Der Wiener Grant? International anerkannt

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Die Wirtschaftsagentur der Stadt hat bereits vor Jahren einen Expat Club gegründet, um niederschwelliges Networking zu unterstützen. Dazu legt man einen Expat Guide mit Infos zum Leben in Wien auf. Und was tun die Expats, also aus dem Ausland von ihren Arbeitgebern in Österreichs Hauptstadt Entsandte? Sie voten Wien hinter Paris und Kuwait zur drittunfreundlichsten Metropole am Planeten!

Dies zeigt das auf der Befragung von 20.000 Personen basierende „Expat City Ranking 2019“ der Plattform InterNations. 45 Prozent der Umfrageteilnehmer plagen sich demnach, hier Freundschaften zu schließen (Platz 60 unter 82 erfassten Städten). 38 Prozent finden, dass Wiener*innen Expats gegenüber unfreundlich sind. Der legendäre Wiener Grant existiert also auch nach Meinung der Expats. Aber warum trifft er gerade sie? Und woher rührt er grundsätzlich?

Hier ein höchst subjektiver Versuch einer Beantwortung. Nirgends in Österreich leben bekanntlich mehr Menschen auf einem Fleck wie in Wien. Logisch, dass sich unter beinahe 2 Millionen auch verhältnismäßig viele temporär Unzufriedene finden. Mögliche Auslöser für akuten wie chronischen und typischerweise mit Sarkasmus gewürzten Missmut liegen auf der Hand: unbefriedigende, oft alternativlose Job- oder Wohnverhältnisse, Stress durch die permanente Geräuschkulisse der Großstadt, überfüllte Öffis am Arbeitsweg, Staus, extreme Hitze. eiskalter Wind, und so weiter.

Leidet man unter all dem und sitzt dazu an exponierter Stelle, kann man durchaus zum Frust-Multiplikator mutieren. Viele Expats wiederum bleiben gerade am Beginn ihrer Auslandskarrieren beruflich wie privat oft unter sich. Kontakte außerhalb der eigenen Blase sind selten. Bricht dann in Begegnungszonen wie der Supermarktkassa, der U-Bahn, am Amt oder im Kaffeehaus der Wiener Grant durch, kann plötzlich eine zweite Gruppe von Multiplikatoren entstehen und dem Image einer Stadt Schrammen zufügen. Selbst, wenn es die lebenswerteste der Welt ist …

Anmerkung: Der in der Studie enthaltene Hinweis, dass viele Expats mangelnde Sprachkenntnisse als zu hohe Hürde empfinden, lässt befürchten, dass ihnen die humorige Seite des Grantelns leider verborgen bleibt. Vielleicht können wir da helfen.

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