehntelang bis runter zum kleinste Platzwart politisch vernetzt, wenn sich die „Großparteien“ jetzt gar nicht kümmern, ja am End‘ den Sport wieder einfach auf irgendein Wald-und-Wiesen-Ressort draufpicken statt ihm endlich ein eigenes Ringstraßen-Palais mit ausreichend Limousinen-Stellplätzen – dem Vernehmen nach, ist im viel zu kleinen Haus des Sports unweit des Wiener Schwarzenbergplatzes weder drinnen noch draußen ausreichend Raum fürs Visionieren  bzw. Parkieren – zu verehren?

Aber woher die Panik? Daher, dass der Sport in Österreich, ungelogen eins der reichsten Länder am Globus, praktisch seit Ende des  1. Weltkrieges zum allergrößten Teil ein Produkt öffentlicher Basis- ja Hauptfinanzierung ist und Generationen von Funktionären und Verbands- wie Vereinsmanager keinen anderen Plan haben, vom Amtsantritt weg jährlich ausschließlich Förderanträge zur Aufrechterhaltung des Betriebes auszufüllen.

Was in Nachkriegs- und Wiederaufbauzeiten noch würdig und Recht war, scheint  heute zu wenig. Wo sind die Ideen der  Verantwortlichen, ihre Sportart derart attraktiv zu präsentieren  und kompetent zu repräsentieren, dass sich die nichtstaatlichen Sponsorentöpfe weiter öffnen? Wo ist die Bereitschaft einiger Athleten zu realisieren, dass sie für die Wahl von Beruf und und Berufung in aller erster Linie einmal selber veranwortlich sind und nicht  jeder vergossene Schweißtropfen das Blut Christi für jeden einzelnen einer ganze Nation und deshalb zwingend opulent förderungswürdig  ist?

Um Missverständnissen vorzugreifen: Ich bin nicht für die Abschaffung der öffentlichen Sportfördertöpfe. Aber ich bin für erzieherische Maßnahmen, welche Verbände mit sanftem Druck in die Moderne zu surfen lassen und nur gezielt supporten, wenn sie einen merklichen Teil ihres Budgets selbst aufbringen. Wer im Spitzensport künftig nicht gewillt ist, sein Schicksal zumindest mit einer Pranke selbst anzupacken, dem gehören die Gelder noch massiver dorthin verschoben, wo sie sowieso am besten aufgehoben wären – in den Kinder- und Jugendsport.

Außerdem bin ich dafür, jungen Sportlern kraftvoll einzuimpfen, dass zugesprochene Fördersummen nicht als Selbstverständlichkeit, ja als Pflichtprogramm zu sehen sind, sondern (unabhängig von der Höhe UND den Beträgen, die andere kassieren) als Startkapital, Auszeichnung und Ermunterung. Wichtig dabei: REALISMUS. Wären den Österreichern im Kollektiv wirklich sämtliche, im Sport erbrachte Leistungen derart wichtig, wie den Akteuren verständlicherweise selbst, und würden sie sich nach Medaillen „ihrer“ Athleten tatsächlich schneller, höher und stärker fühlen. Dann, ja dann gäbe es wahrscheinlich kein Gejammer um jeden einzelnen Fördernetsch. Dann hätt die Politik das Gefühl, was Richtiges zu tun, wenn sie Geld in den Sport pumpt und dann würden sich auch die Sponsoren aus der  echten Welt um die besten Plätze auf den Leiberln von Athleten egal welcher Disziplin raufen.

So ist es aber nicht. Leider oder Gott sei Dank. Österreich geht es nämlich vergleichsweise hervorragend. Dem Volk müssen weder Brote noch Spiele geschenkt werden, um es von der Revolution abzuhalten und international erbrachte, sportliche Erfolge überhöhen das Selbstwertgefühl nur einiger weniger Österreicher. Der größere Rest ist mit sich selbst bzw. dem im Berufs- oder Familienleben erreichten zufrieden. Über rot-weiß-rote Siege freut man sich, kommt aber in Wahrheit die eine oder andere Olympiade auch ohne aus. Wohlstand und Leistungsfähigkeit in anderen Bereichen düngen zwar nachweislich den Boden für Sport als mehr oder weniger exklusiven Freizeitvertreib, lassen aber vielfach die Äcker des weltweit beklatschten Ruhms brach liegen.

Wie geht eigentlich Präsident*in?

Auch aus der eigenen Genese heraus liegen mir etwa Athlet*innen näher am Herzen als „deren“ jeweilige Funktionärsgilde. Eine Kategorisierung der bundesweit höchsten Repräsentant*innen ihrer Sportart traue ich mich trotzdem anzustellen. Vielleicht wird’s für geneigte Leser*innen ja auch eine kleine Stütze in der Beurteilung, wer dem Sport wirklich was bringt und wer sich nur auf lichter Höhe der VIP-Tribüne im edelmetallischen Abglanz seines transpirierenden Bodenpersonals sonnt.

Oberstes und leicht nachvollziehbares Kriterium in meiner persönlichen Bewertungsmethodik ist der öffentliche Zustand zur Planung und Sicherung der Zukunft. Wie geht man mit dem aktuellen Nachwuchs um, wie versucht man künftigen zu generieren und – wichtig – wen will man dafür hauptsächlich zahlen lassen? Wenn ein Präsident oder, leider deutlich seltener, eine Präsidentin gleich nach der Wahl zuerst Bund und dann Land um eine Erhöhung der Fördermittel ansudert statt ein schlüssiges, gemischt finanziertes Konzept für die Optimierung des sportlichen Outputs vorzulegen, dann hat man einen/eine vom altösterreichischen Schlag vor sich und kann ihn/sie als Auslaufmodell wieder abhaken. Kommt aber jemand, die oder der es versteht, den eigenen wirtschaftlichen/sportlichen/politischen Erfolg oder gar eine weithin unumstrittenene menschliche Integrität dazu zu nutzen, um die jeweilige Disziplin endlich aus der Rolle des antiquierten Fördernehmers raus- und in jene des fortschrittlichen, aus kreativ aber ehrlich lukrierten Sponsorgeldern und öffentlichen Zuwendungen befeuerten Vorzeigeverbands reinzuholen, dann sollt‘ man gut zuhören. Weil dann spricht jemand, der kapiert hat, dass die Interessen eines einzelnen Bevölkerungssegments nicht zur Belästigung oder Belastung für alle anderen werden dürfen.

Trotzdem ist die Mittelbeschaffung nur eine von vier nötigen Kernkompetenzen eines Präsidiums. Dazu kommen noch echte, kommunizierbare Begeisterung fürs Thema, solides Fachwissen und die Gabe, den Populismus intelligentem Realismus zu opfern, um Probleme wirklich an der Wurzel packen zu können. Obwohl ich die Antwort zu kennen glaube, würd‘ mich interessieren, ob es beispielsweise tatsächlich der allerorts medial herbeigejammerte, oft sündteure Bau von zusätzlichen Tartanbahnen, 50-Meter-Becken, Gymnastikhallen, Schnitzelgruben etc. ist, der Gold regnen lässt, oder aber doch die gezielte Investition in die, auch nach internationalen Maßstäben gehaltvolle Aus- und Weiterbildung von Trainer*innen. Von echten Fachleuten, die ihr bestehendes oder künftig vielleicht sogar höheres Gehalt wert sein und für ihre Arbeit mit den Jungen und den Vielversprechenden von den weltweit Besten lernen wollen.

Wo sind sie also, die Entscheidungsträger*innen, die es verstehen, aus bekömmlichen Zutaten wie Eloquenz, Integrität und Kreativität einen Cocktail zu mixen, der für den Sport und seine Fans wie ein belebender Energy-Drink statt wie jenes benebelnde Gesöff wirkt, das ungebrochen vielerorts serviert wird? Ob sie tatsächlich grad an den Rudern des Sports sitzen, könnte man gerne anhand des oben skizzierten Jobprofils beurteilen. Ich persönlich kenne nur wenige Exemplare dieser eigentlich schützenswerten Art. Für zweckdienliche Hinweise zur Erweiterung dieser exotischen Menagerie bin ich zu jeder Zeit dankbar.

Bauch oben

Jetzt hamma den Salat. Bis Mitte der 1990er Jahre vegetierte der durch wenige konkurrenzfähige Einzelphänomene zu rechtfertigende „Verband Österreichischer Schwimmvereine“ im selbstgewählten Randsportstatus dahin. Bis, ja bis die zufällige Koexistenz von mehreren Individual-Könnern (Draxler, Lischka, Podoprigora, Rogan, Zahrl, Jukic, Nadarajah,Jukic, etc.)  den so beschaulich dahin tümpelnden VÖS vor ein bislang ungekanntes Problem stellte: Wie sollte man erklären,  dass all die Finalplätze und Medaillen irgendwie auch als Resultat der Verbandsarbeit zu werten seien und nicht nur als die gerechte Ernte für Athleten und Trainer, welch beidhändig die Leidenschaft für ihren Sport gesät haben? Lang machte man es „richtig“. Verzichtete ab und an darauf, die eigenen Aushängeschilder zu behindern und wurde dafür auch nicht wegen der einen oder anderen mitreisenden Funktionärsgefährtin angepisst. Aber dann kam plötzlich Kohle. Echte Sponsorkohle wohlgemerkt, und nicht nur jene aus den öffentlichen Fördertöpfen. Geldmittel, bei deren Handling es dem damals wie heute greisenhaft agierenden Funktionärsstamm, dem so „stabil“ besetzten Generalsekretariat samt seiner sportlichen Verantwortlichen aber auch vielen Trainern und Athleten schlicht an Geschick fehlte. Woher sollte man plötzlich wissen, wie mit Sponsorverträgen, Branding, Persönlichkeitsrechten, wetteifernden Ausrüstern und ähnlichen Dingen umzugehen ist, wenn es  jahrzehntelang gereicht hat, die Aktiven mit Limits und Nichtentsendungsdrohungen unter Kontrolle zu behalten.
Dass man auf Geld in einem Sport, der ewig als Sinnbild der Askese und des fast nackten Willens galt, nicht vorbereitet war, illustriert eine meiner Lieblingsbeobachtungen. Vor gut zehn Jahren schien der Schwimmverband – heute ja OSV mit O – einig mit einem prominenten Teamsponsor. Gleichermaßen flink wie stolz ließ man Sporttaschen und Bekleidung mit dessen rosa Schriftzug beflocken. Im letzten Moment scheiterte der Deal mit der Schnittenmanufaktur allerdings und der bis heute Nibelungen treue Verbandsunterstützer durfte zum Spartarif einspringen. Immerhin ließ man knapp vorm damals anstehenden Großereignis die in vorauseilendem Gehorsam produzierten Accessories gschwind mit den Logos des fürderhin so geduldigen Großbäckers überkleben. Aber schon am Airport des Zielortes war der Pick vielfach ab und bis heute kursieren nicht nur Fotos von rot-weiß-roten Schwimmstars, die darauf brav rosa und gelb tragen. Wie bitte sollte ein derartiges Krisenmanagment denn mit Dingen wie Protesten um Goldmedaillen, rassistischen Beschimpfungen, Disco-Prügel, Doping-Prozessen, Suspendierungen, der Androhung einer gewaltsamen Erweiterung des Darmausgangs oder gar Erfolglosigkeit im Pool – dies nur die öffentlich zugänglichen Lach- und Sachgeschichten- umgehen können?
Nivellieren tut – wie so oft im Sport – die Stoppuhr. Und die läuft im österreichischen Schwimmsport leider rückwärts. Aber vielleicht tut es der Schwimmerei eh gut, wenn nicht mehr das durch Nachwuchs- und andere -Limitgeschenke „größte Team aller Zeiten“ zu Großereignissen reist wie unter dem nunmehr vorvorigen Präsidenten sondern irgendwann wieder ein richtig gutes.
Was es dazu braucht? Funktionäre, denen es um Substanzielleres geht, als ums Geflenne um öffentliche Fördermittel und Fernreisen in Gesellschaft schöner, junger Menschen geht. Trainer, die nicht nur von ihren Stärken und angeblicher Geringschätzung erzählen sondern auch selbstkritisch und effizient an ihren Defiziten arbeiten wollen. Athleten, welche ihr Heil nicht in Ausreden und Gejammere sondern in echter Initiative und aktivem Mitdenken bei der Entwicklung ihrer Karriere suchen. Sollte sich in absehbarer Zeit ein derartiges Dreamteam von zusammenfinden, dann könnt man sein Kind ob dieser Symbolik sogar wieder zum Schwimmen schicken. Heute und wohl leider auch in näherer Zukunft ist dies allerdings keine realistische Option. Von vielen fetten Karpfen ist der Teich nämlich trübe geworden. Und zwar so trübe, dass jetzt sogar das BZÖ im Schwimmverband fischen möcht: http://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20130805_OTS0012/bzoe-petzner-forciert-aufklaerung-ueber-malversationen-und-misswirtschaft-im-oesterreichischen-schwimmverband. Gibt es ein deutlicheres Armutszeugnis?