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Wie geht eigentlich Präsident*in?

Auch aus der eigenen Genese heraus liegen mir etwa Athlet*innen näher am Herzen als „deren“ jeweilige Funktionärsgilde. Eine Kategorisierung der bundesweit höchsten Repräsentant*innen ihrer Sportart traue ich mich trotzdem anzustellen. Vielleicht wird’s für geneigte Leser*innen ja auch eine kleine Stütze in der Beurteilung, wer dem Sport wirklich was bringt und wer sich nur auf lichter Höhe der VIP-Tribüne im edelmetallischen Abglanz seines transpirierenden Bodenpersonals sonnt.

Oberstes und leicht nachvollziehbares Kriterium in meiner persönlichen Bewertungsmethodik ist der öffentliche Zustand zur Planung und Sicherung der Zukunft. Wie geht man mit dem aktuellen Nachwuchs um, wie versucht man künftigen zu generieren und – wichtig – wen will man dafür hauptsächlich zahlen lassen? Wenn ein Präsident oder, leider deutlich seltener, eine Präsidentin gleich nach der Wahl zuerst Bund und dann Land um eine Erhöhung der Fördermittel ansudert statt ein schlüssiges, gemischt finanziertes Konzept für die Optimierung des sportlichen Outputs vorzulegen, dann hat man einen/eine vom altösterreichischen Schlag vor sich und kann ihn/sie als Auslaufmodell wieder abhaken. Kommt aber jemand, die oder der es versteht, den eigenen wirtschaftlichen/sportlichen/politischen Erfolg oder gar eine weithin unumstrittenene menschliche Integrität dazu zu nutzen, um die jeweilige Disziplin endlich aus der Rolle des antiquierten Fördernehmers raus- und in jene des fortschrittlichen, aus kreativ aber ehrlich lukrierten Sponsorgeldern und öffentlichen Zuwendungen befeuerten Vorzeigeverbands reinzuholen, dann sollt‘ man gut zuhören. Weil dann spricht jemand, der kapiert hat, dass die Interessen eines einzelnen Bevölkerungssegments nicht zur Belästigung oder Belastung für alle anderen werden dürfen.

Trotzdem ist die Mittelbeschaffung nur eine von vier nötigen Kernkompetenzen eines Präsidiums. Dazu kommen noch echte, kommunizierbare Begeisterung fürs Thema, solides Fachwissen und die Gabe, den Populismus intelligentem Realismus zu opfern, um Probleme wirklich an der Wurzel packen zu können. Obwohl ich die Antwort zu kennen glaube, würd‘ mich interessieren, ob es beispielsweise tatsächlich der allerorts medial herbeigejammerte, oft sündteure Bau von zusätzlichen Tartanbahnen, 50-Meter-Becken, Gymnastikhallen, Schnitzelgruben etc. ist, der Gold regnen lässt, oder aber doch die gezielte Investition in die, auch nach internationalen Maßstäben gehaltvolle Aus- und Weiterbildung von Trainer*innen. Von echten Fachleuten, die ihr bestehendes oder künftig vielleicht sogar höheres Gehalt wert sein und für ihre Arbeit mit den Jungen und den Vielversprechenden von den weltweit Besten lernen wollen.

Wo sind sie also, die Entscheidungsträger*innen, die es verstehen, aus bekömmlichen Zutaten wie Eloquenz, Integrität und Kreativität einen Cocktail zu mixen, der für den Sport und seine Fans wie ein belebender Energy-Drink statt wie jenes benebelnde Gesöff wirkt, das ungebrochen vielerorts serviert wird? Ob sie tatsächlich grad an den Rudern des Sports sitzen, könnte man gerne anhand des oben skizzierten Jobprofils beurteilen. Ich persönlich kenne nur wenige Exemplare dieser eigentlich schützenswerten Art. Für zweckdienliche Hinweise zur Erweiterung dieser exotischen Menagerie bin ich zu jeder Zeit dankbar.

Gesundes Zuckerl

Also doch. Die tägliche Turnstunde an den Pflichtschulen. Von der BSO www.bso.or.at nach den für den damaligen Sportminister so unerfolgreich (weil ohne Kuschelbilder mit Medaillengewinnern) beendeten Sommerspielen 2012 mit viel Wucht ins Jammertal geschleudert, darf diese alte Idee der Dachverbände und Gesundheitsförderer nun im Herbst 2014 offenbar tatsächlich an den Start siehe Der Standard. Nachdems der Bundeskanzler bei einer Vorwahlwanderung mit willigen Spitzensportlern vollmundig postulierte, wird man also jetzt möglicherweise in Bälde sehen, ob für die Umsetzung tatsächlich ausreichend Infrastruktur und Kooperationswillen mit dem organisierten Sport – ohne wird’s auch aufgrund rapide sinkender Lehrerzahlen eher nicht gehen – da ist. Möge die Übung im Sinne unserer Kinder gelingen.
Dass aus dieser Initiative unmittelbar Medaillen und Pokale gegossen werden können, glaubt hoffentlich eh niemand mehr. Was allerdings nach einem Blick ins Standard- Forum stutzig macht ist, dass selbst zahlreiche Bildungsbürger nichts etwa von der nachweislich positiven Wirkung von motorischem Training auf die allgemeine Hirnentwicklung von Kindern ahnen und sich nun in ergreifender Manier Sorgen darum machen, ob denn künftig eh auch noch die Herren Duden und Pythagoras zu ihren über Jahrhunderte ersessenen Rechten kämen. Hier kann ich nach eingehenden Selbststudien mit meiner grad siebenjährigen Tochter Entwarnung geben. Für sie und ihre Mitschüler war die tägliche Turnstunde dank einer höchst engagierten Lehrerin in der Ersten vergnügliche Pflicht und im kollektiv panierte man die anderen Pennälertruppen aus den traditionell statisch geführten Klassen 1b und-c nicht nur bei Völkerball und Co. sondern auch bei sämtlichen Lese-, Schreib- und Rechentests. Nicht nur für mich ist der Zusammenhang ähnlich ursächlich wie die Tatsache, dass unsere Tochter auch durch ihr nun schon lebenslanges und intensives Bewegungsprogramm jede Menge Selbstsicherheit und Konzentrationsfähigkeit gebunkert hat. Und vor allem eine Riesenportion Lebensfreude.
Es lebe also der Sport – von mir aus gern dann auch amtlich und täglich in der Schule. Vielleicht wurde das augenscheinlich Wahlzuckerl ja tatsächlich nach einer bekömmlichen Rezeptur gegossen. Und wenn nicht, ist es auch wurscht, denn eigentlich sollt das Bewusstsein der Kids eh in erster Linie von den Eltern geschärft werden …

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